Portugal Eusebio warnt die Himmelsstürmer
Eindhoven - Rui Costa dirigiert, Joao Pinto vollstreckt und Luis Figo macht alles - Portugals "magisches Dreieck" hat der Europameisterschaft mit einer bezaubernden Fußball-Gala die erste Sternstunde geschenkt. Mit dem glanzvollen 3:2-Sieg gegen England versetzten die Ballkünstler aus Südeuropa den EM-Hoffnungen der "Löwen" einen schweren Schlag und schlüpften in die Rolle des Euro- Favoriten. "Wenn die Portugiesen so wie heute spielen, können sie das Turnier gewinnen", sagte Englands Teammanager Kevin Keegan. Beim hoch gepriesenen Sieger herrschte nach dem historischen Triumph Zurückhaltung. "Wir haben noch gar nichts gewonnen und sind noch lange nicht der Champion", warnte Portugals Fußballlegende Eusebio vor voreiliger Euphorie.
Phantastisch, traumhaft, exzellent - die "alten Herren" aus Portugal wurden nach ihrem unerwartet starken EM-Start zu den neuen Euro-Stars gekürt. "Portugal war brillant. Es war ein wundervoller Abend, und wir waren ein Teil davon", meinte Keegan. "Figo und Rui Costa waren Weltklasse. Sie haben im Mittelfeld die Partie entschieden", fügte Verteidiger Gary Neville hinzu und lieferte damit die Begründung für den ersten portugiesischen Sieg gegen England seit dem 1:0 im Juni 1986 bei der Weltmeisterschaft in Mexiko.
Mit variablem und unberechenbarem Spiel nutzte das geniale Duo Figo und Rui Costa den Freiraum, degradierte die hausbackene englische Abwehr zu Statisten und lieferte dem quirligen Joao Pinto mehrfach beste Möglichkeiten. Der kleine Wirbelwind von Benfica Lissabon, der bei Trainer Jupp Heynckes auf der Abschussliste steht, bedankte sich per Flugkopfball mit dem 2:2-Ausgleich in der 37. Minute, nachdem Figo (22.) mit einem 25-Meter-Traumtor nach Englands 2:0-Führung durch Paul Scholes (3.) und Steve McManaman (18.) den Anschluss erzielt hatte. Nuno Gomes (59.) krönte die Aufholjagd mit dem Siegtreffer. "Ein großer Sieg. Dass wir nach einem 0:2 noch gewonnen haben, spricht für unsere tolle Moral. Wir haben bis zur letzten Minute alles gegeben", sagte Figo.
Der Superstar des FC Barcelona wurde zum "Spieler des Tages" gewählt, und Humberto Coelho traut dem 27-Jährigen noch mehr zu. "Figo kann zum EM-Star werden. Er ist ohnehin schon einer der besten Spieler in Europa", so Portugals Trainer, der nach dem "großen Sieg in einem schwierigen Spiel" seinen Spielern bis Mittwochmittag freien Ausgang mit Frauen und Freundinnen genehmigte. Mit einem Erfolg gegen Rumänien am Samstag in Arnheim stünde Portugal im Viertelfinale, "doch zuerst will ich diesen Sieg genießen, den ich meiner Frau zum Geburtstag schenke". Besonders der Teamgeist und der erfolgreiche Abschluss imponierten Coelho, der seiner Mannschaft immer vorgeworfen hatte, sie würde vor lauter Kreativität das Toreschießen vergessen.
"Das war das beste Spiel, das Portugal jemals gegen England gezeigt hat", lobte Eusebio die reifer gewordenen "Veteranen der goldenen Generation", die vor rund einem Jahrzehnt Schlagzeilen machten, als sie zweimal Junioren-Weltmeister wurden, aber seitdem keine großen Erfolge verbuchen konnten. Aber auch der einstige Weltstar von Benfica Lissabon musste gestehen, er habe in seiner Karriere nicht alles erreicht: "Ich habe einige Male gegen England gespielt, aber nie gewonnen. Und heute dann drei Tore, ein Traum."