Spanien Empörung über zotigen Torjubel
Madrid - Aus Freude über einen Supertreffer seines Mitspielers José Antonio Reyes ließ Stürmer Francisco Gallardo vom Erstligisten FC Sevilla sich zu einer obszönen Geste hinreißen, die unter den spanischen Fußballfans einen Skandal auslöste. Der 21-jährige Gallardo warf sich nach dem Tor auf die jubelnden Mitspieler und gab dem am Boden liegenden Torschützen einen Kuss auf das Geschlechtsteil.
Am Dienstag reagierte der Disziplinarausschuss des spanischen Fußballverbandes (RFEF) mit der Einleitung eines Verfahrens gegen Gallardo. Auf Grund von Fernsehaufnahmen, so die Herren vom RFEF, bestehe der Verdacht, dass sich der U-21-Nationalspieler "regelwidrig verhalten" habe.
"Das geht zu weit"
Empörung auch in der spanischen Presse. "Das geht zu weit. Das ist ein Skandal!", empörte sich Spaniens
auflagenstärkste Zeitung "Marca" am Dienstag auf der Titelseite. "Wir haben schon viele peinliche Jubel-Arien erlebt, aber das ist die Spitze." Der Torschütze selbst wusste zunächst gar nicht, was mit ihm geschah. "Ich spürte nur ein leichtes Zwicken. Was sich wirklich abgespielt hat, bekam ich erst mit, als ich die Video-Aufnahmen im Fernsehen sah", berichtete das 18-jährige Stürmertalent. "Gallardo wird etwas erleben. Das Schlimmste sind jetzt die Kommentare, die ich mir von den Mitspielern anhören muss."
Reyes hatte beim 4:0-Sieg seiner Elf über Real Valladolid ein
Supertor erzielt. "El niño" (das Kind), wie er wegen seines Alters
genannt wird, hatte sich den Ball an der Mittellinie geschnappt, im
Stile eines Michael Owen drei Gegenspieler ins Leere
laufen, den gegnerischen Torwart aussteigen lassen und dann
das Leder ins leere Tor geschoben. Gallardo, spanischer U-21-
Nationalspieler, erklärte seine obszöne Geste so: "Es sollte nur ein
Scherz sein. Ein Mitspieler hatte mich auf die Idee gebracht. Wenn
ich gewusst hätte, dass das einen solchen Ärger auslöst..."
Harte Bestrafung verlangt
Die Sportpresse verlangte eine harte Bestrafung. "Die Kinder
eifern ihren Idolen nach. Wir wollen solche Jubelszenen unter
keinen Umständen bei Spielen von Jugendmannschaften sehen", so
der Kolumnist Angel Cabeza. Schon seit Jahren lassen die Fußballer
sich beim Feiern ihrer Tore immer neue Jubel-Gags einfallen. Die
einen schlagen Saltos, andere springen mit einer Hechtrolle über die
Werbebande.
Manche Torjäger legten sich ihre eigenen Marotten zu: Raul (Real
Madrid) küsst als Gruß an die Gattin den Ehering; Catanha (Celta de
Vigo) imitiert den Flug einer Taube; Luis Enrique (FC Barcelona) ahmt
den Start einer Rakete nach; Sonny Anderson (Olympique Lyon) gibt
sich als Pistolenschütze. Mittlerweile dürfen Torschützen beim Jubeln
auch wieder das Trikot ausziehen und durch die Luft wirbeln.
Der Sevillaner Gallardo war allerdings nicht der Erste, der die
Grenzen des Anstands sprengte. Der Ex-Valencianer Leandro hob
dereinst am Spielfeldrand das Bein wie ein Hund zum Pinkeln; Giovanni
(damals FC Barcelona) zeigte dem Publikum den "Stinkefinger"; und der
Engländer Fowler (FC Liverpool) strich mit der Nase an der
Seitenlinie lang, als würde er Kokain schnupfen.