Polizisten-Tod in Italien 17-Jähriger unter Verdacht
Catania - Das Jugendgericht teilte heute mit, dass bereits am Dienstag ein 17-Jähriger verhaftet worden sei. Dieser stehe unter dem dringenden Verdacht, für die Tötung des Polizisten Filippo Raciti bei den schweren Krawallen am Rande des sizilianischen Derbys zwischen Catania Calcio und US Palermo am vergangenen Freitag verantwortlich gewesen zu sein.
Die Ermittler hatten ihn als jenen Randalier erkannt, der Raciti mit einem Waschbecken getroffen hatte, das zuvor aus den Toilettenanlagen der Kurve Nord des Stadions herausgerissen worden war. Die Zahl der wegen der Ausschreitungen in Sizilien festgenommenen Personen ist mittlerweile auf 41 gestiegen. Zu ihnen zählen insgesamt 15 Minderjährige. Die Polizei hatte Videoaufnahmen überprüft, um die Mörder von Raciti zu identifizieren. Tränengas und zum Großteil vermummte Verdächtigte erschwerten laut Polizeiangaben die Identifizierung.
Unterdessen beschloss das Beobachtungszentrum für die Sicherheit der Stadien im italienischen Innenministerium, dass fünf Spiele der italienischen Serie A am kommenden Wochenende unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden.
Bei den Duellen AC Mailand-Livorno Calcio, Chievo Verona-Inter Mailand, AC Florenz-Udinese Calcio, FC Messina-Catania Calcio und Atalanta Bergamo-Lazio Rom müssen die Zuschauer draußen bleiben, weil die Stadien, in denen die Begegnungen stattfinden, den Sicherheitsstandards der Regierung nicht entsprechen. Mit Zuschauern im Stadion werden die Spiele AS Rom-FC Parma, US Palermo-FC Empoli, Cagliari Calcio-AC Siena, FC Turin-Reggina Calcio und Sampdoria-Ascoli ausgetragen.
Im Lager der italienischen Profi-Fußballer wird offenbar über einen Streik aus Protest gegen die "Geisterspiele" nachgedacht. "Wir respektieren die Beschlüsse der Regierung. Wir Fußballer verlangen jedoch, dass es zu keinen Diskriminierungen zwischen Stadien mit und ohne Zuschauern kommt. Ansonsten könnten wir pausieren, um ein weiteres Wochenende lang über die Situation nachzudenken", sagte der Stürmer von Serie-A-Club Livorno Calcio, Cristiano Lucarelli, der auch Mitglied der Fußballergewerkschaft AIC ist. "Die Clubchefs haben den AIC gefragt, ob wir zu einem weiteren Sonntagsstopp bereit sind. Wir haben mit ja geantwortet. Wir befinden uns in der letzten Phase der Meisterschaft. Verzerrungen drohen, wenn man in Stadien mit vollen Tribünen oder vor leeren Rängen spielt", so Lucarelli.
mt/pav/sid