WM 2022 in Katar Rummenigge warnt vor Winter-WM
Bayern-Vorstand Rummenigge: "Unsere Position ist sehr stark"
Foto: Lennart Preiss/ Getty ImagesDie Warnung von Karl-Heinz Rummenigge war deutlich: "Die europäischen Klubs haben bei der Weltmeisterschaft in Brasilien 75 Prozent der Spieler gestellt. Unsere Position ist sehr stark", sagte der Vorstandschef des FC Bayern am Dienstag in Genf. Dort trafen sich die Klubfunktionäre, um über die WM in Katar zu beraten. Schnell kristallisierte sich die mögliche Verlegung in den Winter als das beherrschende Thema heraus.
Rummenigges Stimme hat Gewicht: Er ist der Chef der European Club Association (ECA), dem Lobbyverband, der die Interessen der mächtigsten Fußballvereine der Welt gegenüber Uefa, Fifa und europäischer Politik vertritt. Die Hälfte der 214 beteiligten Vereine sind ordentliche Mitglieder mit Stimmrecht, darunter der FC Bayern, Real Madrid und Manchester United. Dazu kommen rund hundert Klubs, die dabei sein dürfen, aber weder abstimmen noch in den Vorstand gewählt werden können. Aus der Bundesliga sind dies Leverkusen, Mönchengladbach, Frankfurt, Hamburg und Wolfsburg.
Zwar stellte Rummenigge fest, dass der Wille bei Fifa-Funktionären, die WM in Katar 2022 zu verlegen, "sehr groß" sei. Aber klar sei auch: Ein solch exzessiver Einschnitt in den Spielplan müsse von allen akzeptiert werden, von den Ligen, den Spielern, den Fans - und natürlich von den Klubs.
Vor allem angesichts der hohen Temperaturen in Katar in den Sommermonaten ist die Verlegung in den Winter durch die Fifa ins Gespräch gebracht worden. Es wäre die erste Winter-WM in der Geschichte des Fußballs. Doch die Leidtragenden wären vor allem die europäischen Top-Vereine. Die Spielkalender der europäischen Ligen und der Champions League würden massiv beeinträchtigt.
Premier League warnt vor erheblichen Ausfällen
Bislang war über eine Verlegung der WM auf Januar und Februar 2023 spekuliert worden. Das schloss die Fifa am Montag aber kategorisch aus: Katar habe den Zuschlag für 2022 bekommen, deshalb müsse das Turnier entweder zu Beginn oder am Ende jenes Jahres stattfinden. Das Problem: Anfang 2022 ist auch der Termin der Olympischen Winterspiele in Almaty (Kasachstan), Oslo oder Peking. Die Fifa dürfte sich kaum mit dem IOC anlegen und eine Überschneidung riskieren.
Also läuft es auf eine WM Ende 2022 hinaus. Auch das stellt die Klubs vor große Probleme. Vor allem die Vereine der Premier League warnen vor horrenden Ausfällen, sie müssten auf den Boxing Day verzichten. Am 26. Dezember findet regelmäßig ein Spieltag der englischen Liga statt, der weltweit ausgestrahlt wird und für die Premier League sehr lukrativ ist.
Dazu kommt: Eine Verschiebung der WM dürfte gleich mehrere Spielzeiten beeinflussen. Die vorherige Saison müsste früher beginnen, die darauffolgende später starten. Das gesamte Konstrukt des europäischen Spielkalenders würde zerstört werden.
Im November findet das nächste Gipfeltreffen der ECA mit der Fifa statt. Dann sollen die Klubvertreter ein Szenario vorlegen und skizzieren, was die Folgen der Verlegung wären. ECA-Vizechef Umberto Gandini (AC Mailand) machte deutlich, dass man sich nicht so einfach seinem Schicksal ergeben werde. "Wir sind uns unserer Verantwortung als Arbeitgeber durchaus bewusst und wollen die Spieler schützen." Aber klar sei auch: "Wir werden alles tun, um die nationalen Ligen und die europäischen Wettbewerbe zu schützen."
Sollte die Fifa also ihren Willen unbedingt durchsetzen wollen, dürfte das nicht billig für den Weltverband werden. Für ihre Zustimmung könnten die Vereine hohe Entschädigungen fordern.