Personalmisere: Völlers Kampf gegen den "Notstand" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Personalmisere Völlers Kampf gegen den "Notstand"

Vier Wochen vor dem ersten WM-Spiel gehen Rudi Völler die Profis aus. Doch obwohl mit Jens Nowotny ein weiterer Stammspieler in Japan und Südkorea fehlen wird, will der DFB-Teamchef von panischen Reaktionen nichts wissen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Das ist nicht nur für ihn, sondern auch für die Nationalmannschaft ein ganz herber Verlust. Jens hat in meinen Planungen eine ganz wichtige Rolle gespielt - als Abwehrchef und als mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld", sagte Völler am Donnerstag. "Es wird schwierig sein, ihn zu ersetzen. Aber wir haben schon noch Alternativen."

Kurz zuvor hatte sich bei einer Kernspintomografie bestätigt, dass sich Nowotny am Dienstag im Halbfinalrückspiel der Champions League gegen Manchester United (1:1) am rechten Knie einen Riss des vorderen Kreuzbandes zugezogen hatte. Der 28 Jahre alte Leverkusener wird in den nächsten Tagen in den USA operiert und wohl mindestens ein halbes Jahr ausfallen.

Doch während Bayern-Präsident Franz Beckenbauer bereits von einem "Notstand" spricht, bemüht sich Völler nach außen um Gelassenheit. "Wir werden jetzt in aller Ruhe sehen, wie wir das lösen. Wir haben in den anstehenden Länderspielen vor der WM die Möglichkeit, einiges auszuprobieren", betonte der Teamchef, der bereits die Absage von Mehmet Scholl zu verdauen hat, "das Problem mit Verletzten haben auch andere Nationen."

Der für Jens Nowotny fatale Zweikampf mit Manchesters Ruud van Nistelrooy

Der für Jens Nowotny fatale Zweikampf mit Manchesters Ruud van Nistelrooy

Foto: AP
Jens Nowotny am Boden, van Nistelrooy spendet Trost

Jens Nowotny am Boden, van Nistelrooy spendet Trost

Foto: DDP
Jens Nowotnys vorzeitiges Spielende auf der Trage

Jens Nowotnys vorzeitiges Spielende auf der Trage

Foto: DDP


Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen!

Völler erwägt, seine Abwehrformation von einer Dreier- auf eine Viererkette umzustellen: "Die Spieler sind flexibel und es von den Vereinen her gewohnt, beides zu spielen." Mögliche Ersatzkandidaten für Nowotny wollte Völler allerdings am Donnerstag nicht nennen. Beim Länderspiel gegen die USA (4:2) hatte bereits Nowotnys Vereinskollege Carsten Ramelow als Abwehrchef fungiert. Auch der Münchner Jens Jeremies oder Sebastian Kehl von Borussia Dortmund könnten den Führungspart übernehmen.

Trotz der neuerlichen Hiobsbotschaft hält Völler an seinem Fahrplan fest. Am Montag, dreieinhalb Wochen vor dem ersten WM-Vorrundenspiel am 1. Juni gegen Saudi-Arabien, will der 42-Jährige seinen aus 23 Spielern bestehenden vorläufigen WM-Kader benennen. Überraschungen schloss er auch nach dem Nowotny-Ausfall aus: Es sei der Kreis, "der bei den letzten Länderspielen schon zusammen war".