Showdown in WM-Vorrunde: Endspiele ohne Ende - DER SPIEGEL
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3. WM-Gruppenspieltag: Achtelfinal-Lust oder Abfahrts-Frust

Foto: Matt Dunham/ AP

Showdown in WM-Vorrunde Endspiele ohne Ende

Jetzt beginnt die heiße WM-Phase: In den kommenden vier Tagen entscheidet sich, welche Teams ins Achtelfinale einziehen - fast alle Mannschaften haben noch Chancen auf die K.o.-Runde. SPIEGEL ONLINE erklärt die Ausgangslage in den acht Gruppen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Niederlande sind weiter, Brasilien auch. Kamerun und Nordkorea sind hingegen raus. Das war es aber auch schon mit den bisherigen Entscheidungen bei der WM in Südafrika.

Ansonsten ist alles offen, die Begegnungen der kommenden Tage haben daher meist Endspielcharakter.

28 Mannschaften kämpfen noch um das Weiterkommen. Von 16 ausstehenden Begegnungen versprechen somit 15 Hochspannung, allein das Duell Niederlande gegen Kamerun ist von geringerer Bedeutung.

Um mögliche Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und für Dramatik zu sorgen, finden die beiden letzten Gruppenpartien zeitgleich statt. Für das anschließende Achtelfinale qualifizieren sich die beiden Erstplatzierten einer jeden Gruppe. Doch was passiert, wenn Teams punktgleich sind?

Für die Platzierung in den Gruppen sieht das Reglement Folgendes vor: Zunächst ist die Punktzahl ausschlaggebend, dann die Tordifferenz und schließlich die Anzahl der erzielten Treffer. Wenn dann immer noch zwei Teams gleich dastehen, zählt der direkte Vergleich. Beispiel aus der Gruppe B: Spielt Südkorea gegen Nigeria 0:0 und Griechenland gegen Argentinien 1:1, hätten die Asiaten ebenso wie die Griechen vier Punkte und 3:4 Tore. Weil Südkorea den direkten Vergleich aber 2:0 gewonnen hat, wäre das Team weiter.

Letzte Möglichkeit nach dem direkten Vergleich ist das Los. Beispiel: Spielen Italien gegen die Slowakei und Neuseeland gegen Paraguay jeweils 0:0, hätten die Italiener und Neuseeländer drei Punkte, 2:2 Tore und im direkten Vergleich gegeneinander unentschieden gespielt. Dann müsste erstmals in der WM-Geschichte ein Achtelfinal-Teilnehmer per Zufallsprinzip ermittelt werden.

Wer muss wie spielen? Wer ist auf fremde Hilfe angewiesen, um die K.o.-Runde zu erreichen? SPIEGEL ONLINE erklärt die Ausgangslage in den acht Gruppen und zeigt mögliche Konstellationen auf - zumindest die realistischen, wozu sicherlich kein 7:0-Sieg Australiens gegen Serbien zählt.

Gruppe A - Frankreichs Schicksalsspiel

Die Ausgangslage ist simpel - und bietet dennoch jede Menge Stoff für Spekulationen. Uruguay (vier Punkte, 3:0 Tore) und Mexiko (vier Punkte, 3:1 Tore) stehen mit drei Zählern Vorsprung vor dem Dritten und Vierten an der Spitze und treffen im abschließenden Gruppenspiel am Dienstag aufeinander (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Spielen sie unentschieden, sind beide Teams weiter.

Dabei könnte sich Geschichte wiederholen: Bei der WM 1982 in Spanien traf Deutschland auf Österreich, die DFB-Elf ging in der elften Minute durch Horst Hrubesch 1:0 in Führung. Mit diesem Ergebnis wären beide Mannschaften eine Runde weiter gewesen. Folge: In den verbleibenden knapp 80 Minuten schoben die Teams den Ball nur noch in den eigenen Reihen hin und her, es war eine Art Nichtangriffspakt, die Partie ging als die "Schande von Gijón" in die Fußballgeschichte ein. Folgt 28 Jahre später die "Schande von Rustenburg"?

Möglich wäre es. Denn nur wenn im Duell Uruguay gegen Mexiko eine Mannschaft verliert, haben Frankreich (ein Punkt, 0:2 Tore) und Südafrika (ein Punkt, 1:4 Tore) noch eine Chance auf das Achtelfinale. Gewinnen die Franzosen, müssten sie dabei auch noch die um vier Treffer schlechtere Tordifferenz gegenüber Mexiko beziehungsweise das um fünf schlechtere gegenüber Uruguay aufholen. Südafrika, das ebenfalls gewinnen muss, um noch eine Chance aufs Weiterkommen zu haben, steht fünf Tore schlechter da als Mexiko und sechs als Uruguay.

Auch der Losentscheid ist in Gruppe A möglich: Siegt Frankreich 3:0 und verliert Uruguay 0:2, hätten beide Teams vier Punkte, 3:2 Tore und im direkten Duell 0:0 gespielt.

