Später Erfolg Bayern is back
Später Erfolg: Bayern is back
Foto: Uli Deck/ dpaVedad Ibisevic war irritiert. Die Frage, ob man ein Heimspiel nicht dominanter gestalten müsse, beantwortete er deshalb mit einer Gegenfrage. "Was heißt schon Heimmannschaft - gegen Bayern München?" Recht hatte er, der Stürmer der TSG Hoffenheim, der erneut gut gespielt hatte und im Grunde genommen ebenso mit sich zufrieden sein konnte wie das gesamte Hoffenheimer Team.
Das gehört - auch nach den Eindrücken des Bayern-Spiels - zu den wenigen in der Liga, die Ballsicherheit und Tempo gut vereinbaren können. Die TSG hatte zudem drei, vier gute und drei hervorragende Torchancen. Eine durch den fußballerischen Feinmechaniker Sejad Salihovic (42.), der diesmal aus 27 Metern per Freistoß den Pfosten traf und so um "einen halben Zentimeter" (Trainer Ralf Rangnick) das Tornetz verfehlte. 2:0 hätte es dann gestanden, denn bereits nach 36 Sekunden hatte besagter Ibisevic seine Mannschaft in Führung gebracht. So aber endete die Partie 2:1 für Bayern München, weil Abwehrmann Daniel van Buyten in der ersten Minute der Nachspielzeit einen Ball ins Tor stolperte und zu diesem Zeitpunkt Thomas Müller längst den Ausgleich geschossen hatte (62.).
Der Sieg war "verdient", aber dennoch "glücklich", wie Rangnick mit jeder Menge Sprachgefühl feststellte. Heimspiele gegen die Bayern sind eben nicht wirklich welche. Weil man dabei auf eine Mannschaft trifft, die auch auswärts versucht, so dominant aufzutreten wie in der heimischen Arena. Das war nicht immer so. Seit Louis van Gaal ist es so.
Das "Glück erzwungen"
Der Coach, dessen Vertrag wohl alsbald verlängert werden dürfte, betonte am Dienstagabend dann auch einigermaßen deutlich, dass sein Team das "Glück erzwungen" habe. Das stimmte - 79 Prozent Ballbesitz kann man nicht anders interpretieren. Allerdings lobten sich sowohl die Angestellten mit Schlips als auch die in Sportlerkleidung in so schillernden Worten selbst, dass man das nur als Fortsetzung des Spiels mit anderen Mitteln deuten kann.
Bayern-Erfolg: Last-Minute-Sieg mit Wermutstropfen
Holger Badstuber wollte im zweiten Durchgang "keine Chance für den Gegner gezählt" haben - es waren mindestens zwei hochklassige (Vukcevic, 58. und Luiz Gustavo, 86.). Und Präsident Uli Hoeneß hatte gar "25 Torchancen in der zweiten Halbzeit" beobachtet. Das war natürlich nicht wörtlich gemeint - und trotzdem eine Aussage, der man nicht widersprechen durfte. Schließlich wollen sie beim FC Bayern, dass "Ruhe einkehrt, deswegen war der Sieg wichtig" (Badstuber).
Wer könnte das nicht nachvollziehen? Schließlich wollte mancher Kommentator die bisherigen drei Saisonspiele schon mit dem Wort "Krise" belegen. Was natürlich reichlich überdreht war, obwohl fünf Punkte und zwei Tore in vier Spielen nicht eben glamourös waren. Im Gegensatz zu den echten Krisenteams war der Rekordmeister allerdings dabei viermal das spielbestimmende Team gewesen. Die Münchner bleiben die Instanz, die in der Liga die Richtwerte setzt, an denen sich die Konkurrenz erfolglos abarbeitet.
Erfolg nicht mehr durch schnöde Effizienz, sondern spielerisch
Seit die Korrekturen des Louis van Gaal greifen, macht es sogar Bayern-Skeptikern ein bisschen Spaß, diese Feststellung zu treffen. Der Mann hat aus der schnöden Effizienzmaschinerie vergangener Tage bekanntlich ein Team geformt, das den Erfolg spielerisch erreicht. Auch im Frühherbst 2010 würde kein zurechnungsfähiger Mensch höhere Beträge darauf wetten, dass irgendein anderes Team als der FC Bayern Meister wird.
Viel schöner hat diese simple Wahrheit am Dienstagabend Mark van Bommel ausgedrückt: "Der Knoten war doch schon lange geplatzt, wir haben nur nicht gewonnen." Jetzt haben sie gewonnen. Und alle Fußballfreunde ahnen, dass es so weitergehen wird. Obwohl man am kommenden Spieltag auf Mainz 05 trifft. Der Überraschungserste hat schon sieben Punkte mehr auf dem Konto als die Bayern. Beunruhigt ist deshalb niemand.
Dabei gäbe es Gründe, um mit Sorgen in die Zukunft zu schauen. Arjen Robben hat bislang noch kein Saisonspiel für die Bayern bestritten. Dort wären sie heilfroh, wenn Deutschlands Fußballer des Jahres nach seiner Verletzung bald wieder mittun könnte. Sie werden auch heilfroh sein, wenn Franck Ribéry wieder fit ist. Der Franzose, der gegen Hoffenheim ein starkes Spiel zeigte, verletzte sich nach einem Zusammenstoß mit deren Verteidiger Andreas Beck. "Die erste Diagnose sieht nicht gut aus. Es könnte sein, dass etwas am Sprunggelenk kaputt ist und er länger ausfällt", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Trainer Louis van Gaal hatte eine ähnliche Wahrnehmung: "Ich glaube, Sie alle haben gesehen, dass es eine schwere Verletzung ist."
Ernsthaft beunruhigt wirkten komischerweise beide nicht, als sie die schweren Vorahnungen in Worte kleideten.