Sparprogramm Calmund will Bayer-Gürtel enger schnallen
Leverkusen - "Das war ein ganz klarer Warnschuss. Wir wollen Taten auf dem Platz sehen", erklärte Calmund nach einer knapp einstündigen Aussprache. Die Spieler hätten seine Kritik nach dem Fehlstart des Tabellenvierten in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga "ordentlich aufgenommen".
Er habe dem zum Rapport bestellten Kader deutlich gemacht, dass er die notwendige Mentalität ("Herz und Leidenschaft") vermisse, so Calmund. Zugleich mahnte er einige "Wiederholungstäter", nicht wie im vergangenen Jahr bei dem Beinahe-Abstieg in ein Phlegma zu fallen. "Ich habe es sehr deutlich gemacht. Jeder weiß genau, wer und was gemeint ist", sagte er. Noch gelte für ihn, dass Arbeitsverträge eingehalten werden müssen, doch wenn erneut kein internationaler Startplatz erreicht werde, gelte dies nicht mehr.
Mannschaftskapitän Jens Nowotny hält eine solche Sparmaßnahme jedoch für nicht durchsetzbar. "Wenn ein Arbeitgeber versucht, ein Finanzloch zu stopfen, ist das nachvollziehbar", sagte er in der "Bild"-Zeitung, gibt aber zu bedenken. "Pochen die Spieler auf ihre gültigen Verträge - was will der Verein machen?", fragte der Abwehrspieler.
Unterdessen kündigte Wolfgang Holzhäuser ein drastisches Sparprogramm an. "Wir werden die Personalkosten bis 2006 halbieren", sagte der Geschäftsführer Finanzen. "Leistung und Gegenleistung stehen nicht in einem gesunden Verhältnis." Dies habe nichts mit den Rückrunden-Niederlagen in Freiburg (0:1) und gegen Frankfurt (1:2) zu tun. "Dass man zweimal hintereinander verliert, kann passieren, deshalb muss man die Gehälter nicht kürzen", sagte Holzhäuser.
Doch die Einnahmen seien auch durch die Kirch-Pleite um rund 40 Prozent gesunken, während sich die Einkünfte der Profis aber weiter auf dem Niveau bewegten, das bis 2001/2002 durch die Champions-League-Teilnahmen gerechtfertigt gewesen sei. Nachdem die Bayer-Elf in der vergangenen Spielzeit nicht einmal einen Uefa-Cup-Platz erreicht hatte, einigten sich Verein und Profis, wenigstens sämtliche Prämien für die Saison 2003/2004 zu streichen.
Außerdem verschob die Bayer AG den vor der Weltmeisterschaft 2006 geplanten Um- und Ausbau der BayArena, der mit 30 bis 50 Millionen Euro veranschlagt wurde. "Sparen ist nicht nur ein Thema für Bayer, sondern für die ganze Liga", sagte Holzhäuser. Als Faustpfand haben die Leverkusener ihren brasilianischen Weltmeister Lucio, dessen wahrscheinlicher Verkauf Ende der Saison Millionen in die Kasse bringen dürfte. Kontakte zum FC Chelsea hat Lucio bestätigt.