Real-Blamage gegen Barça: El Declásico - DER SPIEGEL
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Real-Blamage gegen Barça El Declásico

Brutalofoul, Schubsereien, Rote Karte: Real Madrid präsentierte sich beim 0:5 gegen den FC Barcelona sportlich wie charakterlich ganz schwach. Auch Mesut Özil und Sami Khedira gingen mit unter. Real-Trainer José Mourinho sprach von einer "leicht verdaulichen Niederlage".
Von Jan Reschke
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Es war ein peinlicher Abgang nach einer peinlichen Vorstellung. Im Klassiker zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid lief die 90. Minute, es stand 5:0 für die Gastgeber. Da rastete Real-Verteidiger Sergio Ramos vollends aus: Er langte mit seiner Hand in das Gesicht des heraneilenden Barça-Kapitäns Carles Puyol und schubste ihn weg. Im folgenden Handgemenge geriet Ramos auch noch mit Xavi, seinem anderen Nationalmannschaftskollegen, aneinander. Schiedsrichter Eduardo Iturralde Gonzalez hatte die Rote Karte da schon längst gezückt und stellte Ramos anschließend vom Platz.

Die Hinausstellung kassierte Ramos aber nicht für diese Tätlichkeiten, sondern für das brutale Frustfoul an Barcelonas Lionel Messi in der letzten Spielminute, das die Emotionen noch einmal hochkochen ließ. Es war der unrühmliche Höhepunkt eines Abends, den Madrids erfolgsverwöhnter Trainer José Mourinho so schnell nicht vergessen dürfte. 0:5 unterlag sein Team im Stadion Camp Nou im El Clásico. Eine Demütigung. "Eine Ohrfeige für Mou" titelte die Sporttageszeitung "As". Ein "Schlag für Real" lautete die Schlagzeile der "Marca".

Eine ganz bittere Erfahrung war das Derby auch für die beiden deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira, nachdem sie in den vergangenen Wochen so sehr gelobt worden waren. Besonders Özil spielte ganz schwach. So schwach, dass Mourinho bereits zur Halbzeit jegliche Hoffnung auf Besserung verloren hatte und den Ex-Bremer in der Kabine ließ. Das Spiel war völlig an ihm vorbei gelaufen. Keine Zauberpässe, keine Zaubertore, nichts. "Er hat in den 45 Minuten nichts beigetragen. Özil war im Kampf verschwunden", schrieb "Marca".

0:2 hatte es nach Treffern von Xavi (10.) und Pedro (18.) zur Pause bereits gestanden. Und die zweite Halbzeit geriet noch schlimmer. David Villa traf doppelt (55., 58.), Jeffren (90.) einfach, abgefertig waren die Galaktischen.

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El Clásico: Barça nimmt Real auseinander

Foto: ALBERT GEA/ REUTERS

Auch der zweite deutsche Nationalspieler in Diensten Reals bot eine schlechte Vorstellung. Immerhin durfte Khedira beim Trauerspiel seiner Mannschaft über die volle Spielzeit mitwirken. Mit seinem ehemaligen Club VfB Stuttgart hatte der defensive Mittelfeldspieler im März in der Champions League bereits 0:4 in Barcelona verloren. Vor seinem zweiten Gastspiel im Camp Nou hatte er angekündigt: "Das wird nicht mehr passieren." Er behielt Recht - es kam noch schlimmer.

Nach der Partie bemühte sich Reals Trainer Mourinho um Schadensbegrenzung: "Die einen haben auf höchstem Niveau gespielt, die anderen auf dem schlechtesten. Es ist eine Niederlage, aber keine Demütigung", so Mourinho. "El País" sagte er gar: "Die Niederlage ist leicht verdaulich." Allerdings erklärte er auch, dass "ich nach so einem Spiel schon kräftig schlucken muss. Das war eine historische Niederlage. Ich habe als Trainer noch nie so hoch verloren". Auch Barcelonas Trainer Pep Guardiola wollte den Sieg seiner Mannschaft nicht überbewerten. "Jetzt ist sehr einfach zu sagen, dass wir besser sind als sie, aber das ist nicht die Wahrheit." Anders sah dies Puyol: "Die Partie und das Resultat sind spektakulär."

