Oliver Kahn und seine misslungene Facebook-Aktion: Nichts gehalten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Medienposse um Kahn Nichts gehalten

Tagelang kündigte Oliver Kahn in sozialen Netzwerken "große Aufgaben" an, die er übernehmen werde. Am Dienstag hieß es dann, er werde "Markenbotschafter" des FC Bayern. Die Wahrheit ist noch viel trister.
Oliver Kahn
Oliver Kahn

Oliver Kahn

Foto: Andreas Gebert / dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der ersten Oktoberwoche kündigte Oliver Kahn eine "große neue Aufgabe" an, die auf ihn warte. "In 5 Tagen" dürfe er seinen Followern "endlich mehr verraten", twitterte Kahn. Dazu verlinkte er ein Video, in dem er vor einem Wappen des FC Bayern München mit großzügigem Gesteneinsatz "große Neuigkeiten" versprach. Auch hier kündigte er an, "erst in fünf Tagen" Genaueres zu offenbaren.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Kahns abschließender Satz im Video ließ allerdings Zweifel aufkommen: "Auch ich bin schon voll gespannt, was bald abgeht", sagte der frühere deutsche Nationalspieler, als habe man auch ihn bisher im Dunkeln darüber gelassen, was sich in seinem Leben verändern werde.

Auf Facebook änderte Kahn sein Titelbild. Vor einer blau-weiß karierten bayerischen Fahne stand dort "Countdown... nur noch 5 Tage!". Kahns Fans diskutierten, ob er einen Posten beim FC Bayern, bei 1860 oder bei der CSU antreten werde. Andere vermuteten allerdings sofort eine Werbekampagne.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Täglich setzte Kahn den Countdown auf Facebook fort. Als zu viele User die Nachfolge von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ins Gespräch brachten, schien Kahn jedoch kalte Füße zu bekommen, er ersetzte die Bayern-Fahne durch den Mittelkreis eines Fußballfelds.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Am Tag vor der angekündigten Enthüllung veröffentlichte Kahn dann ein Foto aus seiner aktiven Zeit als Torwart, mit dem Text: "Morgen kehre ich zu meinen Wurzeln zurück. Deshalb beginne ich jetzt schon mal mit der Konzentration ...".

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Dass Bayern München die Bekanntgabe einer wichtigen Personalentscheidung in der sportlichen Leitung selbst managen würde und zum Beispiel seinen neuen Sportdirektor nicht eine eigene, halbgare Social-Media-Kampagne dafür fahren lassen würde, das hätte man sich spätestens zu diesem Zeitpunkt denken können.

Am Dienstagmorgen meldete die "Bild"-Zeitung dann, Kahn kehre tatsächlich zum FC Bayern zurück. "Nach Bild-Informationen wird Oliver Kahn (47) neuer Medienbotschafter des FC Bayern. Besonders für den asiatischen Markt (der FC Bayern hat neuerdings auch ein Büro in Shanghai/China) ist Kahn prädestiniert", meldete die Zeitung, ohne allerdings eine Bestätigung dafür vorzuweisen, weder von Kahn noch vom Klub.

In den folgenden Stunden vermeldeten zahlreiche Medien im In- und Ausland Kahns neue Rolle bei den Bayern, auf Basis der "Bild-Informationen". Das Problem daran: Kahn wird überhaupt nicht "Markenbotschafter" des FC Bayern.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In einem Facebook-Video stellt Kahn sein neues Projekt vor. Dabei handelt es sich um ein kommerzielles Projekt zur Schulung von Torhütern. Offensichtlich hat man Kahn mit einem Knebelvertrag dazu verpflichtet, nur noch von "Torspielern" statt von Torhütern zu sprechen. Das scheint auf den ersten Blick auch schon das Spektakulärste an den "großen Aufgaben" zu sein, die auf Kahn warten.

Eine große Erkenntnis aber bleibt. Um Uli Hoeneß zu paraphrasieren: Mit so einer Öffentlichkeitsarbeit kann man beim FC Bayern nicht mal Greenkeeper werden.

rae