Gruppe B - Rehhagels Griechen hoffen auf das Wunder

Alles ist möglich in Gruppe B. Tabellenführer Argentinien (sechs Punkte, 5:1 Tore), dem das Achtelfinale nur noch theoretisch zu nehmen ist, reicht am Dienstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Griechenland (drei Punkte, 2:3 Tore) ein Unentschieden, um Gruppenerster zu bleiben.

Kommt es so, müssten die drittplatzierten Griechen auf einen Sieg von Nigeria (null Punkte, 1:3 Tore) gegen Südkorea (drei Punkte, 3:4 Tore) hoffen. Zweite Möglichkeit: Griechenland spielt 2:2, Südkorea 0:0, womit die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel bei gleicher Tordifferenz aufgrund der mehr erzielten Tore gegenüber Südkorea weiter wäre.

Kurios dabei: Selbst wenn die Asiaten gewinnen, bedeutet das noch nicht das Achtelfinale. Siegt Südkorea 1:0, Griechenland jedoch 2:0, wäre die Rehhagel-Elf weiter. Fazit: Spielen die Griechen und die Südkoreaner beide unentschieden, siegen beide oder verlieren beide, kommt die Tordifferenz ins Spiel.

Sogar Nigeria darf noch vom Achtelfinale träumen. Bedingung dafür: ein Sieg gegen Südkorea und ein Erfolg der Argentinier gegen Griechenland. Und auch ein Ausscheiden Argentiniens ist theoretisch möglich. Dafür müsste das Team mit drei Toren Unterschied gegen Griechenland verlieren, Südkorea mit zwei Toren Differenz gegen Nigeria gewinnen und dabei mindestens drei Treffer erzielen.

Gruppe C - England droht das Desaster

Auch in Gruppe C gilt: Jeder kann noch weiterkommen. Tabellenführer Slowenien (vier Punkte, 3:2) reicht ein Unentschieden am Mittwoch (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen England (zwei Punkte, 1:1 Tore). Das Team um Top-Star Wayne Rooney muss gewinnen, um das Achtelfinale zu erreichen.

Zweite Möglichkeit der Engländer: Die USA (zwei Punkte, 3:3 Tore) und Algerien (ein Punkt, 0:1 Tore) trennen sich 0:0, England spielt 3:3 (oder ein höheres Unentschieden) und wäre weiter. Auch hier gilt, wie bei Griechenland und Südkorea in Gruppe B: Im Zweifel entscheidet die Tordifferenz beziehungsweise geben die erzielten Treffer den Ausschlag.

Bei Algerien sind derlei Rechnereien überflüssig: Gewinnt das Team nicht, wäre es ausgeschieden. Bei einem Sieg wären die Nordafrikaner gemeinsam mit Slowenien weiter, wenn England höchstens unentschieden spielt. Zweite Möglichkeit: Slowenien verliert gegen England, Algerien gewinnt und macht zudem drei Tore auf die Slowenen gut.

Auch das Los ist in der Gruppe C möglich: Spielen die USA 0:0 und erreicht England ein 2:2, hätten beide Teams drei Punkte, 3:3 Tore und im direkten Vergleich 1:1 gespielt. Ein Elfmeterschießen anstelle des Loses sieht das Reglement nicht vor - das wäre allerdings auch eine Benachteiligung der Engländer.

Gruppe D - Deutschland zum Siegen verdammt

Alle hoffen, alle zittern - auch in der deutschen Gruppe herrscht Ausgeglichenheit. Für die DFB-Elf gilt: Ein Sieg Deutschlands (drei Punkte, 4:1 Tore) gegen Ghana (vier Punkte, 2:1 Tore) am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sichert das Achtelfinale. Bei einem Remis darf Serbien (drei Punkte, 1:1 Tore) gegen Australien (ein Punkt, 1:5 Tore) nicht gewinnen. Verliert die DFB-Elf, ist sie raus. So einfach ist das.

Damit sind auch die Bedingungen der anderen Gruppenteilnehmer aufgezeigt: Gewinnt Ghana, ist das Team ebenso weiter wie bei einem Remis. Serbien wäre bei einem Sieg sicher weiter. Ein Remis würde genügen, wenn Deutschland verliert oder wenn Ghana der DFB-Elf mit zwei Toren Differenz unterliegt. Eine weitere Möglichkeit: Ghana verliert mit nur einem Treffer Unterschied gegen Deutschland (Beispiel 0:1) und Serbien erzielt bei einem Remis mindestens zwei Tore mehr als die Afrikaner (Beispiel 2:2). Dann wären die Serben aufgrund der mehr erzielten Treffer ebenfalls weiter. Australien muss gegen Serbien gewinnen und auf eine Niederlage Deutschlands hoffen - dann wären die "Socceroos" im Achtelfinale.

Möglich, aber eher unwahrscheinlich, dass das Los in Gruppe D zum Einsatz kommt. Das wäre der Fall, wenn Deutschland 4:3 gewinnt und Australien 4:0 siegt. Dann wären Ghana und die Australier punkt- und torgleich, im direkten Duell spielten sie 1:1.

