Notnagel: Ernst Huberty hilft bei "ran" aus - DER SPIEGEL
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Notnagel Ernst Huberty hilft bei "ran" aus

Ernst Huberty, Sportreporter im Ruhestand, wird am Wochenende sein Comeback hinter dem Mikrofon feiern. Der 75-jährige "Mister Sportschau" ist von der "ran"-Redaktion gebeten worden, am Samstag das Bundesliga-Spiel Bayer Leverkusen - 1. FC Kaiserslautern zu kommentieren.
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Köln - Nach Informationen der "Bild"-Zeitung erhielt Ernst Huberty vergangene Woche von Sat.1-Sportchef Michael Lion einen Anruf. Es sei Not am Mann, hieß es, ob er nicht kurzfristig aushelfen könnte. "Zunächst war ich ziemlich platt", wunderte sich der Altmeister des Fernseh-Sportjournalismus über das unerwartete Interesse an seiner Person. Nach einem Tag Bedenkzeit sagte er zu.

Dahlmann muss ersetzt werden


Hintergrund der unerwartenden Auferstehung des Erfinders des "Tor des Monats" ist der immer noch nicht beigelegte Streit zwischen Sat.1 und dem Dienstleitungszentrum SDZ, das die Reporter für Premiere und Sat.1 einteilt. Der für das Leverkusen-Spiel vorgesehene Reporter, Jörg Dahlmann, musste kurzfristig ersetzt werden, deshalb der "ran"-Notruf im Hause Huberty. Bereits vor zwei Wochen holte sich "ran" Ersatz aus der Schweiz (Alexander Kuszka) und Österreich (Erich Auer).

Nach einem Vertrag zwischen SDZ und Sat.1 wurden Kommentatoren und redaktionelle Mitarbeiter gegen Honorar, ähnlich wie bei einer Zeitarbeitsfirma, regelmäßig an "ran" ausgeliehen. Dieser Vertrag wurde von Sat.1 Ende März mit Wirkung zum 30. Juni einseitig gekündigt. "In Zeiten der knappen Kassen", so eine Sat.1.-Sprecherin, "können auch wir Leistungen nicht mehr nach den Konditionen von vor zwei Jahren bezahlen." Im Interesse einer neuen Vereinbarung erklärte sich das SDZ aber bereit, die Dienstleistung bis zum 1. Oktober in gewohnter Form zu erbringen. Da die Frist inzwischen ohne Ergebnis verstrichen ist und Sat.1 in Deutschland keine ungebundenen Sportreporter auftreiben konnte, wurden die Kommentatoren aus dem deutschsprachigen Ausland verpflichtet. Die jüngste Alternative heißt nun Huberty.

"Vor Samstag habe ich keine Angst"


Traut sich der ehemalige "Sportschau"-Mann einen Einsatz im heutigen Bundesliga-Alltag noch zu? "Vor Samstag habe ich keine Angst", gibt sich Huberty selbstbewusst. Vor vier Jahren habe er bei Premiere seinen letzten Live-Kommentar gegeben und in der Bundesliga sei er regelmäßig unterwegs. Allerdings: "Einen Nachkommentar, wie jetzt für Sat.1, habe ich zuletzt vor über 20 Jahren gesprochen", so Huberty.

Von 1961 bis 1982 war Huberty beim WDR angestellt, wo er zusammen mit Dieter Adler, 66, und dem vor zwei Jahren verstorbenen Adi Furler, "Die Sportschau" als samstäglichen Pflichttermin in der ARD etablierte. 1982 endete der Höhenflug des Publikumslieblings; wegen undurchsichtiger Spesenabrechnungen wurde er zu WDR 3 abgeschoben. 1992 wechselte Huberty als Freier Mitarbeiter zu Premiere, wo er neben seiner Reportertätigkeit auch als Ausbilder für den Nachwuchs arbeitete. Unter anderem coachte der Fernsehmann, der mehr als 4000 TV-Auftritte absolvierte, Reinhold Beckmann, Johannes B. Kerner, Oliver Welke und Monika Lierhaus.

Valérien fällt aus


Inwiefern Sat.1 künftig andere Altmeister des Sportjournalismus' reaktivieren wird, ist noch unklar. Das Engagement von Huberty ist bislang nur für ein Wochenende vorgesehen. Wer dann einspringen soll, falls der Arbeitstreit bis dahin nicht beigelegt ist, ist noch unklar. Harry Valérien, 78, ebenso ein Mann der frühen Stunde dürfte nicht in Frage kommen. Der ehemalige Moderator des "Aktuellen Sportstudio" hat derzeit Wichtigeres zu tun. Der leidenschaftliche Golfer hat zuletzt eine radikale Änderung bei seinem Schwung vorgenommen, die keine Zeit für Ausflüge in alte Gefilde zulässt: Als Rechtshänder glaubte Valérien an seine Grenzen gekommen zu sein. Nun versucht er es mit links.

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