Ottmar Hitzfeld Rüffel an die Generation Golf
Marbella - Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld hat in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" Kritik an der jungen Spielergeneration geübt. "Viele hochtalentierte junge Spieler machen es sich zu leicht. Sie bleiben lieber in einer mittelmäßigen Mannschaft und sind dort Stammspieler, als dass sie den Konkurrenzkampf bei Bayern annehmen. Ich finde aber, man muss im Leben auch was riskieren, wenn man ein ganz Großer werden will", sagte Hitzfeld im Trainingslager des deutschen Fußball-Meisters, der sich derzeit in Spanien auf die Rückrunde der Bundesliga vorbereitet.
Zuletzt hatten Christian Timm (bleibt beim 1. FC Köln) und Tomas Rosicky (geht zu Borusssia Dortmund) dem Deutschen Meister abgesagt. Auch Sebastian Deisler hatte vor zwei Jahren Hertha BSC Berlin den Vorzug vor den Bayern gegeben. Für Hitzfeld unverständlich: "Wenn man die Qualität mit 21 besitzt, kann man sich auch bei uns durchsetzen. Hasan Salihamidzic war erst 20, als er zu uns kam, und er hat weniger Talent als Sebastian Deisler, der auch bei uns Nationalspieler geworden wäre. Vielleicht würde Deisler seltener spielen, aber dann wäre er vielleicht noch stärker, weil ihm einige Verletzungen erspart geblieben wären."
Doch nicht nur wegen der geringen Risikobereitschaft einiger Talente wird es für den FC Bayern nach Ansicht von Hitzfeld auf dem Transfermarkt immer schwerer, mitzuhalten. "Bisher ist es uns nicht gelungen, überragende Spieler zu verpflichten. Wir haben mittlerweile das Problem, dass jeder Verein in allen großen Ligen zig Ausländer verpflichten kann und dass selbst mittelmäßige spanische und englische Klubs größere Transfers machen, mehr Geld ausgeben können als der FC Bayern", räumt der Bayern-Coach ein.
Deshalb sei es "das Allerwichtigste", den Spielern beizubringen, sich mit dem FC Bayern zu identifizieren: "Der FC Bayern ist das Wichtigste in unserem Leben - daran muss ich mit der Mannschaft immer wieder arbeiten." Das sei ein permanenter Prozess, da müsse man hartnäckig sein, wie ein Lehrer in der Schule, so Hitzfeld: "Ich gebe nicht umsonst Geldstrafen."
Darüber hinaus verteidigte Hitzfeld einmal mehr seinen Kapitän Stefan Effenberg, dem er oft einen Sonderstatus einräumt. Aus gutem Grund, wie der 52-Jährige meint: "Er ist dominant, er ist der Chef, und er kann sich durchsetzen. Wenn es hart auf hart geht, dann kämpft er auch und steht an der Front. Er stellt sich. Er ist ein echter Leader. Wir können auch ohne Effenberg ein entscheidendes Spiel gewinnen - aber nicht entscheidende Spiele."