Oliver Bierhoff: Rauer Wind in Mailand - DER SPIEGEL
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Oliver Bierhoff Rauer Wind in Mailand

Der Kapitän der Nationalelf hat es derzeit nicht leicht in Italien. Wegen Formschwäche ist der Mittelstürmer zuletzt auf die Ersatzbank versetzt worden. Ein gefundenes Fressen für die zur Phantasie und Spekulation neigenden Sportgazetten Italiens.
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Mailand - Dem formschwachen Oliver Bierhoff bläst der rauhe Wind der italienischen Serie A immer heftiger ins Gesicht. Italiens Sportzeitungen schließen sogar einen vorzeitigen Vereinswechsel des deutschen Nationalmannschafts-Kapitän nicht mehr aus, nachdem der 31-Jährige am Freitag beim 2:0-Sieg des Tabellendritten AC Mailand gegen Spitzenreiter Juventus Turin nicht zum Einsatz gekommen war. Der erste Erfolg nach vier sieglosen Spielen wurde als Anfang einer neuen Ära gewertet, in der Bierhoffs Rolle immer ungewisser wird. "Das Ergebnis hat Zaccheronis Beschluss bestätigt, Bierhoff draußen zu lassen und Jos Mari zu bringen", meinte die Mailänder Sportgazette Corriere dello Sport.

Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Stürmer a. D. und Trainer Alberto Zaccheroni, der im Kampf um einen Champions-League-Platz immer mehr auf junge Kräfte setzt, scheint angekratzt. Dabei spekulieren Italiens Gazetten, dass Zaccheroni in der kommenden Saison die Nachfolge von Giovanni Trapattoni beim AC Florenz antreten und Bierhoff als Einstands-Geschenk mitbringen könnte. Bereits 1998 war der Europameister zusammen mit "Zac" von Udinese nach Mailand gewechselt.

Die Kritik an Bierhoff wächst stetig: "Er ist müde vom Druck des italienischen Fußballs. England oder Deutschland könnten Alternativen bieten", kommentierte die Turiner Sportgazette Tuttosport. Vor allen Dingen die Konkurrenz durch seinen ukrainischen Sturmpartner Andrej Schewtschenko, der gegen Turin beide Tore erzielte, scheint den Deutschen eher zu lähmen als zu beflügeln. Doch ausgerechnet Schewtschenko nimmt seinen Kollegen in Schutz: "Oliver hat in den letzten Wochen Pech gehabt. Ich glaube, er hat Probleme mit einem Knie. Dass er gegen Turin nicht berücksichtigt wurde, bedeutet noch nichts", meinte der Ukrainer.

Bierhoff selbst reagierte ausweichend auf seine Verbannung auf die Ersatzbank: "Es ist logisch, dass ich nicht glücklich darüber war. Aber ich bin sehr froh über unseren Sieg. Schewtschenko hat sehr gut gespielt und bewiesen, dass er aus jeder Situation das Beste machen kann."

Vizemeister Lazio feierte indes den 2:1-Sieg im Derby gegen den Stadtrivalen AS Rom, der den Titelkampf weiter offen hält. Lazio verkürzte den Rückstand auf Rekordmeister "Juve" auf sechs Zähler. Lazio-Präsident Sergio Cragnotti tönte: "Es ist noch nichts entschieden. Wir werden Juventus auf der Zielgeraden noch schwer zu schaffen machen."