Gruppe E - Niederlande sicher weiter, Dänemark muss gewinnen

Die Ausgangslage in Gruppe E ist simpel. Kamerun (null Punkte, 1:3 Tore) ist ausgeschieden, die Niederlande (sechs Punkte, 3:0 Tore) sind bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Im direkten Duell am Donnerstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es also nur noch darum, ob Oranje als Gruppenerster in die K.o.-Runde einzieht, wofür ein Unentschieden genügt.

Im zweiten Spiel treffen Japan (drei Punkte, 1:1 Tore) und Dänemark (drei Punkte, 2:3 Tore) in einer Art Endspiel für das Achtelfinale aufeinander. Japan reicht ein Unentschieden für die nächste Runde, Dänemark muss gewinnen.

Gruppe F - Italien zittert

Tabellenführer Paraguay (vier Punkte, 3:1 Tore) hat die beste Ausgangslage und trifft am Donnerstag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Neuseeland (zwei Punkte, 2:2 Tore). Ein Remis genügt den Südamerikanern, um ins Achtelfinale einzuziehen. Neuseeland wäre bei eigenem Sieg weiter.

Auch mit einem Unentschieden könnten die Neuseeländer in die K.o.-Runde einziehen. Bedingung dafür: Italien (zwei Punkte, 2:2 Tore) und die Slowakei (ein Punkt, 1:3 Tore) trennen sich remis und bei Neuseelands Unentschieden fallen mehr Tore. Umgekehrt gilt diese Bedingung auch für ein Weiterkommen Italiens, das mit einem Sieg definitiv erlöst wäre. Ebenso bei einem Unentschieden, wenn Neuseeland verliert. Im Falles eines Remis zwischen Italien und der Slowakei könnte sich wiederum Paraguay sogar eine Niederlage leisten.

Gehen beide abschließenden Gruppenspiele mit einem torgleichen Unentschieden aus, muss zwischen Italien und Neuseeland das Los entscheiden. Ansonsten gilt bei der Partie zwischen der Squadra Azzurra und den Slowaken: Italien ist bei einem Sieg sicher weiter; gewinnt die Slowakei, wäre sie weiter, wenn Neuseeland nicht siegt.

Gruppe G - Brasilien ist durch, Portugal hofft

Brasilien (sechs Punkte, 5:2 Tore) ist sicher für das Achtelfinale qualifiziert und würde mit einem Sieg oder einem Unentschieden gegen Portugal (vier Punkte, 7:0 Tore) am Freitag (16 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) Gruppenerster bleiben. Für die Portugiesen gilt: Ein Sieg oder ein Remis sichern das Achtelfinale.

Doch selbst eine Niederlage gegen Brasilien dürfte reichen. Denn die Elfenbeinküste (ein Punkt, 1:3 Tore) hat vor dem letzten Gruppenspieltag ein um neun Treffer schlechteres Torverhältnis. Dies dürfte auch gegen das bereits ausgeschiedene Nordkorea (null Punkte, 1:9 Tore) kaum aufzuholen sein.

Sogar ein Losentscheid wäre möglich, wenn die Elfenbeinküste 6:0 gewinnt und Portugal 0:3 verliert. Dann hätten beide Teams vier Punkte, 7:3 Tore und gegeneinander unentschieden (0:0) gespielt. Sehr wahrscheinlich ist das allerdings nicht.

Gruppe H - Spanien fürchtet das WM-Desaster

Die besten Karten auf dem Papier hier hat Chile (sechs Punkte, 2:0 Tore). Ein Sieg oder Remis reicht gegen Spanien (drei Punkte, 2:1 Tore) am Freitag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) für das Weiterkommen. Doch selbst eine Niederlage könnte für die Südamerikaner reichen, um gemeinsam mit Spanien ins Achtelfinale einzuziehen. Das wäre der Fall, wenn die Schweiz (drei Punkte, 1:1 Tore) gegen Honduras (null Punkte, 0:3 Tore) verliert, unentschieden spielt oder bei einem Sieg nicht mehr als zwei Tore zu Chile aufholt.

Spanien ist bei eigenem Sieg weiter, bei Remis, wenn die Schweiz nicht gewinnt, oder bei einer Niederlage, wenn Honduras die Schweiz schlägt und dabei höchstens vier Tore auf Spanien gutmacht. Die Eidgenossen stehen im Achtelfinale, wenn sie gewinnen und Spanien nicht siegt. Jedoch: Siegen die Spanier und die Schweizer, muss das Team von Trainer Ottmar Hitzfeld auch drei Tore zu Chile aufholen. Ein Remis reicht der Schweiz, wenn Spanien verliert. Und eine Niederlage wäre genug, wenn Spanien mit zwei Toren Unterschied verliert, die Schweiz nur mit einem und dabei mindestens einen Treffer erzielt.

Zu guter Letzt Honduras: Nur ein Sieg zählt für die Mittelamerikaner. Bedingung wäre ein Erfolg mit zwei Toren Unterschied gegen die Schweiz und eine Niederlage Spaniens, wobei Honduras dann auch fünf Tore auf den Europameister aufholen müsste.

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