Servus Lothar: Maradona begeistert gefeiert - DER SPIEGEL
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Servus Lothar Maradona begeistert gefeiert

Lothar Matthäus hat sich am Freitagabend in München vom seinem Publikum verabschiedet. Neben dem frenetisch bejubelten Rekordnationalspieler erhielt aber auch ein anderer Weltstar des Fußballs reichlich Beifall.
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München - Mit einer Fußball-Gala in feierlichem Rahmen hat sich Lothar Matthäus am Freitagabend von jenem Club verabschiedet, dessen Trikot er insgesamt zwölf Jahre lang getragen hat und mit dem er sieben Meisterschaften und drei Pokalsiege inklusive der Titel in dieser Saison feierte. Als der Rekord-Nationalspieler in der 83. Minute seines Abschiedsspiels zwischen dem FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft (1:1) um 21.22 Uhr den Rasen des Münchner Olympiastadions verließ, wurde er von 47.000 Zuschauern mit Ovationen verabschiedet. Das Zeichen zur Auswechslung hatten am Spielfeldrand Matthäus' Töchter Alisa und Viola gegeben.

Fast ebenso wie Matthäus wurde der Kapitän der Bayern-Mannschaft, Diego Maradona, gefeiert. Der schwergewichtige Argentinier, Weltmeister von 1986, bewegte sich auf dem Rasen zwar wenig, begeisterte die Fans aber 43 Minuten lang mit technischen Kabinettstückchen. Dann machte "el Pibe de oro", der gerne dem Ruf von Matthäus nach München gefolgt war und dafür sein Drogenentzugsprogramm auf Kuba unterbrochen hatte, Platz für Bayern-Ersatzspieler Wojciechowski. Nach gut einer Stunde Spielzeit betrat mit Jürgen Klinsmann ein weiterer Alt-Star im Bayern-Trikot das Feld.

Der 39-Jährige Matthäus, der seit 10. März für die New York/New Jersey MetroStars spielt, hatte sich nach 45 Minuten im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes in der zweiten Halbzeit letztmals den Dress des deutschen Rekordmeisters übergestreift. Bei seiner letzten großen Torchance erwies sich allerdings der eingewechselte Torhüter Hans-Jörg Butt (81.) als Spielverderber. Weil er nach der bevorstehenden Europameisterschaft auch seine Karriere in der Nationalelf beenden wird, stellte Franz Beckenbauer bereits Überlegungen über die Zukunft des 146fachen Auswahl-Kickers an. "Für mich bringt er alle Voraussetzungen für einen idealen Trainer mit. Ich denke, das wird schneller gehen, als wir alle glauben", stellte der Bayern-Präsident und DFB-Vize fest.

Zum offiziellen Abschied des zweifachen Weltfußballers aus München hatten sich zahlreiche Weggefährten aus vergangenen Tagen versammelt. So war die Weltmeister-Elf von 1990 fast komplett im Olympiastadion zusammengekommen, dazu mit Udo Lattek, Jupp Heynckes, Giovanni Trapattoni, Otto Rehhagel, Franz Beckenbauer, Berti Vogts und Ottmar Hitzfeld all jene Trainer, die den gebürtigen Franken in seiner mehr als 20-jährigen Profi-Karriere geprägt hatten.

Einen Tag vor der Abreise ins EM-Trainingslager nach Mallorca war das Matthäus-Abschiedsspiel für die Kicker von Teamchef Erich Ribbeck kaum mehr als eine Übungseinheit. Bemerkenswert war immerhin das Comeback von Thomas Häßler, der sich nach 690 Tagen mit klugen Pässen und einem prächtigen Tor im Kreis der Nationalmannschaft zurückmeldete. Der Regisseur des TSV 1860 München glich in der 26. Minute die Führung für den FC Bayern aus, die Carsten Jancker (9.) nach Vorarbeit von Michael Wiesinger erzielt hatte.

Mit den von ihm ausgehenden Impulsen im Mittelfeld deutete Häßler, der im WM-Viertelfinale 1998 gegen Kroatien sein letztes Länderspiel absolviert hatte, an, dass er ein Gewinn für die EM-Endrunde sein kann. Der Dortmunder Jens Lehmann, nach seinem verhängnisvollen Patzer im Länderspiel gegen die Schweiz vom Publikum mit Pfiffen empfangen, machte dagegen auch in der bedeutungslosen Partie keinen sicheren Eindruck. Als der Keeper beim Aufgalopp zur EM-Vorbereitung einen harmlosen Strunz-Schuss nicht festhalten konnte, gab es sogar Hohngesänge von den Rängen.