Oliver Kahn wird 40 Entspannt in Fernost
Hamburg - Kein anderer Torhüter hat mehr polarisiert als Oliver Kahn. Er wurde von den Fans als "Titan" auf Händen getragen oder mit Bananen beworfen. An diesem Montag feiert der ehemalige Nationalkeeper und Kapitän des FC Bayern München seinen 40. Geburtstag.
In Deutschland hat sich Kahn in den vergangenen Wochen rar gemacht. Er schlägt gerade in Asien ein neues Kapitel seiner bewegten Fußball-Karriere auf. Am Donnerstag wird in China die erste Folge seiner dort entwickelten und produzierten TV-Casting-Show "I never give up - the Kahn principle" ausgestrahlt. Neun weitere Sendungen sollen folgen. "Das ist eine Unterhaltungsshow, in der Torhüter im Mittelpunkt stehen", sagte Kahn. Seit der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea, bei der er zum besten Spieler gewählt wurde, ist der Torhüter der Star des deutschen Fußballs in Asien - eine überdimensionale Figur.
Die Bilanz seiner Karriere im Fußball, der einen Großteil von Kahns Leben beherrscht hat, ist beeindruckend: Europameister, Champions-League-Sieger, achtmal Deutscher Meister, sechsmal DFB-Pokalsieger, Uefa-Cup-Sieger, 86 Länderspiele und 557 Bundesligaspiele für Bayern München und den Karlsruher SC.
Für Deutschlands Fernsehzuschauer analysiert Kahn als ZDF-Experte die Leistungen der Nationalmannschaft. Die meiste Zeit verbringt er jedoch in China. Seine berufliche Zukunft sieht Kahn in den kommenden Monaten und Jahren in Asien. "Mir geht es sehr gut. Je länger man in Asien lebt, umso mehr versteht man die Kultur und die Mentalität der Menschen. Das ist alles sehr faszinierend", sagte er. Eine berufliche Herausforderung bei einem Bundesligisten anzunehmen, kann sich der 40-Jährige derzeit nicht vorstellen: "Ich hatte kurz mit Schalke geflirtet und dann aber eingesehen, dass dies mit meinen anderen beruflichen Aktivitäten nicht zu vereinbaren ist. Deshalb musste ich für mich eine Entscheidung treffen, mit der ich sehr glücklich bin. Ich glaube nicht, dass mich in den nächsten Jahren ein Managerjob in der Bundesliga reizt."
Der früher oft besessen erscheinende Ballfänger wirkt spätestens seit seinem Abschiedsspiel im September 2008 erstaunlich gelassen. "Ganz entspannt" werde er an seinem Geburtstag aufwachen, hatte Kahn am Wochenende der Münchner "tz" gesagt: "Das ist für mich eine Marke, wo ich sage: Mit 40 wollte ich den aktiven Fußball hinter mir gelassen haben. Ich glaube, mir ist es ganz gut gelungen, mich neu zu orientieren. Jetzt haben andere Dinge in meinem Leben Priorität."
Zu den "vielfältigen Dingen", mit denen sich der dreifache Welttorhüter jetzt beschäftigt, gehört "vor allem die Arbeit mit Menschen." Und da will Kahn Vorbild sein und der Jugend zeigen, wie man mit Ehrgeiz, Willenskraft und auch Besessenheit Erfolg haben kann. In seiner Casting-Show müssen sich die Kandidaten vielen Herausforderungen stellen, die ihre Stärken und Schwächen aufdecken. Der Torhüter als zentrale Figur der Show werde zum Symbol für die Eigenschaften, die jemand braucht, um seine Ziele im Leben zu erreichen. Der siegreiche "Super-Keeper" darf sich über ein mehrmonatiges Torwarttraining in Deutschland freuen.
Vor allem die Arbeit mit seinen Kandidaten bereite ihm viel Freude. "Ich habe sehr viel mit jungen Spielern zu tun. Sie haben eine erstaunliche Mentalität, denn sie wollen alles wissen und saugen alles in sich auf", sagte Kahn. Es sei "phantastisch, wenn man mitbekommt, wie die jungen Spieler erst zurückhaltend sind und nach und nach immer mehr Selbstvertrauen entwickeln", so Kahn, "sie lernen, dass man sich im Leben Ziele setzen kann." Dies gelte vor allem für einen Jungen aus Tibet, dessen Vater gewollt habe, dass sein Sohn Torwart wird, um so viel über das Leben zu lernen.
Während der Asienreise der deutschen Nationalmannschaft hat Kahn jede Möglichkeit genutzt, um für sein China-Projekt die Werbetrommel zu rühren. Im "Kahn-Prinzip" will er Erfolgsmechanismen eines Torwarts auf Wettkämpfer in allen Bereichen übertragen und dafür die nächsten Monate in Fernost verbringen: "Bei Besuchen in China, Japan oder Korea habe ich festgestellt, dass es Interesse und unheimlichen Nachholbedarf gibt, was das Torwartspiel anbelangt."
Kahns Populariät in Asien wird ihm bei seiner Arbeit als Entwicklungshelfer hilfreich sein. Er hat sogar eine eigene chinesische Internetseite. Doch auch in Deutschland bleiben die Fans ihm treu. Im Forum seiner deutschen Internetseite gratulierten sie sogar mit Gedichten: "40 Jahre bist Du nun alt, hast jahrelang die Bälle gekrallt, Champ-League, Pokal und Meisterschaft, stets warst Du Vorbild mit Mut und Kraft."