Robert Lewandowski bei Bayern München vs Hertha BSC: 90 Minuten Isolation - DER SPIEGEL
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Bayern München vs Hertha BSC: Martínez, der Mann der Woche

Foto: Christian Kaspar-Bartke/ Bongarts/Getty Images

Robert Lewandowski gegen Berlin 90 Minuten Isolation

Beim 1:0 gegen die Hertha fehlte Robert Lewandowski einmal mehr die Bindung zum Spiel. Der Stürmer vermisst die Unterstützung durch James Rodríguez und sehnt sich nach einer Rückkehr von Thomas Müller.
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Für Robert Lewandowski bestand reichlich Diskussionsbedarf, kurz nach Abpfiff. Intensiv redete der Mittelstürmer des FC Bayern noch auf dem Rasen auf Joshua Kimmich ein, er schimpfte, er gestikulierte. Unzufrieden und leicht entnervt wirkte Lewandowski, genauso wie eine halbe Stunde später im Gespräch mit den Reportern - am Ende dieses für den FC Bayern mühsamen und für ihn selbst missratenen Nachmittags.

Das 1:0 gegen Hertha BSC war für den Meister nicht mehr als ein erquälter Arbeitssieg. Nach dem respektablen0:0 in Liverpool blieb zwar als positive Erkenntnis, dass man dank einer soliden Defensive zum zweiten Mal in vier Tagen ohne Gegentor blieb. Ansonsten gab es wenig schönzureden, denn was die Bayern im Spiel nach vorne zustande brachten, bilanzierte Robert Lewandowski mit dem knappen Fazit: "Offensiv war das viel zu wenig von uns." Folgerichtig fiel das einzige Tor des Tages durch Javi Martínez auch nicht nach einer schön herausgespielten Kombination. Sondern nach einer Standardsituation. Ecke, Kopfball, Tor, das simple Einmaleins der guten alten Fußballschule.

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Bayern München vs Hertha BSC: Martínez, der Mann der Woche

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Mochte der FC Bayern nun vor dem Spiel von Borussia Dortmund am Sonntag gegen Leverkusen (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nach Punkten mit dem Tabellenführer gleichgezogen sein: Der schwer erkämpfte Sieg gegen die Hertha offenbarte unübersehbar die Isolation der Münchner Angriffsspitze. Völlig einsam stand Robert Lewandowski vorne herum, abgekapselt wie ein Fremdkörper vom Rest der Mannschaft.

In der Geographie nennt man solch ein Phänomen Exklave. Gehört zwar zum Mutterland, ist aber räumlich vollständig getrennt vom Hauptterritorium.

Lewandowski hungrig, aber ohne Futter

Lewandowski wollte, doch er konnte nicht - was weniger an einer überragenden Abwehrleistung biederer Berliner lag, sondern eher an der Münchner Kreativblockade, die am Samstag vor allem an einem Spieler in der zentralen Position hinter Lewandowski festzumachen war. An James Rodríguez.

Sein Eckball auf den Kopf von Martínez vor dem einzigen Tor durfte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Kolumbianer aus dem Spiel so wie auch schon am Dienstag in Anfield wenig gelang. Gerade in der ersten Halbzeit wirkte James einmal mehr behäbig, schwerfällig, mitunter fast aufreizend lustlos. Das wurde nach der Pause ein wenig besser, aber auch nicht viel. Ein Problem, das auch Lewandowksi deutlich ansprach: "Wir haben im Mittelfeld zu wenig Kreatives gemacht, das muss man besser machen, da war zu wenig Unterstützung nach vorne", grummelte er, und ohne dabei Namen zu nennen, war klar, wen er als Adressaten dieser Botschaft damit meinte.

Coman verletzt, Ribéry überfordert

So ging auch über die Außenpositionen herzlich wenig. Serge Gnabry verhedderte sich regelmäßig in Berliner Beinen, Franck Ribéry auf der linken Seite wirkte kraftlos, überanstrengt und überfordert, nach nicht einmal einer Stunde musste er für Kingsley Coman vom Feld. Dass Coman nur zehn Minuten später wieder mit einer noch undefinierten Oberschenkelverletzung in die Kabine humpelte und damit einmal mehr Anlass zur Sorge für die kommenden Wochen gab, es passte zur durchwachsenen Stimmung an diesem Nachmittag.

Niko Kovac, der seiner erschöpften Mannschaft nun zwei Tage trainingsfrei verordnete ("Die Spieler haben sich den Urlaub verdient"), muss sich aber bis zum Spitzenspiel am kommenden Samstag in Mönchengladbach nicht nur Gedanken machen, wie es mit Coman weitergeht. Sondern vor allem, ob er wirklich weiterhin an James Rodriguez auf der Zehner-Position festhalten will und festhalten kann, nur um ihm für die Partie gegen Liverpool weiter im Spielrhythmus zu halten - und ob er nicht doch wieder Thomas Müller bringt, der zwar für das Achtelfinal-Rückspiel gesperrt ist, der aber mit Lewandowski viel besser harmoniert. Zumindest, wenn er direkt hinter ihm spielt.

Es passt mit Müller, nicht mit James

Müller stand vor drei Wochen letztmals in einer Münchner Startelf, auch gegen die Hertha durfte er erst wegen der Verletzung von Coman aufs Feld. Dann musste auf dem Flügel ran und stellte dort einmal mehr unter Beweis, dass die Position des Rechtsaußen nicht für ihn gemacht ist. Müller war in den letzten zehn Jahren schon immer am besten, wenn er mittig hinter der Spitze stand, und gerade mit Lewandowski entwickelte er oft mit blindem Spielverständnis eine innige Symbiose. Lewandowksi mit Müller, das passt. Mit James tut es das nicht.

Und das machte auch der polnische Nationalstürmer selbst klar, als er auf Müller angesprochen wurde, ob er sich nicht ihn als Unterstützung wünschen würde: "Das ist immer eine Entscheidung vom Trainer. Aber Thomas macht immer viele Laufwege nach vorne, und ist immer viel in Bewegung." Fast sehnsuchtsvoll klang es, als Lewandowski noch sagte: "Ich hoffe, dass er bald wieder eine Chance bekommt."

Damit er selbst wieder Bindung zu den Bayern findet - und die Isolation ein Ende hat.