Scheich-Affäre Eriksson soll abgelöst werden
London - "Es ist ein offenes Geheimnis, dass Sven nach der WM geht, deshalb müssen wir so schnell wie möglich die Suche nach einem Nachfolger starten", hieß es aus Kreisen des Fußball-Verbandes (FA). Die FA hat den 57-Jährigen nach dessen peinlichem Fauxpas mit einem falschen Scheich zum Rapport bestellt. In einer öffentlichen Erklärung sicherte der Verband dem Coach zwar "weiterhin volle Unterstützung" zu, um die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft nicht zu stören. Doch Erikssons Ankündigung, nach der WM seinen Job als Nationaltrainer zwei Jahre vor Vertragsende vorzeitig zu beenden, hat in der Verbandszentrale am Londoner Soho Square Handlungsbedarf ausgelöst.
Nach einem ersten Treffen mit FA-Generalsekretär Brian Barwick zu Wochenbeginn sollen Eriksson und sein Manager Athole Still bei einer weiteren Sitzung in den kommenden Tagen im Beisein des FA-Vorsitzenden Geoff Thompson und FA-Direktor David Davies die Karten auf den Tisch legen. "Sven muss uns seine Zukunftspläne mitteilen, wir können nicht erst nach der WM nach einem neuen Coach suchen", zitierte der "Daily Mirror" einen Verbands-Funktionär.
Die Club-Manager der Premier League reagierten empört auf Erikssons Enthüllungen und bereiten einen Beschwerdebrief an die FA vor. "Es ist nicht zu akzeptieren, dass der Nationaltrainer öffentlich darüber spricht, einen Vereinskollegen abzulösen, solange er noch im Job ist", sagte Aston Villas Coach David O'Leary. "Ich hoffe, dass Sven aus dem Vorfall seine Lehren zieht. Was er getan hat, war naiv", sagte Alan Curbishley. Der Manager von Charlton Athletic gilt als möglicher Nachfolger von Eriksson.
Auch die Vereinigung der Liga-Manager (LMA) hat sich über die Kommentare des Schweden beklagt. LMA-Chef John Barnwell hat eine offizielle Beschwerde bei der FA vorbereitet und verlangt, dass der Verband disziplinarische Maßnahmen ergreift.
Eriksson war einem als Scheich getarnten Reporter des Sonntagsblattes "News of the World" in die Interview-Falle getappt und hatte dabei allerlei Indiskretionen über die Nationalspieler ausgeplaudert. Bei Kapitän David Beckham und dessen Kollegen hat sich der Fußballlehrer inzwischen entschuldigt, für den englischen Verband und die Chefs der Premier League ist der Fall aber noch nicht erledigt.