HSV-Sieg in Leipzig Lass das mal den Papa machen
Kyriakos Papadopoulos
Foto: Boris Streubel/ Bongarts/Getty ImagesDie Ausgangslage: Leipzig hatte seit April 2016 kein Heimspiel mehr verloren, Hamburg seine vergangenen drei Auswärtsspiele verloren. Der vergangene Spieltag jedoch war für beide Teams gegen den Saisontrend verlaufen mit einer Niederlage von RB (gegen Dortmund) und einem Sieg des HSV (gegen Leverkusen). Unter der Woche machten die Hamburger im Pokal gegen Köln gleich damit weiter, während die Leipziger die freie Zeit nutzten, um mit Schlüsselspieler Emil Forsberg zu verlängern und sich mit der Aufarbeitung der Vorkommnisse in Dortmund zu beschäftigen: Es habe eine Aussprache mit den BVB-Bossen stattgefunden, sagte Ralf Rangnick, "ein sehr sachliches, faires und respektvolles Gespräch".
Das Ergebnis: 0:3 (0:2).
Die erste Hälfte: Gastgeber Leipzig erspielte sich nach nicht mal drei Minuten die erste Chance, vertändelte diese aber genau so wie die Hamburger ihre erste Kontergelegenheit nach zehn Minuten. Beim HSV standen die drei Neuen - Mergim Mavraj, Kyriakos Papadopoulos in der Abwehr und Walace im Mittelfeld - in der Startelf. Und Papadopoulos (18. Minute) und Walace (24.) bedankten sich mit zwei nahezu identischen Kopfballtoren, jeweils nach einem Eckball von Nicolai Müller. RB war - abgesehen von einem Pfostentreffer durch Yussuf Poulsen (35.) - nicht so torgefährlich wie gewohnt.
Bundesliga: Hamburg weiter im Aufwind
Die zweite Hälfte: Lewis Holtby dribbelte sich wenige Sekunden nach Wiederanpfiff durch die Leipziger Abwehr und umspielte auch RB-Keeper Peter Gulacsi, vergab dann aber aus spitzem Winkel. Zwar ging es nicht so ereignisreich weiter, aber der HSV hatte klargemacht, dass er nicht vorhatte, die Führung nur zu verwalten. In der Abwehr gut organisiert, im Mittelfeld fleißig und im Angriff schnell reagierend verteidigten die Gäste ihren Vorsprung und wurden durch Konter gefährlich. Dennis Diekmeier traf zunächst die Latte (86.), Aaron Hunt schob in der Nachspielzeit zum 3:0-Endstand ein. Es war der dritte Assist von Müller an diesem Nachmittag und der siebte in der Saison.
Plakate in der Leipziger Fankurve
Foto: Hendrik Schmidt/ dpaReaktion des Spiels: Am vergangenen Wochenende waren auf der Dortmunder Südtribüne Dutzende geschmacklose RB-Schmähplakate gezeigt worden, nun nutzen die Leipziger Fans die Chance, um sich ihrerseits zu positionieren. "Fußball für alle statt menschenverachtender Krawalle" zog sich auf einem Spruchband entlang der RB-Fantribüne, im Block wurden zum Anpfiff an die hundert Plakate hochgehalten. "Keine Gewalt - das ist RBL" stand dort, "Lieber vom tollen Sport besessen als von Neid und Hass zerfressen" und "Bei uns sind Gäste gern gesehen - egal ob Stuttgart, Dortmund oder Bremen". Auch wenn die Hamburger Fans nicht namentlich erwähnt worden waren, sie dürften sich willkommen gefühlt haben.
Samaras vs Papadopoulos http://t.co/LV1RjlQ0x5
— Doug Jones (@glasddu) June 29, 2014
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Spieler des Spiels: "Papa ist ein leidenschaftlicher Typ, ein Winner", lobte Leipzigs Marvin Compper in der Halbzeitpause bei Sky Kyriakos Papadopoulos, "das wissen wir." Wortgleich hätte sich am vergangenen Wochenende ein Leverkusener äußern können, denn auch dort kennen sie Papadopoulos: Der Grieche steht bei Bayer unter Vertrag, war erst an Leipzig ausgeliehen, ehe er im Winter zum HSV ebenfalls auf Leihbasis wechselte. In Hamburg bekam er die Rückennummer Neun, "in meiner Jugend war ich Stürmer", sagte der 24-Jährige zur Begründung. Er scheint die Zahl als Auftrag zu begreifen, Papadopoulos traf gegen beide Ex-Klubs und ist ständiger Antreiber seiner Mitspieler. Sollten die Hamburger auch zum Saisonende noch im Abstiegskampf stecken, könnte das noch ein Ass im Ärmel sein: Am 33. Spieltag spielt der HSV beim dritten Ex-Klub des Verteidigers, dem FC Schalke.
Musterschüler des Spiels: Die Karriere von Markus Gisdol ist eng verwoben mit RB-Macher Ralf Rangnick. 2009 holte Rangnick, damals Chefcoach bei Hoffenheim, den elf Jahre Jüngeren als Trainer für die U23-Mannschaft nach Sinsheim. Als Rangnick zwei Jahre später zu Schalke wechselte, nahm er Gisdol als seinen Co mit. "Er hat mich in den Profibereich geholt, ich habe ihm viel zu verdanken", sagte Gisdol vor dem Wiedersehen. Er erwarte, dass Leipzig seinem Team Fallen stellen werde, sagte Gisdol, um im Mittelfeld schnell die Bälle zu erobern - Rangnicks Lieblingstaktik, die RB unter Hasenhüttl perfektioniert hat. "Auch wenn es so aussieht, als hätte man Platz: Da darf man nicht drauf reinfallen", ahnte Gisdol. Und tatsächlich vermied sein HSV anschließend die Leipziger Überfallangriffe so geschickt, wie erst ganz wenige Teams in dieser Saison.
Yussuf Poulsen
Foto: Jan Woitas/ dpaKurzarbeiter des Spiels: Yussuf Poulsen hatte den Temperaturen von null Grad angemessen dick eingepackt auf der Ersatzbank gesessen, als RB-Trainer Ralph Hasenhüttl den Dänen zum Aufwärmkurzprogramm schickte. Die Hamburger hatten kurz zuvor das zweite Tor erzielt, Hasenhüttl wollte umstellen, für Verteidiger Dayot Upamecano sollte Poulsen kommen. Der hatte nur knapp zwei Minuten Zeit, dann begann sein Arbeitstag - der diesmal nur 13 Minuten dauern sollte. Bei einem Dribbling hatte Poulsen auf den Ball getreten, sich dabei anscheinend im Oberschenkel gezerrt und musste gleich wieder ausgewechselt werden.