Rostocker Protest DFB-Gericht kündigt Verhandlung an
Berlin - Beim DFB-Sportgericht hat man sich auf das Nachspiel der Bundespartie zwischen Hannover 96 und Hansa Rostock (3:1) eingerichtet. "Jetzt setzt ein formaler Prozess ein. Wir haben heute die Unterlagen den Protest betreffend an Hannover 96 geschickt und erwarten eine Stellungnahme. Zudem haben wir Hansa Rostock die Gelegenheit eingeräumt, ergänzende Mitteilungen zu ihrem Protest einzureichen", sagte der Präsident des DFB-Sportgerichts, Rainer Koch, und fügte hinzu: "Möglich ist, dass es am Donnerstag nächster Woche zu einer Verhandlung kommt." Am Montag hatte der Rostocker Bundesliga-Club beim DFB offiziell gegen die Wertung des Spiels Protest eingelegt.
Nach Meinung der Rostocker und dem Eindruck, den die TV-Bilder und -Töne suggerieren, erfolgte ein Pfiff von Schiedsrichter Edgar Steinborn in der 45. Minute, bereits bevor der Ball nach einem Kopfball von 96-Stürmer Mohamadou Idrissou die Linie des Hansa-Tores überschritten hatte. "Mit dem Pfiff war das Spiel unterbrochen. Das Tor wurde irregulär erzielt", erklärte Hansa-Manager Herbert Maronn. Am Ende verlor Hansa die Partie mit 1:3 und steckt dadurch mit nur drei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz wieder mitten im Kampf um den Klassenerhalt.
"Jeder Fall ist ein Fall für sich"
"Auch wenn der DFB das Argument der Tatsachenentscheidung ins Feld führt, wir werden um unser Recht kämpfen", sagte Maronn im Hinblick auf das nur wenig Mut machende Beispiel in der Vergangenheit. Am 5. August 1997 hatte Sean Dundee beim 2:2 zwischen 1860 München und dem Karlsruher SC ein Tor erzielt,
nachdem Schiedsrichter Michael Malbranc gepfiffen hatte. Das Sportgerichts hatte zunächst auf Neuansetzung entschieden. Doch der Weltverband Fifa drohte den Ausschluss von der WM-Endrunde an und argumentierte, dass Tatsachenentscheidungen heilig seien.
Ob in diesem Fall das Sportgericht auch Erkenntnisse aus der Aktenlage des ersten "Phantompfiffs" ziehen wird, ließ Koch zunächst noch offen. "Jeder Fall ist ein Fall für sich. Ob es Parallelen gibt, kann ich noch nicht sagen. Aber die Akten sind sicherlich noch vorhanden", erläuterte der Jurist. Während Malbranc damals sein Versehen zugegeben hatte, betonte Steinborn nach dem Spiel, einen regelgerechten Torpfiff abgegeben zu haben.
Gelassene Hannoveraner
Auch deshalb geht Hannover 96 völlig gelassen in die Auseinandersetzung. Vereinsanwalt Christoph Schickhardt wird zur Anfrage des DFB Stellung beziehen. Trainer Ralf Rangnick sprach zwar unmittelbar nach der Partie auch von einem "merkwürdigen Pfiff", doch 96-Präsident Martin Kind zweifelt nicht an der Kontinuität in der Rechtssprechung des DFB-Sportgerichts: "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die Rostocker mit ihrem Protest Erfolg haben. Das würde schließlich eine Tatsachenentscheidung aufheben und damit als Präzedenzfall wirken."
Nur wenig Aufklärung dürfen sich die Beteiligten von den elektronischen Medien versprechen. Nach Angaben des TV-Rechteinhabers Premiere ist zwar ein Pfiff vor dem Tor zu hören, doch stehen keine zusätzlichen TV-Bilder oder Tonspuren zur Verfügung. Nur die Bilder und Töne, die auch am Sonntag effektiv über den Sender gegangen sind, liegen vor und können nicht mehr akustisch oder von der Perspektive her nachbearbeitet werden.