Rangnick auf Schalke "Es ging alles dalli, dalli"
Gelsenkirchen - "Es ging alles dalli, dalli. Nach dem ersten Gespräch am Sonntag waren wir uns schnell einig", sagte Schalke-Manager Rudi Assauer, "ich wusste nach seiner messerscharfen Analyse der Mannschaft gleich, dass Ralf Rangnick genau der Richtige ist." Rangnick, der einen Vertrag bis 30. Juni 2006 unterschrieb und am Dienstag schon das erste Training leitete, formulierte seine Ziele als neuer Schalke-Coach ehrgeizig: "Wir wollen wieder in den Uefa-Cup, aber das tägliche Brot ist die Bundesliga. Die Aufgabe ist eine Herausforderung für mich. Schalke trainieren zu dürfen, erfüllt mich mit Stolz."
Rangnick will die jungen Spieler fördern, dabei aber nicht auf die Erfahrung der Älteren verzichten: "Es wird keine Totaloperation geben. Wir haben 20 Spieler und zwei Torhüter, das ist genau richtig. Ein weiter aufgeblähter Kader wäre tödlich. Es gibt hier keinen, der keine Perspektive hat."
"Ich will auf Schalke Fußball mit Spaß vermitteln"
Rangnicks erster Auftritt wird am Donnerstag (16 Uhr/live im SPIEGEL-ONLINE-Ticker) das Uefa-Cup-Rückspiel bei Liepajas Metalurgs sein. Der gebürtige Schwabe ist der fünfte Schalker Trainer seit dem 1. Juli 2002 nach Frank Neubarth, Marc Wilmots, Heynckes und Eddy Achterberg, der 38. in der Bundesliga-Geschichte und der 50. insgesamt bei dem mit Verbindlichkeiten in Höhe von über 100 Millionen Euro belasteten Club. Wegen des hektischen Hin und Hers auf der Schalker Trainerbank in den vergangenen zwei Spielzeiten war Assauer von Fans zuletzt stark kritisiert worden.
"Ich habe zwar keine Vorfahren im Ruhrgebiet, aber die Leute sind offen, und das bin ich auch", sagte Rangnick über seinen neuen Arbeitsplatz. Dass die Erwartungen in Gelsenkirchen groß sind, weiß der 46-Jährige nur zu gut. "Das wird kein Selbstläufer, aber ich will auf Schalke Fußball mit Spaß vermitteln", so Rangnick, "auf uns wartet Detailarbeit. Die Mannschaft muss sich wieder unter Kontrolle bekommen."
Achterberg wieder Co-Trainer
Eddy Achterberg, der nach der Entlassung von Heynckes Interimstrainer wurde und eine Bilanz von drei Siegen und einer Niederlage aufweist, rückt als Co-Trainer wieder in die zweite Reihe.
Rangnick hatte seine Trainer-Karriere beim Regionalligisten SSV Reutlingen begonnen, arbeitete dort bis 1997 und führte danach den SSV Ulm in die Bundesliga. 1999 verließ er Ulm und wechselte zum VfB Stuttgart, wo er bis Februar 2001 Cheftrainer war. Im Sommer 2001 wurde er vom damaligen Zweitligisten Hannover 96 verpflichtet, den er ein Jahr später in die Bundesliga führte. Im März 2004 wurde er in Hannover entlassen und durch Ewald Lienen ersetzt. Vor seinem Engagement beim FC Schalke 04 war Rangnick auch als Assistent des neuen Bundestrainers Jürgen Klinsmann im Gespräch gewesen.
Der Niederländer Co Adriaanse, der in den letzten Tagen in den Medien als heißester Anwärter für die Heynckes-Nachfolge galt, soll nach Angaben von Assauer zu keinem Zeitpunkt ein ernsthafter Kandidat gewesen sein. Assauer sieht der Zukunft der Schalker nach der Verpflichtung des neuen Trainers zuversichtlich entgegen. "Ich bin sicher, dass die Mannschaft jederzeit in der Lage ist, in der Bundesliga unter die ersten fünf zu kommen." Über Rangnicks Fähigkeiten als Trainer schwärmte Assauer: "In unserem Gespräch hat er mit dem Skalpell die Stärken und Schwächen jedes Spielers seziert. Das war eine hundertprozentige Übereinstimmung. Wir gehen davon aus, dass er das Riesenpotenzial der Mannschaft ausschöpfen kann."