Schwalbenkönige Hoeneß fordert Sperren
Hamburg - "Für mich ist eine Schwalbe eine Vergewaltigung des Sports", sagte Hoeneß im Interview mit der "Bild am Sonntag". "Wer mit einer Schwalbe einen Elfer rausholt und sich dann auch noch feiern lässt, der muss in den Zeitungen groß auf Seite eins als Versager des Tages." Der Bayern-Manager regte sogar an, einen Spieler für "eine entscheidende Schwalbe zwei Wochen" zu sperren. Die Fußballer seien viel zu wehleidig. "Wenn jemand gezupft wird, dann wälzt er sich minutenlang am Boden. Unsere Spieler sind zu große Schauspieler."
Genauso sieht es auch Klaus Allofs, Sportdirektor von Werder Bremen: "Solche Spieler als Schlitzohr zu feiern, das geht natürlich gar nicht." Bislang kann ein Spieler von der Gerichtsbarkeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nur belangt werden, wenn er nach der Partie sein Vergehen zugibt. Ansonsten gilt der Elfmeterpfiff als Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters.
Gestern hatte es in Berlin heftige Kritik von Hertha BSC nach dem angeblichen Foulelfmeter am Mainzer Marco Rose gegeben. "Das ist eine absolute Sauerei", schimpfte Hertha-Coach Falko Götz. Rose hatte sich nach einem Laufduell mit Mineiro und Arne Friedrich im Strafraum fallen lassen. Der Mainzer Mohamed Zidan ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte zum zwischenzeitlichen 1:1. Am Ende siegte Mainz 2:1.
Der Kontrollausschuss des DFB hatte in der vergangenen Woche ein Ermittlungsverfahren gegen Mehdi Mahdavikia vom Bundesligisten Hamburger SV wegen des Verdachts einer Schwalbe eröffnet, dieses dann aber eingestellt. Der Grund war die Aussage von Schiedsrichter Lutz Wagner, der eine Berührung des Dortmunder Torhüters Roman Weidenfeller mit Mahdavikia erkannt habe und deshalb einen Strafstoß verhängte.
"Diese Wahrnehmung des Schiedsrichters, wonach eine Handlung des Dortmunder Torwarts und nicht eine Täuschungshandlung des Spielers Mahdavikia ursächlich für die Strafstoßentscheidung gewesen sei, stellt eine Tatsachenentscheidung dar, die eine nachträgliche Ahndung eines etwaigen Sich-Fallen-Lassens Mahdavikias als krass sportwidriges Verhalten ausschließt", hatte der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, Horst Hilpert, erklärt. Die strittige Szene zwischen Mahdavikia und Weidenfeller hatte in der 10. Minute zum Elfmeter und anschließenden 1:0 des HSV geführt, der das Spiel am Ende 3:0 gewann.
mac/sid/dpa