Von Neuer bis Kruse: Löws WM-Kandidaten
DFB-Kader Wer um die WM zittern muss
Das Vorspiel ist beendet, die WM-Qualifikation souverän abgeschlossen. Das war nur die Ouvertüre für die große Oper im kommenden Sommer. Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien - da muss jeder deutsche Spieler, der nur annähernd eine Chance hat, dabei sein wollen. Aber auch für das Turnier in Südamerika gilt: Bundestrainer Joachim Löw kann nur 23 Spieler mitnehmen.
"Es wird Härtefälle geben", hat Löw bereits angekündigt. Für ihn ist das an sich eine ausgezeichnete Nachricht. Und tatsächlich ist die Personallage so entspannt wie lange nicht. Wenn alle gesund bleiben, hat der Trainerstab bei der Nominierung eine Auswahl, die sich viele andere Kollegen Löws wünschen würden. Es gibt keine Lückenfüller mehr wie früher, wo sechs, sieben Spieler im Aufgebot von vornherein wussten, dass sie ohnehin kaum zum Einsatz kommen würden. Heute hat Deutschland mehr WM-taugliche Profis, als Plätze zu vergeben sind. Konkurrenz ist das Stichwort - und das trifft vor allem auf die Offensivabteilung zu.
Wer hat beim deutschen Team nach der Qualifikation derzeit die besten Karten für eine WM-Nominierung?
Tor - wer wird die Nummer drei?
Torhüter Neuer: Auf dem Weg nach Brasilien
Foto: Boris Roessler/ dpaAm eindeutigsten ist die Situation im deutschen Tor: Manuel Neuer vom FC Bayern und René Adler vom HSV werden wohl sicher nach Brasilien fahren, mit dem Münchner als klarer Nummer eins. Die Position des dritten Torwarts ist stets ein gutes Instrument, um Populisten ruhig zu stellen. So könnte Löw den Dortmunder Roman Weidenfeller nominieren, der von Teilen der Öffentlichkeit seit langem gefordert wird. Es wäre ein Signal, dass Löw auch Druck von außen nachgeben kann. Spielen würde der BVB-Keeper eh nicht.
Abwehr - Löw setzt auf Lahm
Lahm (l.), Löw: In der Abwehr unverzichtbar
Foto: Fredrik von Erichsen/ dpaAuch hier sind die meisten Spieler unumstritten. Zuallererst gilt das für Kapitän Philipp Lahm, der beim DFB als rechter Verteidiger auflaufen wird. Auf der linken Seite ist der Dortmunder Marcel Schmelzer erste Wahl, der Hamburger Marcell Jansen könnte sein Backup sein. In der Zentrale ist Routinier Per Mertesacker gesetzt, ihm werden wahlweise Jérôme Boateng oder Mats Hummels zur Seite stehen.
Der Schalker Benedikt Höwedes gehört seit Jahren zum Dunstkreis des Teams. Seine Fähigkeit, sowohl außen als auch innen verteidigen zu können, dürfte ihm das WM-Ticket sichern. Der mit Knieverletzungen kämpfende Münchner Holger Badstuber dürfte es kaum noch zur WM schaffen. Bitter für ihn, denn er wäre mit Sicherheit dabei gewesen. Der Hamburger Heiko Westermann, zuletzt für den Kader nachnominiert, darf sich das Turnier wohl vor dem Fernseher anschauen.
Mittelfeld - das Qualitätszentrum
Mittelfeldspieler Schweinsteiger: Der Bundestrainer muss aussieben
Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty ImagesHier beginnt es, unübersichtlich zu werden. Und das liegt auch an den unklaren Begrifflichkeiten. Wer von den Mittelfeldakteuren ist ein halber Stürmer, wer rechnet sich eher dem Defensivverbund zu? Löw hat jedenfalls ein Übermaß an herausragenden Spielern zur Verfügung. Er wird sortieren müssen, und das wird seine schwierigste Aufgabe im Vorfeld.
Ihren Platz sicher haben die turniererfahrenen Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira, der WM-Torschützenkönig Thomas Müller, die Kreativspieler Mesut Özil und Mario Götze, Dortmunds Marco Reus und Bayerns Toni Kroos. Dabei sein dürften auch Ilkay Gündogan und André Schürrle. Um das Defensivpotential im Mittelfeld zu stärken, darf sich auch einer der beiden Bender-Zwillinge, Lars oder Sven, berechtigte Hoffnungen auf eine Nominierung machen.
Womit wir schon bei zehn Mittelfeldakteuren wären. Der elfte ist einer, der seit Jahr und Tag immer dabei ist, der zum Inventar der Löw-Ära gehört - und der vielleicht das allererste Mal um seine Nominierung bangen muss. Lukas Podolski hat mit Marco Reus und André Schürrle zwei bedrohliche Rivalen auf der linken Offensivseite bekommen. Der aktuell verletzte Arsenal-Spieler musste zuletzt tatenlos mit ansehen, wie Schürrle sich gegen Irland und in Schweden die Pluspunkte sicherte.
Bei der EM waren alle drei im Kader - aber da gab es auch noch keinen turnierreifen Gündogan, da war Götze noch nicht viel mehr als eine Option. Es wird eng für Podolski. Möglicherweise rettet ihn nur das unerschütterliche Vertrauen, das der Bundestrainer in ihn setzt. Vom Schalker Julian Draxler und dem Leverkusener Sidney Sam ist dabei noch gar nicht die Rede gewesen.
Angriff - Verzicht auf die Nummer drei?
Angreifer Klose: Luxusprobleme im Sturm
Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFPAuch so ein Begriff, der in Auflösung befindlich ist. Löw hegt Sympathien für das Spiel ohne echten Angreifer, bisher ist das allerdings über die Testphase noch nicht hinausgekommen. So sind erst einmal Miroslav Klose und Mario Gomez, wenn auch beide derzeit verletzt, jenseits allen Zweifels.
Dahinter könnte sich der Gladbacher Max Kruse um ein letztes verbliebenes Ticket bemühen. Wobei auch vorstellbar ist, dass Löw auf die dritte nominelle Stürmerposition gleich ganz verzichtet. Dahinter gibt es schließlich genug Spieler, die nach vorne drängen. Offensiv hat Löw ein echtes Luxusproblem.