Novakovic-Dreierpack gegen den HSV: Comeback einer Diva - DER SPIEGEL
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Novakovic-Dreierpack gegen den HSV Comeback einer Diva

Freude in Köln, Frust in Hamburg: Mit drei Toren hat der zuletzt zum Ersatzspieler degradierte Milivoje Novakovic den FC aus den Abstiegsrängen geschossen. Gegner HSV verpasste dagegen den Anschluss an die Tabellenspitze und liegt hinter den eigenen Ansprüchen zurück.
FC-Stürmer Novakovic: "Wir sind wieder als Team aufgetreten"
FC-Stürmer Novakovic: "Wir sind wieder als Team aufgetreten"

FC-Stürmer Novakovic: "Wir sind wieder als Team aufgetreten"

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images
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Hamburg - Rechts, links, rechts: Das war die Kombination, mit der Milivoje Novakovic seinen 1. FC Köln vom Tabellenende schoss und den Hamburger SV ausknockte. Per Rechtsschuss sorgte der Stürmer für die FC-Führung (11. Minute), glich mit einem Linksschuss die zwischenzeitliche Hamburger Führung aus (29.) und sorgte kurz vor dem Ende erneut mit dem rechten Fuß für den Siegtreffer des Gastgebers (84.). Der Erfolg gegen den HSV war nicht nur ein Befreiungsschlag für die zuletzt erfolglosen Kölner - es war auch das Comeback der FC-Diva.

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Novakovic als Auslaufmodell in Köln. Genau genommen war der Slowene vor einer Woche nicht mehr als ein Ergänzungsspieler im FC-Kader, was allerdings weniger an seinen fußballerischen Fähigkeiten als vielmehr zwischenmenschlichen Spannungen lag.

Novakovic und der jüngst beurlaubte Trainer Zvonimir Soldo - es war ein Verhältnis, das von Abneigung geprägt war. Sie konnten nicht miteinander, sie wollten nicht miteinander. Und kaum ist Soldo nicht mehr FC-Coach, läuft Novakovic unter dem neuen Coach Frank Schaefer wieder von Beginn an auf - und trifft. Beim 3:0-Heimsieg im Pokal gegen 1860 München einfach, gegen den HSV dreifach.

Nach dem Sieg gegen Hamburg sagte Novakovic bei "Liga total": "Das letzte Spiel im Pokal war ein neuer Anfang." Nicht nur für die Mannschaft, vor allem für den 31-Jährigen selbst. Unter Soldo lief er nur in den beiden ersten Saisonspielen von Beginn an auf, anschließend war Schluss. Viermal wurde Novakovic nur in der Endphase eingewechselt, dreimal saß er die kompletten 90 Minuten auf der Bank. "Sicher war ich enttäuscht. Für mich war es eine schwere Zeit, ich habe schon über einen Wechsel im Winter nachgedacht", sagt Novakovic über die vergangenen Wochen.

Lange schwelender Konflikt zwischen Ex-Trainer Soldo und Novakovic

Wer das Verhältnis von Soldo und Novakovic verstehen will, muss ein Jahr zurückblicken. Damals, im November 2009, qualifizierte sich der Angreifer mit Slowenien für die Weltmeisterschaft in Südafrika. Anschließend wollte er das mit seinem FC-Teamkollegen Miso Brecko und den anderen Nationalspielern gebührend feiern, was eine spätere Rückkehr nach Köln bedeutet hätte. Der Club, Soldo insbesondere, verbot seinen Spielern die Party wegen des anstehenden Bundesligaspiels der damals im Abstiegskampf befindlichen Kölner gegen Hoffenheim und ließ sie per Charterflieger abholen. Eine Aktion, die Novakovic als "respektlos" bezeichnete.

Seitdem war das Verhältnis zwischen Trainer und Stürmer angespannt, eine Woche später war es zerrüttet. Soldo setzte Novakovic als Kapitän ab. Für den stolzen Slowenen, der mit 20 Toren in der Saison 2007/2008 erheblichen Anteil an Kölns Rückkehr in die Bundesliga hatte und in der folgenden Spielzeit 16 Treffer zum Klassenerhalt besteuerte, war diese Aktion mehr als eine Beleidigung - es war eine Verletzung seiner Ehre.

Seitdem schwelte der Konflikt zwischen Novakovic und Soldo, der nach zwei Spieltagen glaubte, ohne den Angreifer auszukommen - ein fataler Irrtum. Wie gefährlich Novakovic sein kann, bewies er gegen den HSV. "Dieser Trainer hat mir jetzt das Vertrauen geschenkt. Das will ich ihm zurückzahlen", sagte er nach der Partie. Und dazu wird Novakovic weiter Gelegenheit haben, denn FC-Manager Michael Meier sagte nach dem Sieg: "Schaefer ist der richtige Mann. Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir jetzt andere Trainer ins Gespräch bringen würden." Den Grund für den Erfolg gegen Hamburg hatte Novakovic unterdessen schnell ausgemacht: "Wir sind heute wieder als Team aufgetreten."

HSV-Trainer Veh: "Wir haben andere Ansprüche"

Eine Aussage, die auf Gegner Hamburg nicht unbedingt zutraf. Nach der desolaten 2:5-Pokalniederlage bei Eintracht Frankfurt offenbarte der HSV erneut große Defizite in der Defensive. Anstatt das Spitzenduo Mainz/Dortmund zu jagen, befindet sich der Club im Tabellenmittelmaß. "Wir haben andere Ansprüche", sagte denn auch HSV-Trainer Armin Veh.

Nach der verpassten Qualifikation für den europäischen Wettbewerb vergangene Saison hatten sie in Hamburg gerade das zu ihrem Vorteil zu drehen versucht. Ohne Belastung durch Spiele unter der Woche, so war die Annahme, würde das Team in der Bundesliga frischer auftreten - bislang ein Trugschluss. In Bayern München, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund stehen drei Teams, die im Europapokal aktiv sind, vor den achtplatzierten Hamburgern.

"Wir haben das Spiel über die Außenbahnen verloren. Wir haben die Möglichkeit gehabt, das Spiel zu gewinnen, auch wenn die Mannschaft heute ein anderes Gesicht hatte als normalerweise", sagte Veh und verwies auf die großen Verletzungssorgen: Unter anderem Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto, Frank Rost, Marcell Jansen, Dennis Aogo, Eljero Elia, David Jarolim waren ausgefallen.

HSV

Mit der Niederlage in Köln geht die wechselhafte Saison des weiter, der sich nach Erfolgserlebnissen stets Auszeiten nimmt. So wie nach den beiden Auftaktsiegen gegen Schalke und Frankfurt, als der Club anschließend vier Spiele in Folge nicht gewinnen konnte. Ebenso nach den Siegen gegen Kaiserslautern und Mainz, als trotz Überlegenheit nur ein 0:0 gegen Bayern folgte und nun die Pleite beim FC. "15 Punkte nach zehn Spielen sind zu wenig", so Vehs Fazit nach zehn Spieltagen.