Rowohlt-Experte Silbern ist des Tschechen Glück
Unter uns, ich sehe dem Halbfinale mit großer Erleichterung entgegen. Denn bald wird wieder alles wie vorher sein: Freunde sind wieder Freunde, Kneipen wieder Kneipen und der Fernseher wieder meiner. Richard dagegen fällt bestimmt in ein schwarzes Loch. Schon am Abend nach dem letzten Viertelfinale strich er durch die Wohnung, streckte seinen Kopf durch meine Tür und wollte wissen, was ich denn so treibe. Er musste sehr lange weg gewesen sein. Er sah nicht gut aus.
Nun hängt er sein Glück an die Tschechen, glaube ich und versuche dabei, ihm verständnisvoll zu begegnen. Die Griechen, beginnt er wieder einen seiner strategischen Exkurse, werden ihr Spiel mit gewohnter Mauertaktik angehen, werden vielleicht sogar in Führung gehen und danach noch mehr mauern. Aha, sage ich. Mehr fällt mir nicht ein. Dann machen die Tschechen Dampf, Rosicky dreht auf, Nedved schießt über den Platz und Koller und Baros kanonieren die Griechen aus dem Rennen, dreht auch Richard auf. Kanonieren finde ich als Wort nicht so gelungen, vor allem nicht für den schönen Milan. Aber Richard zu unterbrechen habe ich mir in den letzten Wochen abgewöhnt. In der 80. Minute fällt der Ausgleich, in der Verlängerung legen die Tschechen noch mal nach und schießen gleich drei Silver Goals in der ersten Viertelstunde. Aha.
Jana Hensel, Autorin von "Zonenkinder"; Richard Kämmerlings ist Literaturredakteur der FAZ.