Paraguay Der Star ist der Keeper
Marcelo Bielsa, Coach des WM-Mitfavoriten Argentinien, stellte Paraguay sogar über Brasilien: "Paraguay wird für jede Mannschaft bei der WM ein ganz schwerer Brocken. Sie waren der härteste Gegner, mit dem wir es in der Qualifikationsrunde zu tun hatten", sagte der Fußball-Lehrer. Bielsas Team, souveräner Sieger der Südamerika-Gruppe, stand sowohl in Asuncion als auch in Buenos Aires am Rande einer Niederlage gegen die Weiß-Roten.
Die zweite Teilnahme Paraguays in Folge bei einer WM-Endrunde kommt einer kleinen Sensation gleich. In dem 5,6 Millionen Einwohner zählenden Land ist eine fußballerische Infrastruktur nicht vorhanden. Doch als Qualifikations-Vierter sammelte die Mannschaft unter Sergio Markarián mit 30 Zählern ebenso viele Punkte wie die einst übermächtigen Brasilianer. Höhepunkt war der 2:1-Sieg über den viermaligen Weltmeister in Asuncion.
Umso überraschender erfolgte die Trennung von Markarián, der nach der 0:4-Niederlage im bedeutungslosen letzten Heimspiel gegen Kolumbien gehen musste. Das Exekutivkomitee des nationalen Fußballverbandes kreidete der Mannschaft an, sich kampflos ergeben zu haben, und machte als Sündenbock den Chefcoach aus.
Ärger gab es auch um seinen Nachfolger. Die nationale Trainergilde protestierte nach der Berufung des Italieners Cesare Maldini unter anderem wegen einer nicht vorhandenen Arbeitserlaubnis. Erst gut drei Monate vor der WM-Endrunde erhielt der ehemalige Nationalcoach der Italiener von höchster staatlicher Instanz die auf ein halbes Jahr befristete Arbeitsgenehmigung.
Prominentester Fürsprecher hinsichtlich der Verpflichtung war der 36-jährige José Luis Chilavert. Der exzentrische Keeper, trotz seiner zahlreichen Eskapaden und Fausteinlagen in seinem Heimatland als Nationalheld verehrt, ist die zentrale Figur im Team um Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz. Was der mit über 50 Treffern torgefährlichste Torwart der Welt sagt, ist in Paraguay fast Gesetz.