Robert Enke: "Mein Ziel ist 2004" - DER SPIEGEL
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Robert Enke "Mein Ziel ist 2004"

Seit drei Wochen bereitet sich Robert Enke auf seine zweite Saison bei Benfica Lissabon vor. Voller Energie, frisch verheiratet und sehr zufrieden mit seinem Leben in Portugal setzt er sich große Ziele. SPIEGEL ONLINE sprach mit dem Ex-Gladbacher über den HSV, Benfica, die Nationalmannschaft und eine Rückkehr in die Bundesliga.
Von Silke Buss
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SPIEGEL ONLINE:

Der HSV sucht ja für Hans-Jörg Butt einen Nachfolger und da, Robert, wurde ja auch Ihr Name ins Gespräch gebracht. Würde Sie ein Wechsel nach Hamburg reizen?

Robert Enke: Also, erst mal gab es überhaupt kein Angebot. Ich habe es selber nur von meiner Schwiegermutter gehört, die es im Videotext gelesen hatte, dass der HSV schon an der Nachfolge von Hans-Jörg Butt arbeitet. Aber da er noch ein Jahr spielt, kann man das Ganze ja ruhig angehen. Der HSV hat jetzt viel Zeit, einen Nachfolger zu finden. Er ist mit Sicherheit ein interessanter Verein, aber, wie gesagt, es gab noch keine Anfrage.

SPIEGEL ONLINE: Wenn es eine gäbe, würden sie darüber nachdenken?

Enke: Das kommt darauf an. Wenn es hier bei Benfica so gut weiterläuft wie im ersten Jahr, dann gibt es eigentlich keinen Grund zu wechseln. Man muss aber abwarten, wie die Saison läuft. Es ist so: Ich fühle mich zwar sehr, sehr wohl hier in Portugal, in Lissabon, aber die Hauptsache ist natürlich, dass es sportlich stimmt. Wenn das nicht mehr so sein sollte, dann muss man mal gucken. Aber es geht ja beim HSV auch erst um 2001, bis dahin ist viel Zeit und es werden sicherlich noch viele Dinge passieren.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht geht es aber nicht nur um 2001, sondern auch um 2002, also die Fußballweltmeisterschaft. Sie werden ja nächsten Monat 23 und scheiden damit aus der U-21-Nationalelf aus. Peilen Sie denn jetzt nicht den Sprung in die A-Mannschaft an?

Enke: Im Moment mache ich mir da eigentlich keine Illusionen, da wir auf der Torhüterposition, denke ich, die wenigsten Probleme haben. Der Oliver Kahn ist gesetzt, und zwar zu recht, und auch dahinter haben wir sehr gute Torhüter. Für mich ist es im Moment etwas schwieriger, mich ins Blickfeld zu rücken, da ich einfach im Ausland spiele und zwar in einer Liga, die nicht zu den vier oder fünf besten Europas gehört. Ich habe mir aber als weites Ziel gesetzt, bei der EM 2004 in Portugal dabei zu sein. Also 2002 weiß ich nicht. Wenn ich bis dahin bei Benfica spiele, dann ist das mit Sicherheit schwer, in den Nationalkader zu kommen.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt also im Hinblick auf die Nationalelf: doch zurück in die Bundesliga.

Enke: Ja, wenn ... (zögert). Das kommt darauf an, wie Benfica sich entwickelt. Benfica Lissabon hat einen sehr großen Namen, nur die Erfolge waren halt in den letzten Jahren nicht so da. Wenn wir wieder eine Mannschaft aufbauen, die international erfolgreich spielt und im Uefa-Cup zum Beispiel dieses Jahr weit kommt oder sich mit dem Gewinn der portugiesischen Meisterschaft oder mit dem 2. Platz eine Teilnahme in der Champions League sichert, dann kann sich das ja alles ganz schnell wieder ändern. Der Weg zurück in die A-Nationalmannschaft führt nicht unbedingt über die Bundesliga.

SPIEGEL ONLINE: Rudi Völler hat dann wohl noch nicht bei Ihnen angefragt?

Enke: Nein, überhaupt noch nicht. Das steht im Moment einfach nicht an, da bin in realistisch. Ich setze mich da im Moment auch nicht unter Druck. Mein Ziel ist, wie gesagt, 2004.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt so, als hätten Sie im Moment gar keine Lust, in einer so maroden Mannschaft, wie sich die deutsche Elf bei der EM präsentierte, mitzuspielen.

Enke: Also ich habe über 50 Länderspiele von der U 15 bis zur U 21 gespielt. Ich habe dabei immer gern für Deutschland gespielt und das würde sich schon gar nicht bei der A-Mannschaft ändern. Natürlich wäre das für mich eine große Sache, ganz klar.

SPIEGEL ONLINE: Wie beurteilen Sie denn die Leistung von Oliver Kahn bei der EM?

Enke: Es waren ja nur drei Spiele und in denen konnte er sich wenig auszeichnen. Im Spiel gegen Portugal hat er ein unglückliches Tor bekommen, das kann aber auch mal am Ball liegen, der flattert, das passiert jedem großen Torhüter. Oliver Kahn ist im Moment sicherlich einer der besten in Europa und ich denke, er war bei der EM immer noch der beste deutsche Spieler.

SPIEGEL ONLINE: Und die Portugiesen? Hätten Sie das Zeug zum Europameister gehabt?

Enke: Ja, natürlich. Beim Spiel gegen Frankreich wäre zumindest ein Elfmeterschießen drin gewesen. Sie sind schon sehr, sehr unglücklich ausgeschieden, und ich habe mich schon darüber geärgert. Denn nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft war ich für die portugiesische Mannschaft.