Robinho verzaubert Brasilien: Der neue Pelé - DER SPIEGEL
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Robinho verzaubert Brasilien Der neue Pelé

Mit seinen verwirrenden Dribblings entschied der 18-jährige Robinho die brasilianische Meisterschaft zugunsten des FC Santos. Nun wird der Jungstar von den Zeitungen des Landes als legitimer Nachfolger des einstigen Weltfußballers Pelé gefeiert.
Von Matthias Matussek
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sao Paulo - Bis zur 35. Minute des Finalrückspiels zwischen Santos und Corinthians Sao Paulo war Robinho nur ein Ausnahmetalent in der jungen Elf des FC. Dann wurde er Pelés Wiedergänger. Robinho nahm den Ball links vor dem Strafraum des Gegners, ließ ihn aufs Tor rollen und - tanzte.

Der 18-Jährige, dessen Team schon das Hinspiel mit 2:0 gewonnen hatte, produzierte einen Übersteiger nach dem anderen. Seine Füße umzirkelten den Ball, ohne ihn zu berühren, abwechselnd, insgesamt sieben Mal, bis dem Corinthians-Verteidiger Rogerio nichts anderes übrig blieb, als reinzugrätschen - und prompt einen Strafstoß zu produzieren. Robinho verwandelte den Elfmeter im kochenden Stadion von Morumbi traumhaft sicher.

Eine Aktion für die Geschichtsbücher, für Heldensagen, und die Zeitungen können seither nicht genug von Robinho kriegen. Wo immer man am Tag darauf war - am Strand, im Restaurant - überall gab es einen, der aufsprang und die Übersteiger nachtanzte. Robinho - Supermann! Dass der Jungstar anschließend noch die Vorlagen zu den entscheidenden Toren von Elano (87.) und Leo (90.) gab und damit den 3:2-Sieg über die scheinbar übermächtigen, schwerrreichen, trophäenverwöhnten Corinthians besiegelte, rundete die Heldentat für die Geschichtsbücher ab.

Die Parallelen zur Legende Pelé drängen sich förmlich auf. Schon äußerlich ähneln sie sich: das jungenhafte Lachen, die Spielfreude, die frechen Aktionen auf dem Feld. Hinzu kommt das skandalfreie Elternhaus: Auch Pelé stammte aus armen, aber geordneten Verhältnissen, und spielte für Santos, den Vorort der Metropole Sao Paulo.

Und tatsächlich gelang es den TV-Sendern nach dem Triumph - für Santos war es der erste nationale Meistertitel überhaupt - Begegnungen zwischen den beiden bei Jugendturnieren aus den Archiven zu kramen. Und in jener 35. Minute, bekannte Robinho später, habe er sich an den Rat erinnert, den ihm das große Idol einst gegeben habe. Er solle weiter so dribbeln und tanzen, möglichst im Strafraum, so Pelé, ein Elfmeter würde wenigstens dabei herausspringen. Es kam, wie das große Vorbild es prophezeit hatte.

"Der Junge hat eine ganz große Zukunft", schwärmte Pelé nach dem Spiel. Doch bereits vor der Finalpartie gegen den verhassten Lokalrivalen waren europäische Spitzenclubs wie Real Madrid und Juventus Turis auf Robinho aufmerksam geworden. Der Offensivjüngling ist nicht der einzige - auch auf den 17-jährigen Diego und andere Teenager des Teams, dessen Durchschnittsalter bei 21 liegt, haben die finanzkräftigen Vereine des Alten Kontinents ein Auge geworfen.

Doch nach dem Triumphzug durch Santos versicherte Vereinspräsident Marcelo Teixeira der erleichterten Heimpresse, dass er auf alle Fälle an Robinho und Diego festhalten wolle. "Sicher, wir würden viel Geld verdienen", sagte der Boss des Pelé-Clubs, "aber wir würden unser schönes Spiel verlieren".

Einstweilen wird also gefeiert. Eine war besonders glücklich - Robinhos Freundin Vivian. Ihr hat der neue Wunderstürmer das Trikot vermacht, das im fußballverrückten Brasilien schon jetzt den Rang einer Reliquie besitzt. Und so sprach die lächelnde Vivian, die Fußballerbraut, über das verschwitzte Jersey gebeugt: "Ein echtes Unterpfand seiner Liebe."