Schalker Trainersuche Der Anti-Slomka
Mirko Slomka hatte am Schluss auf Schalke nicht mehr allzu viele Befürworter. Beim HSV hingegen dürfte man dem geschassten Coach in den letzten Tagen hingegen die Daumen gedrückt haben. Schließlich sinken durch die Nachfolgediskussion bei den Gelsenkirchenern doch nun die Chancen, dass Fred Rutten von Twente Enschede dem Werben der Hamburger nachgibt. Denn offenbar steht der Niederländer auch bei Schalke hoch im Kurs. Rutten, der bei den Holländern von 1996 bis 1999 als Assistent von Hans Meyer wirkte, ehe er 1999 dessen Nachfolger als Chefcoach wurde, würde in vielerlei Hinsicht ins Schalker Konzept passen. Auch weil er in vielerlei Hinsicht einen Gegenentwurf zu Slomka darstellt.
Bei seinem Heimatverein Twente Enschede ließ Rutten mutigen Offensivfußball spielen. Zugleich arbeitete Rutten daran, den Erfolg des Vereins auf ein breiteres Fundament zu stellen. Rutten, der ursprünglich aus der Jugendarbeit kommt, baute Enschede neben Ajax Amsterdam und AZ Alkmaar zu einem der drei führenden Ausbildungsvereine der Niederlande aus. Auf Schalke, wo man lange sogar überlegte, die eigene U23 abzuschaffen, herrscht hingegen in der Nachwuchsförderung noch immer Nachholbedarf. Zu guter Letzt spricht Rutten, der im niederländisch-deutschen Grenzgebiet aufgewachsen ist, perfekt deutsch und gilt als Freund der Schalker Ikone Huub Stevens - zwei weiche Faktoren, die ebenfalls dafür sorgen dürften, dass weitere Kandidaten nur dann zum Zuge kommen, wenn Rutten absagt.
Aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur - beide gelten als charismatische, medienwirksame Trainer mit einer dezidierten Vorliebe für offensiven Tempofußball - würden auch Fürths Trainer Bruno Labbadia oder Jürgen Klopp zum Schalker Anforderungsprofil passen. Doch Labbadia fehlt bislang noch jede Bundesligaerfahrung, und Klopp hat sich festgelegt, nur bei einem verpassten Aufstieg seiner Mainzer andere Offerten prüfen zu wollen. Christoph Daum, der mit dem 1. FC Köln ernsthaftester Konkurrent der Mainzer um den dritten Aufstiegsrang ist, spürt auch nicht mehr den bedingungslosen Rückhalt seines Arbeitgebers. Schalke wäre ein Club, den sich Daum fraglos zutrauen würde. Ob das umgekehrt ähnlich gesehen wird, dürften Schalkes Verantwortliche erst dann prüfen wollen, wenn Rutten absagt. Nur wenn es länger dauert, bis der neue Mann präsentiert wird, hätte das Duo Mike Büskens/Youri Mulder eine Chance, den Job länger als die sechs Spieltage bis Saisonende machen zu dürfen.
Zumal Büskens und Mulder auch deshalb als Interimstrainer ausgewählt wurden, weil sie für die erfolgreichen, vergangenen Zeiten des Clubs stehen. Wie bei allen anderen Vereinen auch, neigt das Publikum auf Schalke zur Nostalgie. Da kommen Ex-Profis, die jeweils rund zehn Jahre beim Verein spielten, wie gerufen. Büskens blieb dem Club auch treu, nachdem er den Trainerschein gemacht hatte. In der mittlerweile dritten Saison trainiert er derzeit die Oberligamannschaft der Königsblauen. Bei den Fans haben die beiden "Eurofighter" Kredit. Was nicht schaden kann, wenn man mit einem komplett unerfahrenen Trainerteam in den Kampf um die Champions-League-Plätze geht.
Dass die Entscheidung, sich von Slomka noch vor dem Saisonende zu trennen, einstimmig fiel, mag zunächst verwundern. Schließlich ist es eine offenes Geheimnis, dass Manager Andreas Müller, der die Inthronisierung Slomkas 2004 gegen Rudi Assauer durchdrückte, bis vor wenigen Tagen an Slomka festhalten wollte. Doch gegen den offenbar entgegen gesetzten Willen von Präsident Josef Schnusenberg, Geschäftführer Peter Peters und Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies fiel es Müller zunehmend schwer, Geduld anzumahnen. Es ist eine noble Geste, dass Müller nun allerorten betont, dass er bereits vor ein paar Wochen beschlossen habe, Slomka im Sommer zu schassen. So übernimmt er Verantwortung, lässt aber auch gar nicht erst den Eindruck entstehen, als "lame duck" letztlich nur den Willen eines mächtigeren Präsidiums umzusetzen.