Schulden Real Madrid droht der Bankrott
Madrid - Das hätte sich Florentino Perez sicher auch anders vorgestellt. Am Montagabend hatte der neue Präsident des spanischen Rekordmeisters die ohnehin schon unangenehme Pflicht, den Buchungsprüfungsbericht seines Vereins vorzustellen. In den letzten Jahren hatte sich die Summe der Nettoschulden stets solide im dreistelligen Millionenbereich bewegt; doch als Perez jetzt verkünden musste, dass die Belastungen zum 30. Juni dieses Jahres auf den Rekord von 545 Millionen Mark (46,2 Milliarden Pesetas) angewachsen waren, titelte das Sportblatt "As": "Perez sendet ein SOS."
"Das tägliche Überleben gleicht einem Wunder", sagte der 53-jährige Bauunternehmer Perez. "Wir haben einen Schwerkranken, und wenn nicht schnell gehandelt wird, droht ein böses Ende." Auch deshalb, weil die 120 Millionen Mark, die der Transfer des portugiesischen Stars Luis Figo vom FC Barcelona die "Königlichen" vor der jetzt anlaufenden Spielzeit gekostet hat, in der veröffentlichten Bilanz noch gar nicht auftauchen. Die Buchprüfer stellen das Überleben Real Madrids mittelfristig in Frage. Den 545 Millionen Mark Schulden stünden nur 113 Millionen an Einnahmen gegenüber. Eine sofortige Finanzspritze in Höhe von 130 Millionen sei notwendig.
Da könnte der Verkauf des Trainingsgeländes Reals im Norden von Madrid eine durchaus geeignete Maßnahme sein. An der elf Hektar großen "Ciudad Deportiva" ist die Stadt mit Blick auf ihre Bewerbung für die Olympischen Spiele im Jahre 2012 interessiert. Ein Treffen mit Bürgermeister Jose Maria Alvarez del Manzano gab es bereits. Doch während Perez den Wert des Grundstücks auf mehr als 500 Millionen Mark beziffert, gehen Fachleute von nur 195 Millionen aus. Der Präsident überlege nun, auf dem Gelände Bürohäuser zu bauen, heißt es.
Einen Schuldigen hat Perez selbstredend auch schon ausgemacht: seinen Amtsvorgänger Lorenzo Sanz. "Mit Baljic, Savio, Rodrigo, Solari und Munitis haben wir allein fünf Leute, die auf der linken Seite spielen", wettert Perez. Bei seinem Amtsantritt habe der Verein zudem 40 Profis unter Vertrag gehabt, zehn von ihnen mit EU-Pass: "15 von ihnen mussten gehen."
Mit Jorge Valdano im neuen Amt des Generalmanagers soll alles besser werden. Der gebürtige Argentinier, der als ehemaliger Spieler und Ex-Trainer mit Real Madrid immer eng verbunden war, soll sich um die Spielereinkäufe kümmern. Sanz hatte vergeblich versucht, ihn zu engagieren. Perez gelang es, Valdano an den Club zu binden. Doch erst einmal wird der 44-Jährige die Schulden des Clubs weiter ansteigen lassen. Spanischen Medien zur Folge verdient Valdano 3,5 Millionen Mark netto im Jahr.