Oliver Bierhoff: "Auch ich" - DER SPIEGEL
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Oliver Bierhoff "Auch ich"

Die glücklose Vorstellung von Oliver Bierhoff im WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland verleiht der Diskussion um die Zukunft des Nationalstürmers neue Nahrung.
Von Thomas Lötz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gelsenkirchen - Da war er also dann doch gekommen. In schickem Anzug stand Ulf Kirsten am frühen Samstagabend im Entree des Vip-Bereichs der Gelsenkirchener Arena "Auf Schalke". Autoschlüsselbund in der einen, das Handy in den Vereinsfarben seines Clubs Bayer Leverkusen in der anderen Hand.

Anderthalb Stunden waren das 0:0 gegen Finnland und die verpasste direkte Qualifikation der deutschen Mannschaft für die WM 2002 schon Gewissheit. "Ich habe bis zum Schluss gehofft, dass wir noch eins machen", sagte der 35-jährige Stürmer, über dessen Nachnominierung in den Tagen zuvor eifrig spekuliert und der dafür von der "FAZ" mit dem Wortspiel "Phantom der 'Opa'" belegt worden war.

Die besten Möglichkeiten, das Spiel in Gelsenkirchen zugunsten Deutschlands zu entscheiden, hatte Oliver Bierhoff. Zweimal traf der Stürmer in seinem 58. Länderspiel nur das Holz des finnischen Tores, einmal den Mann zwischen den Pfosten, und einen sehr gut platzierten Kopfball Bierhoffs konnte Finnlands Keeper Antti Niemi dann auch noch vor Überschreiten der Linie parieren.

"Die Pfiffe fand ich nicht okay"

Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel konstatierte der selten auskunftsunfreudige Kapitän des DFB-Teams, dass die deutsche Mannschaft aus ihren Chancen leider nichts gemacht habe. Dann fügte Bierhoff an: "auch ich". Tatsächlich hatte er nicht nur die klarsten, sondern ziemlich genau auch zwei Drittel aller deutschen Möglichkeiten vergeben.

Vor exakt einem Jahr hatte der 33-Jährige beim 1:0-Sieg in Wembley gegen England letztmals ein Länderspiel über 90 Minuten absolviert. Danach war der Stürmer nur noch ein- beziehungsweise ausgewechselt oder gar nicht erst berücksichtigt worden. Als er am Samstag in der ausverkauften Arena "Auf Schalke" gegen Finnland in der ersten Halbzeit einen anfängerhaften Fehlpass spielte, waren von den Zuschauerrängen umgehend Pfiffe zu vernehmen, was Bierhoff hinterher verharmloste: "Das kam nur von einem kleinen Kreis der Zuschauer." Ulf Kirsten hatte das von seinem Sitz im Stadion ein wenig dramatischer erlebt: "Die Pfiffe fand ich nicht okay, ich kann mich da gut in den Kollegen hineinversetzen."

"Er hat alles probiert"

Bierhoffs Sturmpartner gegen die Finnen, Oliver Neuville, brachte Verständnis für den Mann mit der Nummer neun auf: "Der Oliver hat einfach ein bisschen Pech gehabt. Er hat alles gegeben." Und auch der Teamchef wollte nicht in die primitive Rumprügelei auf dem umstrittensten Nationalspieler seines Kaders einsteigen: "Ich mache Oliver Bierhoff keinen Vorwurf, er hat alles probiert." Das sei das Los des Stürmers, wiederholte Völler seine seit Monaten nun schon gleich klingende Verteidigungsrede in Sachen Bierhoff, "das kenne ich aus meiner Erfahrung".

Oliver Bierhoffs eigene Erfahrungen ließen ihn in Gelsenkirchen den Vergleich zum in der Spätphase ebenfalls umstrittenen ehemaligen Nationalstürmer Jürgen Klinsmann suchen. Dieser Parallele hätte es gar nicht bedurft, denn die Diskussion um Sinn und Zweck des Nationalelfstürmers und -kapitäns Oliver Bierhoff wird in den nächsten Wochen munter weitergehen. Zumal, wenn, was sich abzeichnet, Bayern-Angreifer Carsten Jancker nach seiner Verletzung für die Relegationsspiele gegen die Ukraine (10./14. November) wieder zur Verfügung steht.

Und auch die Äußerungen von Gerhard Mayer-Vorfelder lassen nichts Gutes erahnen. Nach der Partie gegen Finnland, so der DFB-Präsident, habe er mit Bierhoff noch in der Umkleide gesprochen und ihn insbesondere mit der Situation konfrontiert, in der er den finnischen Nationaltorwart aus kurzer Distanz angeschossen hatte: "Ich habe ihn gefragt, wie er den Ball aus vier Metern nicht reinbringt?" sagte "MV", "da musst du eigentlich den Torwart fragen, ob er ihn links oder rechts haben will."