Sicherheitskosten bei Fußballspielen: Polizeigewerkschaft gegen Polizeigewerkschaft - DER SPIEGEL
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Sicherheitskosten bei Fußballspielen Polizeigewerkschaft gegen Polizeigewerkschaft

Bei den beiden Arbeitnehmervertretungen der Polizei herrscht offener Streit über Einsätze bei Fußballspielen. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft hatte eine Sonderabgabe der Clubs gefordert, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei nennt den Vorschlag "unsinnig".
Polizeieinsätze beim Fußball: Diskussion über eine Club-Abgabe
Polizeieinsätze beim Fußball: Diskussion über eine Club-Abgabe

Polizeieinsätze beim Fußball: Diskussion über eine Club-Abgabe

Foto: Uli Deck/ dpa
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Hamburg - Die Spitze der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich gegen eine Sonderabgabe der Clubs für Einsätze rund um Fußballspiele ausgesprochen. "Das ist eine unsinnige Forderung. Dann müssten wir alle Veranstalter, beispielsweise von Bürgerfesten, zur Kasse bitten", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut am Mittwoch bei dem DFB-Kongress "Feindbilder ins Abseits" in Frankfurt am Main.

Witthaut widersprach damit seinem Kollegen Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Wendt hatte in der Vergangenheit wiederholt eine Sonderabgabe der Bundesligisten gefordert und die Liga dazu aufgefordert, Bundesligaspieltage komplett abzusagen, wenn Polizisten durch andere politische Ereignisse oder Demonstrationen zu sehr in Anspruch genommen würden.

Witthaut rückte damit auch vom Kurs seines langjährigen Vorgängers als GdP-Chef, Konrad Freiberg, ab. Freiberg hatte mehrfach verlangt, die Vereine stärker in die Pflicht zu nehmen. Er hatte auch angeregt, laufende Spiele abzubrechen, wenn wiederholt Feuerwerkskörper auf den Rängen abgebrannt würden. Auch Partien ohne Zuschauerbeteiligung durchzuführen, gehörte zu Freibergs Vorschlagspaket.

GdP-Forderung: Alkoholkonsum verbieten

Witthaut sprach sich auf dem Kongress dafür aus, entschiedener gegen Gewalttäter vorzugehen und den Alkoholkonsum rund um die Partien generell zu verbieten. Er plädierte für eine Entzerrung des Spielplans, um eine Terminkollision mit anderen Polizei-Einsätzen zu verhindern. "Für uns als Polizei ist ein Limit erreicht. Die polizeilichen Ressourcen sind an Grenzen gestoßen", sagte der Gewerkschaftsboss angesichts der Bilanz von 1,5 Millionen Einsatzstunden in der Saison 2008/09.

Unterstützt wurde Witthaut von DFB-Präsident Theo Zwanziger. "Es ist richtig, dass die Polizei durch viele Stunden für die Sicherheit beim Fußball sorgt. Aber wir sind nicht die einzigen, die das in Anspruch nehmen", sagte Zwanziger und kritisierte die geplanten Einsparungen der Länder bei der Polizei: "Der Dienstherr, das sind die Länder, spart - und ein Dritter soll bezahlen."

Ohne den Namen Wendt zu nennen, griff auch der Ligaverbands-Vizepräsident Harald Strutz den DPolG-Chef an. "Was da von kleineren Gewerkschaften geäußert wird, sind durchsichtige Interessen und Populismus. Die Polizei und die Vereine dürfen sich nicht von Lautsprechern gegeneinander ausspielen lassen", sagte der Clubchef von Mainz 05: "Man darf auch nicht vergessen, dass die Vereine ein erheblicher Steuerzahler sind."

Wendt hatte sich schon 2009 den Unmut der Liga zugezogen, als er behauptet hatte, jeder Fan, der ein Fußballspiel besuche, schwebe in Lebensgefahr. DFB und DFL hatten damals von "maßlosem Populismus" gesprochen.

Die Dachorganisation der deutschen Fanprojekte hat auf demselben Kongress eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten bei Fußball-Einsätzen gefordert. "Das wäre ein Signal für Transparenz und würde Rechtssicherheit schaffen", sagte Thomas Beckmann, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte .

aha/sid/dpa