Pokalfinale: "Berlin, das ist geil" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Pokalfinale "Berlin, das ist geil"

Das 63. Endspiel um den DFB-Pokal ist kein Finale wie bisher. Denn diese Partie wird schon vor dem Ende der Bundesligasaison ausgetragen. Eintracht Frankfurt ist darüber nicht glücklich, denn es gibt für die Hessen Wichtigeres. Der FC Bayern München denkt in großen Dimensionen: Geschichte soll geschrieben werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Ein flammender Appell von Bayern-Manager Uli Hoeneß und klare Zielvorgaben von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sowie Torwart Oliver Kahn sollen den Münchnern bei der 15. Finalteilnahme den 13. Sieg garantieren. Bei einer internen Ansprache am Mittwoch versuchte Hoeneß, "die Mannschaft gezielt auf die nächsten Tage einzustimmen".

Die Forderung war klar: Holt beide Titel. Bereits am Mittwoch, im Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart, können die Bayern nach dem Pokal auch ihren zwanzigsten Meistertitel gewinnen und sich damit für das frühe Aus in der Champions League entschädigen. "Der Stachel Champions League sitzt noch immer tief", räumt Rummenigge ein. "Aber das Double würde die Schmerzen extrem lindern und auch 2006 zu einem erfolgreichen Jahr machen. Das Ziel ist klar umrissen: Wir wollen das Double gewinnen."

Kapitän Kahn hebt das Finale in Berlin am Samstag (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gleich in ganz hohe Dimensionen: "Wir können Geschichte schreiben, weil wir etwas Einzigartiges erreicht hätten, wenn wir das Double verteidigen." Rummenigge fordert von seiner Elf (ohne Sebastian Deisler, Ali Karimi und Andreas Görlitz) auch Wiedergutmachung. "Mit dem Auftreten unserer Mannschaft in der Rückrunde war ich bis auf wenige Ausnahmen nicht zufrieden", sagt er.

Zu routiniert und zu mühevoll habe das Team agiert und dabei Spielfreude, Leidenschaft und Qualität vermissen lassen. "Es wäre daher wünschenswert, dass wir jetzt in der Endphase mit einem überzeugenden Auftreten unsere Ziele realisieren." Eine Rekordprämie von geschätzten 150.000 Euro pro Akteur für beide Titel soll den müden Profis Beine machen und als Motivationshilfe dienen, den Pokalsieg von 2005 (2:1 gegen Schalke 04) zu wiederholen.

Die Frankfurter (bei denen die wichtigen Spieler Jermaine Jones, Christoph Preuß und Chris fehlen) dürften sich über 20.000 Euro pro Spieler freuen. Doch das Finale im  ausverkauften Berliner Olympiastadion kommt für beide Teams zur Unzeit. Die Eintracht tritt am Mittwoch zum "Abstiegsendspiel" (Trainer Friedhelm Funkel) gegen den 1. FC Kaiserslautern an, bei den Bayern geht es gegen Stuttgart um alles: Wenn Verfolger Hamburg tags zuvor beim 1. FC Köln nicht siegt, wäre die Elf von Coach Felix Magath - einen eigenen Erfolg vorausgesetzt - schon Meister. Eine große Party wird es daher nach dem Pokalfinale für kein Team geben, zu wichtig sind die kommenden Spiele.

Funkel nennt den Termin deshalb "völlig daneben. Die Jungs können das Spiel gar nicht genießen". Der Klassenerhalt sei "dreimal so wichtig" wie der Pokal - zumal Frankfurt mit dem Final-Einzug schon für den Uefa-Cup qualifiziert ist. Die WM (9. Juni bis 9. Juli) ist schuld, dass der bisherige Pokaltermin nach vorne verlegt wurde.

Funkels Psychotricks

Der Frankfurter Coach hat die Bayern als Spieler mit Bayer Uerdingen 1985 besiegt (2:1), zog aber als Trainer mit Duisburg 1998 den Kürzeren (1:2). "Jeder Spieler muss an seine Grenzen gehen. Sie müssen mit Herz und ohne Angst spielen", fordert er: "Meine Jungs haben da eine einmalige Chance. Wenn viele Spieler das Spiel ihres Lebens machen, haben wir sogar eine gute Chance." In der Liga verlor der Aufsteiger aber beide Duelle (0:1 und 2:5).

Funkel, der vor dem Halbfinalspiel gegen Arminia Bielefeld (1:0) bei der Teamsitzung schonmal die Trophäe rumgehen ließ, greift erneut zu Psychotricks: Wie bei den Triumphen 1974, 1975, 1981 und 1988 tritt die Eintracht am Samstag mit weißen Trikots an. Trotz aller Terminquerelen ist der Trainer richtig heiß auf das sechste Finale der Eintracht. Dabei schlägt er für seine Verhältnisse ungewohnt markige Worte an: "Berlin, das ist geil."

Für einen Spieler der Frankfurter ist das Pokalspiel auf jeden Fall ein Festtag: Marko Rehmer wird am Samstag 34 Jahre alt. "Ich möchte unbedingt spielen und bin das Training unter der Woche voll angegangen. Es ist mein größter Traum, in meiner Heimatstadt an meinem Geburtstag Pokalsieger zu werden", sagt der Verteidiger.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Frankfurt:
Nikolov - Russ, Rehmer, Vasoski - Ochs, Huggel, Spycher - Lexa, Meier, Köhler – Amanatidis
München: Kahn - Sagnol, Lucio, Ismael, Lahm - Hargreaves - Schweinsteiger, Ballack, Ze Roberto - Makaay, Pizarro
Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg)

sge/sid/dpa

Mehr lesen über