Bei Real fiel neben dem Ausraster von Ramos eigentlich nur ein Spieler auf: Cristiano Ronaldo. In der 32. Minute schubste er Barça-Coach Pep Guardiola an der Seitenlinie, sofort stürmten Spieler beider Mannschaften hinzu, es folgte eine minutenlange Rudelbildung. Der Abend war somit nicht nur aus sportlicher Sicht peinlich, auch charakterlich lieferten die unterlegenen Madrilenen eine für einen europäischen Spitzenclub unwürdige Vorstellung.

"Barça ein fertiges Produkt, Madrid hat noch einen langen Weg vor sich"

Die Jubelarien auf die erstarkten Galaktischen, sie scheinen verfrüht gewesen zu sein. Dabei hatten die vergangenen Wochen einigen Anlass geliefert, dem Club wieder Großes zuzutrauen. In der Champions League liegt Real mit fünf Punkten Vorsprung an der Spitze der Gruppe G. Vor dem AC Mailand, in Europa sicher kein Leichtgewicht. In der spanischen Liga stand Madrid vor dem Clásico mit zehn Siegen und zwei Unentschieden ungeschlagen an der Spitze. Es schien, als würde eine neue Ära anbrechen, der ewige Konkurrent Barcelona auf seinen Platz verwiesen werden.

Doch der Clásico zementierte nur die in den vergangenen Jahren bestehende Ordnung im spanischen Fußball. "Ich habe immer gesagt, dass Barça ein fertiges Produkt ist und dass Madrid noch einen langen Weg vor sich hat", so Mourinho.

Barcelona, wenngleich mit einigen Problemen in diese Saison gestartet, zeigte, warum es als bestes Team der Welt gilt. Messi spielte überragend, auch wenn er kein Tor erzielte. David Villa markierte seine Treffer sieben und acht und bewies, dass es die richtige Entscheidung vor dieser Saison war, auf ihn zu setzen und dafür Zlatan Ibrahimovic zum AC Mailand ziehen zu lassen. Villa passt wesentlich besser in das System von Guardiola als der Schwede. Barça ist auf dem besten Weg, wieder den tollen Fußball zu spielen, mit dem das Team in der Saison 2008/2009 die Champions League, die spanische Meisterschaft und den nationalen Pokal gewann.

In Madrid haben sie die Hoffnung trotz der hohen Niederlage noch nicht verloren. "Mit Inter Mailand habe ich in der vorigen Saison in den Gruppenspielen der Champions League ebenfalls in Barcelona verloren, aber dann musste Barça sich das Finale im Fernsehen ansehen", so Mourinho unter Anspielung auf den Inter-Erfolg im Halbfinale über Barcelona.

Doch dafür spricht momentan nicht viel. "El País" titelte: "Der Fußball spricht Barça."

FC Barcelona - Real Madrid 5:0 (2:0)
1:0 Xavi (10.)
2:0 Pedro (18.)
3:0 Villa (55.)
4:0 Villa (58.)
5:0 Jeffren (90.+1)
Barcelona: Victor Valdes - Dani Alves, Puyol, Piqué, Abidal - Xavi (86. S. Keita), Busquets, Iniesta - Messi, Pedro (87. Jeffren) - Villa (76. Bojan)
Madrid: Casillas - Sergio Ramos, Pepe, Ricardo Carvalho, Marcelo (61. Arbeloa) - Khedira, Xabi Alonso - Özil (46. L. Diarra) - di Maria, Cristiano Ronaldo - Benzema Schiedsrichter: Gonzalez
Zuschauer: 98.772 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Villa (1), Messi (1), Puyol (3) - Ronaldo (2), Pepe (2), Xabi Alonso (4), Ricardo Carvalho (5), Khedira (4)
Rote Karte: Sergio Ramos (Madrid, 90.+1) wegen groben Foulspiels

Mit Material von dpa und sid