Präzedenzfall: Fifa droht Millionenklage - DER SPIEGEL
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Präzedenzfall Fifa droht Millionenklage

Der Fall des belgischen Profis Bosman sorgte für eine Neuregelung in der Transferordnung des europäischen Fußballs. Nun kann ein belgischer Verein gar den Weltfußball durcheinanderwirbeln.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Charleroi – Die G14, der Zusammenschluss der 18 einflussreichsten Vereine in Europa, vertritt derzeit den belgischen Erstligisten SC Charleroi bei seiner Klage gegen den Fußball-Weltverband Fifa. Der Verein fordert vom Verband 615.955 Euro Entschädigung, weil sich sein marokkanischer Mittelfeldspieler Abdelmajid Oulmers bei einem Länderspiel gegen Burkina Faso im November 2004 schwer verletzt hatte.

Sollte Charleroi Recht bekommen, würde das einen Präzendenzfall bedeuten, auf den Weltverband kann dann eine Prozesslawine einstürzen, ausgelöst durch die wichtigsten Clubs des Kontinents. G14-Anwalt Jean-Louis Dupont bezifferte die mögliche Schadensersatz-Summe auf 680 Millionen Euro. "Diese Summe spiegelt den Schaden wider, den die 18 Clubs in den vergangenen zehn Jahren erlitten haben, nachdem sich ihre Nationalspieler bei Länderspielen verletzt hatten", sagte Dupont am ersten Prozesstag im Fall Charleroi gegen die Fifa.

Nach Artikel 37 der Fifa-Statuten sind die Clubs verpflichtet, ihre Nationalspieler kostenlos für Länderspiele abzustellen. Gegen diese Vereinbarung laufen inzwischen immer mehr Vereine Sturm. Die G14 sieht in der Klausel eine Verletzung des europäischen Wettbewerbsrechts. Die Fifa missbrauche dabei ihre Monopolstellung.

Beim Prozessauftakt am Montag stellte der Weltverband den Antrag auf Verlegung der Anhörung, was vom Gericht abgewiesen wurde. Die Instanz hat für den Prozess zunächst 30 bis 90 Tage angesetzt, mit einem Urteil vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ist aber kaum zu rechnen.

Eine außergerichtliche Einigung zwischen der Fifa und Charleroi war am Freitag bei einem Treffen zwischen Club-Präsident Abbas Bayet und Fifa-Präsident Sepp Blatter gescheitert. Ähnlich wie im Fall Charleroi will auch G14-Mitglied Olympique Lyon gegen den Weltverband vorgehen, nachdem sich Eric Abidal bei einem Länderspiel der Franzosen gegen Costa Rica auf Martinique (3:2) im November 2005 schwer verletzt hatte.

G14-Manager Thomas Kurth sagte, dass Clubs vor den Kosten geschützt werden müssten, wenn sich Spieler in Länderspielen verletzen. Außerdem sollten sie eine finanzielle Entschädigung bekommen, wenn sie Spieler für Länderspiele abstellen. Außerdem forderte Kurth einen internationalen Terminplan, in dem Vereins- und Verbändeinteressen abgestimmt werden.

Dieser Fall ähnelt der Auseinandersetzung des belgischen Profis Jean-Marc Bosman, der 1995 mit seinem Streit vor dem Europäischen Gerichtshof das Transfersystems des Fußballs in Europa maßgeblich verändert hatte.

sge/dpa/reuters