Schalke "Bin stolz auf diese Mannschaft"
Stuttgart - Rudi Assauer zog genüsslich an seiner Zigarre und gönnte sich ein kühles Bierchen. Schließlich kann der Manager von Schalke 04 nach dem ersten Sprung ins Finale um den DFB-Pokal seit 29 Jahren mit einer zusätzlichen Einnahme von rund vier Millionen Mark rechnen. Gegen den Drittligisten 1. FC Union Berlin gelten die Schalker am 26. Mai im Berliner Olympiastadion zudem als klarer Favorit (11:10-Quote beim Salzburger Wettbüro Intertops).
"Ich bin stolz auf die Mannschaft", schwärmte selbst Trainer Huub Stevens, während die euphorischen Fans bereits vom zweiten Double seit 1937 träumten. Tausende Anhänger belagerten am Morgen nach der Pokal-Gala im Gottlieb-Daimler-Stadion die Geschäftsstelle, um Karten für das 58. Endspiel im Berliner Olympiastadion zu ergattern. Sämtliche Telefonleitungen brachen zusammen, es stapelten sich die Faxe.
"Das war auch im Hinblick auf die Meisterschaft ein wichtiger Sieg", urteilte Schalke-Torjäger Ebbe Sand. Schließlich haben die Gelsenkirchener nun einen zweiten Joker in der Hinterhand, um sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Sollte Schalke über die Bundesliga sogar den Sprung in die Champions League schaffen, wäre Union Berlin selbst als Verlierer des Finales im Uefa-Cup dabei.
"Union ist eine klasse Mannschaft"
"Wir haben Union Berlin bereits beobachten lassen und werden dies nun noch intensiver tun", erklärte Schalke-Trainer Huub Stevens, der vor dem drittklassigen Finalgegner ebenso wie seine Profis gehörigen Respekt hat. "Union ist ein schwerer Gegner, die haben eine klasse Mannschaft, wie man gegen Mönchengladbach gesehen hat", warnte Mittelfeldspieler Andreas Möller und auch Schalke-Torwart Oliver Reck pflichtete bei: "Das wird eine schwierige Aufgabe."
Dennoch herrschte auf Schalke allseits Zufriedenheit, denn nach dem 1:4 in der Meisterschaft bei Energie Cottbus bewiesen die Königsblauen, dass sie sehr wohl in der Lage sind, den einen oder anderen Ausfall zu kompensieren. Im Pokal-Halbfinale lief es optimal: Sand hatte die Gäste mit einem Blitztreffer in der dritten Minute in Führung gebracht. Gerald Asamoah (6.) und Emile Mpenza (18.) sorgten kurz darauf vor 38.000 Zuschauern für die frühzeitige Entscheidung.
"Nicht in der Lage, positive Spiele zu verkraften"
Die Stuttgarter, nach dem 6:1 vom vergangenen Wochenende gegen den FC Kaiserslautern eigentlich mit breiter Brust erwartet, waren nach den früheren Gegentreffern geschockt. Für Stuttgarts neuen Manager Rolf Rüssmann, 1972 beim letzten Pokalerfolg der Schalker mit von der Partie, war es "ein Blackout von sechs Minuten", der die Final-Träume platzen ließ: "Das war die Höchststrafe."
Gegenüber dem sensationellen Erfolg vier Tage zuvor über Kaiserslautern war der VfB nicht wiederzuerkennen. "Wir waren nach diesem Sieg einfach zu optimistisch und unsere Fehler wurden eiskalt bestraft", stellte Heiko Gerber fest. Pablo Thiam unkte drei Tage vor dem Gastspiel beim Tabellenführer Bayern München gar: "Wir sind vom Kopf her nicht in der Lage, positive Spiele zu verkraften."
Von Hans-Peter Sick, sid