Ost-Derby: Reise in die Hölle - DER SPIEGEL
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Ost-Derby Reise in die Hölle

Bei der Bundesligapartie in Cottbus kam dem Rostocker Profi Christian Brand vieles sorbisch vor. Kein Verständnis hatte der Kolumnist von SPIEGEL ONLINE vor allem für die "faire Brutalität" der Gastgeber.
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Waren Sie jemals in Cottbus ? Ich war noch nie dort, aber das sollte sich ja mit der Begegnung der beiden einzigen Ostvereine ändern. Für mich, als so genannter "Wessi", hatte das Spiel gegen Ede Geyer und seine Mannen genau die gleiche Bedeutung wie ein Kick gegen beispielsweise Eintracht Frankfurt. Für den gesamten Ostteil Deutschlands schien es aber das wichtigste Ereignis des Jahres zu sein. Kamerateams belagerten die ganze Woche unser Trainingsgelände, und die Gazetten schrieben von "Bruderkampf", "Arm gegen Reich" und der "Hölle von Cottbus".

Als wir dann einen Tag vor Spielbeginn in der "Hölle" ankamen, nutzte ich die Gelegenheit zu einem kleinen Erkundungsspaziergang in der näheren Umgebung. Dort begegnete mir nicht etwa der Teufel, sondern eine sehr nette McDonald's-Angestellte, die mir meine Pommes, sechs Chicken McNuggets und ein Mineralwasser kostenlos als "kleines Willkommensgeschenk" zukommen ließ. Ich war gerührt und bedankte mich glücklich.

Meine erste Verwunderung überkam mich, als ich die Straßennamen las. Die gibt es in Cottbus nämlich zweisprachig - auf deutsch und auf sorbisch. Ja, richtig gelesen: sorbisch! Ich habe natürlich keine Ahnung, um was für eine Sprache es sich da exakt handelt, und selbst mein aus Cottbus stammender Zimmerkollege konnte mir keine zufrieden stellende Erklärung zu diesem Thema liefern.

Der Tag danach löste bei mir dann die nächste Verwunderung aus. Und zwar darüber, welche Stimmung im inzwischen schon berühmt-berüchtigten "Stadion der Freundschaft" herrschte. Man hatte mir nicht zu viel versprochen - die knapp 20.000 Menschen verwandelten den Sportplatz in eine Stätte der Aggressionen und des Zorns. Ich würde Ihnen gerne ein paar erfreuliche Dinge über das Spiel erzählen. Mir fallen nur gerade keine ein. Fußball wurde kaum gespielt. Hektik, grobe Unsportlichkeiten und Tätlichkeiten hießen die Spielverderber.

Bezeichnend dafür stand die Aussage eines Cottbuser Spielers, der nach Spiel- bzw. Schlachtende stolz proklamierte, seine Mannschaft hätte heute mit "fairer Brutalität" gespielt. Er hat da wohl etwas verwechselt. Anscheinend hat ihm niemand vorher gesagt, dass es nicht das Ziel des Spiels ist, seinen direkten Gegenspieler krankenhausreif zu treten. Was das alles mit Sport zu tun hatte? Natürlich nichts, aber den darf man in der Hölle wahrscheinlich auch nicht erwarten.