Oliver Kahn "Der reine Wahnsinn"
München - Am Donnerstagvormittag nahm Oliver Kahn bereits wieder am Mannschaftstraining des FC Bayern in München teil. Lediglich ein kleines Pflaster an der Stelle seines Kopfes, an der ihn der Golfball am Vorabend im Dreisam-Stadion getroffen hatte, zeugte noch von den unglaublichen Vorgängen in der Schlussphase des Spiels gegen den SC Freiburg (2:1).
Und als sich der 31-Jährige dann nach der Übungseinheit den Fragen der zahlreichen Medienvertreter stellte, wirkte er auch merklich entspannter als nach dem Abpfiff in Freiburg. Eigentlich, so Kahn, gehe es ja nur um Sport, "aber was da passiert ist, ist der reine Wahnsinn. Gott sei Dank ist es alles noch gut gelaufen. Aber ich werde in Ruhe überlegen, wie ich gegen den Täter vorgehen kann." Schmerzen habe er keine mehr, versicherte Kahn, "ich konnte problemlos trainieren und werde am Samstag im Derby gegen den TSV 1860 sicher spielen."
Dennoch forderte Kahn verstärkte Sicherheitsvorkehrungen für die Torhüter in den Stadien. "Vielleicht ist es ganz gut, dass so etwas mal passiert ist. Man muss sich Gedanken darüber machen, wie man die Torhüter besser schützen kann." Dem nächsten Auswärtsspiel der Bayern am Ostersonntag in Dortmund sah der Bayern-Torhüter trotz negativer Erfahrungen in der Vergangenheit gelassen entgegen: "Ich muss mich nur noch erkundigen, wie viele Golfspieler unter den Zuschauern sind." Grundsätzlich allerdings sieht Kahn die Entwicklung durchaus bedenklich. "Ich bin jetzt zwölf Jahre Profi. Warum ist der Unterton in den Stadien immer aggressiver? Das ist kein Problem des Fußballs, sondern eines der Gesellschaft."
Deutschlands Nummer eins unter den Torhütern wurde nicht zum ersten Mal das Opfer eines Wurfgeschosses. In der Saison 1993/94, als er noch für den Karlsruher SC spielte, traf ihn in der dritten Runde des DFB-Pokals beim 3:5 in Mönchengladbach eine Kastanie am Kopf. Das Spiel wurde auf neutralem Platz wiederholt; der KSC verlor gegen die Borussia in Düsseldorf erneut. Damals steckte Kahn die Sache weg, auch dieses Mal will er das schaffen. "Ich liebe diesen Sport viel zu sehr, als dass ich mich von solchen Dingen beeindrucken lasse." Aber ein bitterer Nachgeschmack bleibt: "Man macht sich Gedanken."