Pokal-Endspiel: Schalkes Stars gegen Duisburgs Reserve
Schalke vor dem Pokalfinale Angst vor dem Aus
Rein äußerlich war bei Señor Raúl alles so wie immer. Der Dreitagebart hatte die übliche Länge, auf den Augen des fünffachen Familienvaters lag die bekannte Mischung aus sanfter Freundlichkeit und leichter Müdigkeit. Ansonsten soll aber für den Angreifer des FC Schalke 04 im DFB-Pokalfinale gegen den MSV Duisburg am Samstagabend (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) alles anders sein. Und so saß Raúl nun in einem Berliner Hotel und erzählte von seinen persönlichen Cup-Erlebnissen in der spanischen Heimat.
"Mit Real Madrid habe ich zwei Mal im Finale gestanden, aber gewonnen habe ich keines der beiden Spiele", kramte der 33-Jährige dabei eher ungern in seiner sportlichen Vergangenheit. Nun soll die Copa del Rey eben durch den DFB-Pokal ersetzt werden. In seiner ersten Saison in Deutschland hat es Spaniens Fußballikone gleich ins Finale in Berlin geschafft. Nicht zuletzt dank seines entscheidenden Treffers beim 1:0 im Halbfinale in München.
"Jetzt will ich den Fans von Schalke den Pokal schenken", sagt er. Doch das wird schwierig, zuletzt hatte das Ensemble von Trainer Ralf Rangnick bei sechs Niederlagen in Folge arg geschwächelt.
"Es handelt sich um ein ganz anderes Spiel"
Beim jüngsten 1:2 in Köln war der ewig rackernde Offensivmann wieder einmal Schalkes Bester - und gleichzeitig sprachlos vor Verzweiflung, wenn einer seiner Mitspieler mal wieder einen falschen Laufweg einschlug oder sich gar nicht erst vom Fleck bewegte. "Die Leistungen, die wir in den letzten zwei Bundesligaspielen gezeigt haben, werden nicht ausreichen, um das Pokalfinale zu gewinnen", donnerte Manager Horst Heldt. Schon seit Mittwochnachmittag sind die Schalker dank Rangnick-Vorgänger Felix Magath in der Hauptstadt, der gleich nach dem Halbfinale Anfang März die Reiseplanungen für Berlin vorangetrieben hat. Und Raúl sagt: "Es handelt sich jetzt um ein ganz anderes Spiel."
Die Mannschaft habe in der zurückliegenden Woche "sehr gut trainiert" und werde "sehr gut eingestellt sein", betont der Vorzeigeprofi. Im Falle einer Niederlage gegen den Zweitligisten würde Raúl beim Sommerurlaub in Spanien vor seinen Landsleuten vor Scham in den Boden versinken, daher warnt er inbrünstig: "Wir spielen zwar gegen eine Mannschaft aus der zweiten Liga, aber das wird kein einfaches Spiel. Auch so eine Mannschaft kann, wenn sie richtig eingestellt ist, wehtun."
Die frühe Anreise nach Berlin hat aus den betretenen Mienen der abgestürzten Vizemeister - mit Endplatzierung 14 war Schalke in der Liga so schlecht wie seit 17 Jahren nicht mehr - zumindest offiziell neue Menschen gemacht. Nahe dem Brandenburger Tor hat Königsblau drei Tage vor dem Pokalendspiel seine noble Fünf-Sterne-Residenz bezogen - und beim verbalen Vorgeplänkel tönte der kürzlich noch so skeptische Manager Heldt: "Ich denke nicht an eine Niederlage." Sondern: "Ich bin voll davon überzeugt, dass wir gewinnen. Hundertprozentig."
"Wir wissen, was auf dem Spiel steht"
Und auch Ralf Rangnick erklärt pflichtschuldig, er sei "absolut überzeugt" vom Erfolg seiner Elf. Andererseits weiß Heldt: "Duisburg kann befreit aufspielen, wir dagegen haben alles zu verlieren." Für Schalke ist es die allerletzte Chance, um, wie es der 41-Jährige beschreibt, "diese intensive Saison doch noch positiv abzuschließen".
Es ist ein Showdown. "Wir wissen, was auf dem Spiel steht", umreißt Keeper Manuel Neuer vor seinem mutmaßlich letzten Spiel vor dem Wechsel zu den Bayern den Ernst der Lage. Ähnlich wie Raúl, der sich dank seines Auslandseinsatzes, der Spaniens Nationalcoach Vicente del Bosque außerordentlich gefällt, neuerdings Hoffnungen auf ein Comeback in der Auswahl des Weltmeisters machen darf, wirkte Neuer zuletzt extrem unzufrieden.
Doch auch beim 25-jährigen Nationaltorwart ist inzwischen wieder professionelle Zuversicht eingekehrt. "Duisburg wird die Kampfschiene auspacken, das ist klar", weiß der gebürtige Gelsenkirchener um die Taktik des Gegners, erklärt aber auch: "Darauf sind wir eingestellt." Ebenso wie sich sein zuletzt angespannter Trainer Ralf Rangnick längst darauf eingestellt hat, dass der geplante Umbau des inhomogenen und viel zu großen Kaders, den er von Magath übernommen hat, Schwerstarbeit wird.
Gefallen haben dem 52-Jährigen, der nach seinem Rücktritt in Hoffenheim ursprünglich erst zur neuen Saison wieder ins Trainergeschäft einsteigen wollte, bis jetzt nur der unter seiner Leitung rasch gesicherte Klassenerhalt und die Highlights gegen Mailand. "Jetzt müssen wir im Pokalfinale den dritten Schritt machen, bevor mein eigentlicher Auftrag beginnt", sagt Rangnick, der mit einem Sieg über Duisburg den ersten großen Titelgewinn in seiner Trainerkarriere feiern kann.
Das gefiele auch Horst Heldt, der vor dem Berliner Finale lästerte: "Zuletzt haben sich unsere Spieler ja ein bisschen ausgeruht." Ehe er sich nach Kräften selbst beruhigt. "Wir haben", findet Heldt trotz allem, "ja schon eine Mannschaft, die bei manchem großen Spiel gezeigt hat, wozu sie in der Lage ist."