Sebastian Deisler: Weltstar in spe - DER SPIEGEL
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Sebastian Deisler Weltstar in spe

Auch beim Test am Mittwochabend in Ungarn ruhen die Hoffnungen im Offensivspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor allem auf dem 21-jährigen Sebastian Deisler.
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Budapest - Am Spielfeldrand des Nep-Stadions geriet Dieter Hoeneß ins Schwärmen. Der frühere Vizeweltmeister und heutige Manager von Hertha BSC Berlin, der als Vertreter der Bundesligavereine zur Nationalmannschaft nach Ungarn gereist war, sprach über Sebastian Deisler. Der schoss im Training dem besten Keeper der Welt, Oliver Kahn, bei 35 Grad Celsius die Bälle um die Ohren.

Hoeneß sieht in Herthas jungem Spielmacher bereits einen "kompletten Spieler, dem nur noch die Reife fehlt". Vor zwei Jahren verpflichteten die Berliner Deisler für vier Millionen Mark, nachdem der damals 19-Jährige für Absteiger Borussia Mönchengladbach 17 Bundesligapartien bestritten hatte. Nach anfänglichen Problemen - Deisler war häufig verletzt - fasste der gebürtige Lörracher auch in Berlin Fuß und debütierte im Frühjahr 2000 gegen Holland im Nationaldress.

Ein Jahr später im WM-Qualifikationsspiel in Griechenland, als Deisler die deutsche Elf zum 4:2-Auswärtssieg führte, stieg "der Spieler des neuen Jahrtausends", so Franz Beckenbauer, zum Chef der deutschen Offensive auf. In Schussstärke, Lauffreude, Wendigkeit, Technik und Übersicht nahezu perfekt, ist Deisler mittlerweile Wunschkandidat der besten Clubs Europas.

Vor allem Champions-League-Gewinner Bayern München hat mehrfach sein Interesse bekundet. Der deutsche Rekordmeister sucht einen Nachfolger für seinen alternden Spielmacher Stefan Effenberg. Doch Dieter Hoeneß, bedrängt vom älteren Bruder Uli, dem Bayern-Manager, weiß, was die Hertha an ihrem Jungstar hat: "Effenberg war mit 21 Jahren nicht annähernd so weit wie Sebastian. Deisler hat die Voraussetzungen zum Weltstar."

Vom "Basti-Fantasti"-Image befreit


Wie ein kommender Maradona oder Matthäus tritt der 13-malige Nationalspieler allerdings nicht auf. Spielerberater Jörg Neubauer empfahl seinem Klienten mediale Zurückhaltung und hat ihn so vom "Basti-Fantasti"-Image befreit. Der neue Deisler gibt sich sportlich-professionell: "Die Verantwortung im Nationalteam für mich wird immer größer. Aber man darf sich nicht verstecken." Abseits des Platzes nimmt sich Deisler auch vor der Partie in Ungarn sehr zurück: "Ich versuche, mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen."

Hinter der Zurückhaltung steckt Kalkül. "Das macht er, weil er schlau ist", sagt Dieter Hoeneß, "er weiß, dass er in seinem Alter noch nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Deshalb ist es vernünftig, mit beiden Beinen am Boden zu bleiben." Das größte deutsche Fußballtalent lässt in der Tat keinerlei Zweifel an seiner Bodenhaftung aufkommen. Als die Nationalmannschaft ihr Training im Nep-Stadion beendet hatte, schulterte Deisler wie selbstverständlich die Balltasche und schleppte sie in die Kabine.