Pay-TV Profis gegen Lauschangriff
Wolfsburgs Keeper Claus Reitmaier sieht in den Plänen des Münchner TV-Senders eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. "Das sind Abhörmaßnahmen, die den Hauch von Stasimethoden haben. Das ist eine Einschränkung der Meinungsfreiheit." Premiere will pro Match sechs zusätzliche Mikrofone in Strafraumnähe und auf Höhe der Mittellinie installieren. Auch Defensivmann Alfred Nijhuis von Borussia Dortmund befürchtet einen Eingriff in die Intimsphäre der Fußballer: "Im Spiel werden Sachen gesagt, die mit dem Schlusspfiff vergessen sind. Das kann uns dann immer wieder aufs Brot geschmiert werden."
Premiere-Sportpressechef Dietrich Wöstehoff sieht den Protesten gelassen entgegen: "Wir gehen davon aus, dass die Barrieren im Laufe der Zeit bröckeln." Sein Ziel: "Unsere Kunden sollen die Möglichkeit haben zu hören, wie Bayern-Torwart Oliver Kahn seine Mauer dirigiert und anschließend der Ball an den Pfosten prallt." Für Premiere-Sportchef Carsten Schmidt sind sogar Einblicke in die Spielerkabinen und das Mikrofon für den Schiedsrichter wünschenswert: "In den USA ist das längst üblich."
Von Spielerseite ist allerdings so bald kein Entgegenkommen zu erwarten "Das geht ganz klar zu weit", gibt sich Steffen Freund, Vizepräsident der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV), kämpferisch. "Wenn sich die Pläne konkretisieren, werden wir uns dagegen wehren. Wir zählen auf die Rückendeckung der Vereine." Und Frankfurts Thorsten Kracht befürchtet: "Morgen sind es die Richtmikrofone, übermorgen machen wir eine Talkrunde im Anstoßkreis. Wir müssen den Anfängen wehren."