Schnäppchenjagd Juventus-Profis heiß begehrt
Hamburg - Nach den Urteilen im italienischen Fußball-Skandal beginnt nun das große Feilschen um die Superstars. "Es wird aber keinen Schlussverkauf geben. Wer unsere Spieler haben will, muss einen angemessenen Preis zahlen", sagte der neue Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli. Die Stimmen der Spieler klingen dagegen anders. "Jeder von uns muss jetzt sehen, wie seine persönliche Zukunft aussieht", so Gianluca Zambrotta. "Am Ende wird sicherlich der Egoismus den Ausschlag geben", ergänzte Torhüter Gianluigi Buffon, dessen Marktwert auf rund 25 Millionen Euro geschätzt wird.
Zambrotta und der bei der WM überragende Innenverteidiger Fabio Cannavaro folgen angeblich Turins Ex-Trainer Fabio Capello zu Real Madrid. Cannavaro, Kapitän der Squadra Azzurra, soll sich jedoch auch schon mit Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch auf dessen Yacht getroffen haben. Um die Dienste Buffons buhlen derweil die Premier-League-Clubs Manchester United und der FC Arsenal. Dort steht bereits der deutsche Nationaltorhüter Jens Lehmann unter Vertrag.
Manchester will zudem Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso vom AC Mailand verpflichten. Zudem dürften Juventus-Profis wie Patrick Vieira, Mauro Camoranesi, Emerson, Pavel Nedved oder Zlatan Ibrahimovic das Interesse europäischer Spitzenclubs wecken. Trotzdem will der neue Juve-Coach Didier Deschamps "versuchen, einige Stars zum Bleiben zu bewegen".
Alle vier verurteilten Vereine haben fristgerecht ihre Berufungsunterlagen eingereicht und wollen zudem vor dem italienischen Verwaltungsgericht klagen. Es gilt jedoch als sicher, dass die Zwangsabstiege von Juventus, Lazio und Florenz auch nach der Berufung Bestand haben werden. Lediglich bei den verhängten Punktabzügen könnte das Gericht nach Einschätzung von Experten Milde walten lassen, schreibt der SID. Juventus muss bislang mit 30 Minuspunkten in die Saison starten, Lazio mit zwölf und Florenz mit sieben.
Finanzexperten schätzen den wirtschaftlichen Schaden für alle vier Vereine auf insgesamt rund eine Milliarde Euro. Mailand musste zwar nicht absteigen, darf aber in der kommenden Saison nicht an der Champions League teilnehmen. Durch den Abzug von 44 Punkten rutschte der Vizemeister auf den achten Rang, darf sich aber trotzdem Hoffnungen auf die Teilnahme am Uefa-Cup machen, da der Sechste FC Empoli keine Lizenz für diesen Wettbewerb besitzt.
Bei den Clubs, die von den Urteilen profitieren, war die Freude nur verhalten. "Natürlich sind wir zufrieden, wir hätten diesen Erfolg aber lieber auf sportlichem Weg erreicht", sagte Massimo Zamparini, Präsident des US Palermo. Der Tabellenachte der vergangenen Saison kommt nun unverhofft in den Genuss eines Champions-League-Platzes. Dort startet auch Inter Mailand. Der Dritte der abgelaufenen Saison war der erste Verein in der italienischen Fußball-Geschichte, der am Grünen Tisch zum Meister erklärt wurde.
mac/sid