Schlechtes Image Werbespots mit Nationalelf abgesetzt
München - Bis zum Portugalspiel waren sie drin. "Die gehen nicht in sich", klärte Erich Ribbeck den beeindruckten Horst Hrubesch in einem Werbespot auf, "die gehen ins Internet." Seit Dienstag sind sie draußen: Sofort nach dem blamablen EM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stoppte die Deutsche Telekom den Handy-Spot mit den Euro-Versagern. Auch die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, die DWS, setzte ihre Kampagne mit Teamkapitän Oliver Bierhoff ab. So einfach ist das.
Die Nationalelf ist derzeit nur schwer vermittelbar, der Imageverlust damit auch für die Sponsoren riesig. Die Begeisterung für die "Deppen Europas" (Bild) hält sich bei den wichtigsten Werbepartnern des DFB in Grenzen. Generalsponsor DaimlerChrysler, der jährlich rund zehn Millionen Mark zur Verfügung stellt, setzt den DFB sogar offen unter Druck. "Wir werden jetzt ganz nachdrücklich aufzeigen, wie der gemeinsame Weg zukünftig aussieht", sagte Mathias Kleinert, Verantwortlicher im Bereich Sponsorship bei Daimler-Chrysler, der "Welt". Darüber habe er bereits vor dem Portugalspiel mit Firmenchef Jürgen Schrempp gesprochen.
Auch Panasonic will künftig stärker mit eingebunden werden. "Es sollten mit den Sponsoren auch inhaltliche Gesichtspunkte abgesprochen und nicht nur der monetären Aspekt in Betracht gezogen werden. Wir hoffen auf die richtigen Maßnahmen", sagt Christian Sommer von Panasonic Europa. Auch Mike de Vries von Bitburger fordert den DFB zu Korrekturen auf.
Sollte es die nicht geben, hat Jürgen Kindervater, Leiter der Gesamtkommunikation bei der Deutschen Telekom, zumindest eine Modifikation des Vertrages mit dem DFB nicht ausgeschlossen: "Unser Vertrag läuft noch bis 2002. Danach müssen wir den Wert der dann gültigen Nationalelf ermitteln. Und da stellt sich die Frage: Ist es ein augenblicklicher Blackout oder ein Langzeit-Phänomen."
Eins ist sicher: Mit der "schlechtesten deutschen Mannschaft seit Menschengedenken" (Daily Telegraph) ist derzeit kein Staat zu machen. "Es ist wie damals, als die A-Klasse umfiel. Niemand hat so etwas für möglich gehalten. Irgendwie gönnt man den Jungs derzeit ihr Bit nicht. Das Image ist erst mal dahin", erklärt Bernd Michael, Europa-Chef der Werbeagentur Gray. Allerdings tröstet er: "Es kann nur aufwärts gehen. Vielleicht konnten wir sogar Sympathiepunkte sammeln, weil wir auch einmal die Verlierer sind." Und er rät: "Die Sponsoren sollten weiter zur Mannschaft stehen."
Das tun sie: Bei aller Kritik hoffen die Business-Strategen auf bessere Tage. "Die Leistung war unter aller Sau, aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Nationalmannschaft wieder bessere Zeiten erlebt. Man verzeiht einer Firma auch einmal ein Montagsauto", erklärt Telekom-Mann Kindervater und fügt an: "Unser Sponsoring-Engagement ist nicht an Erfolge geknüpft. In einer guten Partnerschaft teilt man Freud und Leid."
Dieser Meinung ist man auch bei Adidas, dem langjährigen Ausrüster des Nationalteams. "Wir sind gemeinsam dreimal Welt- und Europameister geworden und haben alle Höhen miterlebt. Da versteht es sich von selbst, dass wir auch jetzt zum DFB stehen", betont Pressesprecher Oliver Brüggen.
DaimlerChrysler will nicht allzu hart mit den Geschlagenen ins Gericht gehen. "Der Vorstandsvorsitzende ist der Meinung, dass man einen Partner, der vernichtend geschlagen am Boden liegt, keinen Fußtritt geben darf", sagt Kleinert.
Und auch Panasonic sagt sich nicht vom DFB los. "Natürlich waren wir im ersten Moment frustriert. Aber jetzt wissen wir endlich, wohin die Reise geht. Es kann nur aufwärts gehen. Man kann Siege nicht bestellen, es gehören auch Niederlagen dazu", sagt Sommer. Der Grund für die Loyalität liegt für de Vries auf der Hand: Langfristig wird das Produkt Nationalmannschaft einfach immer ein Quotenrenner sein.
Thomas Niklaus und Jürgen Zelustek