Neues aus Vaals: Alter vor Schönheit - DER SPIEGEL
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Neues aus Vaals Alter vor Schönheit

Rechtzeitig zum EM-Auftaktspiel am Montag hat sich Lothar Matthäus aus dem Krankenstand zurückgemeldet. Und auch wenn Erich Ribbeck es offiziell noch nicht zugeben will: Damit steht die Startaufstellung gegen Rumänien.
Von Katrin Weber-Klüver
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vaals - "Dadurch, dass ich problemlos trainieren konnte, würde ich sagen, dass ich am Montag spielen kann." Das ist die Nachricht des Tages. Lothar Matthäus übermittelte sie am Samstagnachmittag nach einem Härtetest im Geheimtraining ("Ich konnte alles problemlos mitmachen") als Interpret seines eigenen Gesundheitszustandes.

Dem angestrengten Oberschenkelmuskel geht es also wieder gut. Ob es der deutschen Abwehr am Montagabend (18 Uhr im Live-Ticker bei SPIEGEL ONLINE) in Lüttich gegen Rumänien auch gut gehen wird, ist eine andere Frage. Obsolet jedenfalls sind vorläufig alle Spekulationen und weit verbreitet auch Hoffnungen, es würde vielleicht doch Jens Nowotny ("Ich speziell bin gut drauf") eine Chance bekommen, seine Vorzüge als Abwehrchef zu zeigen. Nun wird der Leverkusener zusammen mit Thomas Linke unter Matthäus' in der Innenverteidigung arbeiten.

Noch nicht offiziell verlautbart, aber abzusehen ist auch das Stürmerpaar. Wenngleich Mannschaftskapitän Oliver Bierhoff sagt, "der Trainer hat sich noch nicht geäußert" und dass "aus dem Training nicht zu erkennen" sei, welcher der vier Stürmer Bierhoff, Kirsten, Rink und Jancker in der Startelf stehen wird, scheint die Tendenz ebenso wie in der Defensive zum Einsatz der altgedienten Kräfte zu gehen. Beim geheimen Trainingsspiel am Vormittag traten Bierhoff und Kirsten in der einen und Jancker und Rink in der anderen Elf an. "Da kann man jetzt Schlüsse draus ziehen", fand Teamchef Ribbeck. Damit sich aber nun niemand bis Montag langweilt, weil alles sonnenklar ist, teilte der Teamchef seine eigenen Schlüsse nicht mit.

Sein Beharren auf, wenn man so will: eingespielten, wenn man es anders sieht: eingefahrenen Aufstellungsmodellen begründet Ribbeck mit der Überlegung, dass heutzutage ganz allgemein "Erfahrung" eine immer größere Rolle spiele, weil die Spieler wegen ihrer vielen Spiele immer weniger trainieren könnten. Fazit: "Der Trend, dass das Durchschnittsalter höher werden wird und nicht niedriger."

So werden also wohl Ziege links und Babbel rechts die Außenpositionen im Mittelfeld einnehmen und nicht etwa Deisler zum Einsatz kommen. Eingedenk eines Gheorge Hagi im gegnerischen Team auf der rechten Seite eher der Routine, denn jugendlichem Elan zu vertrauen, ist eine Maßnahme, der unlängst auch Ribbecks Vorgänger, EM-Analyst Berti Vogts, seinen Segen gegeben hat.

Dass das Mittelfeld grundsätzlich defensiv ausgelegt sein dürfte, hat sich schon beim Testspiel gegen Liechtenstein abgezeichnet, als in der Anfangself Jeremies (der trotz einer Trainingsverletzung vom Freitag wieder spielbereit ist) und Hamann hinter Scholl zum Einsatz kamen. Auch Torwart Oliver Kahn, als einziger in seiner Position gänzlich unumstritten, plädiert für die konservative Aufstellung. "Das wichtigste ist, dass wir hinten gut stehen und kein Gegentor bekommen."

Für ein aufregend attraktives deutsches Spiel spricht das erst einmal nicht, wie sich schon in Freiburg gegen die Amateure aus Liechtenstein zeigte. Aber es ist auch nicht die Inspiration, sondern der Pragmatismus, der im deutschen Lager den Ton angibt. Denn was man schließlich nicht vergessen darf, obwohl man es besser vergessen sollte: Deutschland tritt als Titelverteidiger an. Da geht es wie immer nicht um Schönheitspreise, sondern darum, den Nimbus des effektiven Turnierteams zu behaupten. Oder, wie es Matthäus sagt: "Wenn wir als Mannschaft auftreten, bin ich überzeugt, dass wir für positive Schlagzeilen sorgen."

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