Oliver Bierhoff: "Bin kein Mann des Volkes" - DER SPIEGEL
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Oliver Bierhoff "Bin kein Mann des Volkes"

In einem Interview beklagt sich Deutschlands Nationalmannschaftskapitän a. D., Oliver Bierhoff, über sein Image.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris/Kiew - " Ich habe das Gefühl, geschätzt und anerkannt, aber kein Mann des Volkes zu sein. Ich spiele seit zwölf Jahren im Ausland und habe keine Lobby in einem Club oder in einem Teil der Medien", sagte Oliver Bierhoff in einem Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe" (Samstag). Er wolle er sich aber auch nicht anbiedern: "Ich werde keine populistischen Reden halten, um den Leuten zu gefallen."

"Die Medien bei uns brauchen immer den Guten und den Bösewicht. Das ist wie Theater. An einem Tag machen sie aus dir einen Helden, an einem anderen schießen sie dich ab. Für diese Übung ist man in Deutschland begabt", wies Bierhoff auf ihn störende Praktiken hin, "Bei uns wird die Meinung von der Bild-Zeitung gemacht, und Franz Beckenbauer äußert sich viel in dieser Zeitung, für die er regelmäßig eine Kolumne schreibt. So ist das."

"Man belügt sich"


Bierhoff, der seit Monaten bei Rudi Völler nicht mehr zur ersten Wahl gehört, sieht den deutschen Fußball auf keinem guten Weg. "In Deutschland lamentiert man viel: Wenn wir nur einen Owen hätten. Wenn wir nur einen Zidane hätten. Wenn wir nur einen Figo hätten. Man denkt aber nicht viel darüber nach, wie man dazu kommt", meinte der 58-malige Nationalspieler (31 Tore). "Wenn Deutschland glaubt, genauso wettbewerbsfähig zu sein wie früher, belügt man sich. Die Italiener glauben auch, den Fußball erfunden zu haben, und das ist immer gefährlich", so Bierhoff weiter.

Die Darstellung in der Öffentlichkeit spielt laut Bierhoff, jetzt beim AS Monaco unter Vertrag, eine negative Rolle: "Man belügt sich selbst. Da gibt es diese Euphorie nach einem Sieg, die geht zu weit, zumal wir nicht auf erstrangige Gegner treffen. Wir sind nicht mehr dort, wo Deutschland in den 90er Jahren war. Punkt."