Spanien Mühevolle Wiedergutmachung
Amsterdam - Titelanwärter Spanien hat seinen Fehlstart bei der Fußball-Europameisterschaft wettgemacht und mit einem 2:1 (1:0) gegen Slowenien Kurs auf das Viertelfinale genommen. Durch Tore von Millionen-Stürmer Raul (5. Minute) und Joseba Etxebarria (60.) feierte der zum Auftakt von Norwegen blamierte Favorit am Sonntag in der Amsterdam Arena seinen ersten Sieg in der Vorrunden-Gruppe C. Vor 38.000 Zuschauern hatte Zlatko Zahovic (59.) mit seinem dritten Turnier-Treffer zum 1:1 beim Außenseiter für kurze Zeit die Hoffnung auf eine weitere Überraschung nach dem Punktgewinn gegen Jugoslawien geweckt. Wie schon im Eröffnungsspiel zwischen Belgien und Schweden erwies sich Markus Merk auch bei seinem zweiten EURO-Einsatz als souveräner Schiedsrichter.
Fünf Tage nach dem verschlafenen Turnierstart präsentierte sich die Elf von Trainer Jose Antonio Camacho gegen den Außenseiter von der ersten Minute an hellwach. Die neu ins Team gekommenen Gaizca Mendieta und Alfonso erwiesen sich als belebendes Element und auch Super-Star Raul deutete erstmals an, zu was er fähig ist. Der Regisseur von Real Madrid, der im ersten Turnierspiel vor allem durch den Aufbau verzögernde Querpässe aufgefallen war, kurbelte das Spiel seiner Mannschaft dynamisch an und glänzte endlich auch als Vollstrecker. Als die slowenische Abwehr den Ball nach einem Schuss von Michel Salgado nicht weit genug aus der Gefahrenzone brachte, traf der 22-Jährige mit einem perfekten Schlenzer in den Torwinkel. Zwei Minuten vor der Pause vergab Raul nach Vorlage von Alfonso das mögliche 2:0.
Eine halbe Stunde war Spanien die klar tonangebende Mannschaft, dann schlichen sich Fehler ins Spiel der Iberer ein, die die ängstlich beginnenden Slowenen aufbauten. Zwar konnten Milan Pavlin und Zahovic nicht an ihre Glanzleistung beim 3:3 gegen Jugoslawien anknüpfen, dafür sorgte Mladen Rudonja für Unruhe in der spanischen Abwehr. In der 30. Minute blockte Salgado einen Schuss des 28- jährigen Belgien-Legionärs ab, dann parierte Spaniens Keeper Santiago Canizares gegen Rudonja. Der Schlussmann vom FC Valencia hatte von Camacho den Vorzug vor Jose Molina erhalten, der die Schlappe gegen die "Wikinger" mit seinem peinlichen Fehlgriff auf dem Gewissen hatte.
Die Nachlässigkeiten in Reihen der Spanier setzten sich aber auch im zweiten Durchgang fort. Als sich Rudonja (59.) auf der linken Seite energisch durchsetzte und in die Mitte passte, standen dort mit Zahovic und dem eingewechselten Milan Osterc gleich zwei Akteure einschussbereit. Der bei seinem Club Olympiakos Piräus ausgemusterte Zahovic reagierte schneller und erwischte Canizares auf dem falschen Fuß. Glück für den wankenden Favoriten, dass Etxebarria nach Zuspiel von Mendieta nur 60 Sekunden später zum 2:1 traf. Doch auch der zweite Treffer verlieh dem Spiel der Spanier nicht die erhoffte Sicherheit. Die Iberer versäumten es, aus ihrer Überlegenheit gegen die Balkan-Kicker weiteres Kapital zu schlagen. So mussten Fernando Hierro und Co bis zum Schluss um den knappen Vorsprung bangen.