Schalker Sieg in Bremen: Kühler Triumph der Königsblauen - DER SPIEGEL
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Schalker Sieg in Bremen Kühler Triumph der Königsblauen

Werder Bremen oder doch noch die Bayern? Vor der Rückrunde hatte kaum jemand über Schalke als kommenden Meister geredet. Das dürfte sich nach dem Erfolg der "Knappen" im Weserstadion geändert haben. Auch wenn sich der FC selbst der größte Feind bleibt.
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Vor einer Ewigkeit, und drei Spieltage in der Bundesliga sind eine Ewigkeit, war von Schalke eigentlich nicht so richtig die Rede. Werder Bremen hatte in der Hinrunde den tollsten Fußball gespielt und die Herzen der Fans erobert. Die traditionelle Großmacht Bayern München kam aus Dubai vom angeblich besten Trainingslager aller Zeiten zurück und kündigte große Taten an. Schalke 04 hingegen sahen die meisten Experten nicht wirklich als einen Kandidaten für den Titelgewinn, obwohl die Mannschaft vor Beginn der Rückrunde mit dem Tabellenersten aus Bremen punktgleich war. "Schalke ist in der öffentlichen Wahrnehmung etwas zu kurz gekommen", sagte Klaus Allofs, der Manager von Werder Bremen.

Das jedoch dürfte sich nach dem ersten Schalker Sieg im Weserstadion seit acht Jahren dramatisch ändern. Auf einmal ist das Team von Mirko Slomka nicht nur Spitzenreiter, sondern verschaffte sich diese Position durch einem Auftritt, der meisterlich war. Zwei Tore schoss Peter Lövenkrands für die Gäste, doch allein der Däne hätte noch zweimal mehr treffen müssen. Einen Elfmeter nach Foul von Naldo an Kuranyi hätte es für Schalke überdies geben können, doch die Gäste hatte nicht nur die deutliche Mehrzahl an Torchancen, sie dominierten das Spiel zu jeder Zeit und in jedem Bereich des Platzes.

Dabei trat Schalke aufgrund der Verletzung von Pander und der Sperre von Rafinha mit vier nominellen Innenverteidigern an, Dario Rodriguez und Tim Hoogland halfen links bezwiehungsweise rechts aus. Trotzdem stellte Bremens Trainer Thomas Schaaf fest: "Wir haben nicht geschafft, den Gegner in Verlegenheit zu bringen." Das lag neben der stabilen Abwehr vor allem am Schalker Mittelfeld, das den Gegner so sehr dominierte, dass Schaaf nach einer Stunde gleich zwei seiner vier Mittelfeldspieler auswechselte. Die Gäste spielten auf dieser stabilen Basis dann ihre Konter aus, für die der schnelle Lövenkrands wie gemacht war.

Es war jedoch ein anderes Element im Schalker Spiel, das den entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Mannschaften ausmachte. "Wir haben gekämpft bis zum Gehtnichtmehr", stellte Kevin Kuranyi fest und das war nicht einfach dahergesagt. Schon in den Tagen vor der Partie hatte Mirko Slomka gemerkt, "dass die Spannung sehr hoch war". Das setzten seine Spieler in Bremen sowohl in Konzentration wie in Entschlossenheit um. "Sie haben ihre Aufgaben im Blick gehabt und haben sie auch erledigt", stellte der Schalker Trainer fest.

Für Werder galt das nicht im gleichen Maße, was nicht nur am Fehlen des gesperrten Torsten Frings lag. Tim Borowski etwa machte sein schwächstes Saisonspiel, und auch Diego blieb ohne die ganz große Wirkung, sodass die Arbeit der Bremer Stürmer eine einsame war. Dennoch relativierte Klaus Allofs die Partie und ihre Folgen. "Wir haben kein gutes Spiel abgeliefert, aber das hat nichts zu sagen", sagte der Manager. Die Meisterschaft entschieden hat es zweifellos nicht, aber die Konstellation verschoben sehr wohl.

Dass man Schalke nach dem Sieg endlich als Kandidaten für den Meistertitel ernst nehmen sollte, merkte man auch daran, dass sie zwar mit heißem Herzen gespielt hatten, der Erfolg jedoch fast schon unterkühlt gefeiert wurde. In der Vergangenheit hatte die Mannschaft Siege in Spitzenspielen oft voreilig als Durchbrüche und Zeitenwenden empfunden. Denn auch früher war Schalke an Feiertagen oft besonders gut, wenn es große Spiele mit viel Tamtam und öffentlicher Aufmerksamkeit gab. Inzwischen scheint die Mannschaft jedoch verstanden zu haben, dass große Siege nur Wert haben, wenn sie im Alltag bestätigt werden.

"Wenn wir so weiterspielen, können wir auch Ende noch oben stehen", sagte Kevin Kuranyi. Aber bis dahin bleibt sich Schalke der größte Feind, wie man in Bremen ebenfalls sehen konnte. In den letzten Minuten begann plötzlich Kuranyi, vor allem aber der zuvor überragende Lincoln, die Gegner mit Hackentricks und Schnicksereien zu demütigen. Manager Andreas Müller war das etwas unangenehm. "Von Außen hat man das Gefühl, dass Hochmut vor dem Fall kommt", sagte er. Sollte auch noch der Kampf gegen die Hochmut erfolgreich geführt werden, dann könnte der Deutsche Meister 2007 wirklich Schalke heißen.