Spielabsage Uefa pariert Scharon-Attacke
Nyon - "Der Uefa-Beschluss ist gravierend, er muss unbedingt geändert werden", forderte Scharon am Donnerstag. Die Uefa hatte tags zuvor verfügt, das für den 14. März in Tel Aviv geplante Europapokalspiel zwischen Gastgeber Hapoel und dem AC Mailand zu verlegen. Als Austragungsort ist die zyprische Hauptstadt Nikosia im Gespräch.
Uefa-Präsident Lennart Johansson wies am Donnerstag Scharons Ansinnen zurück und bekräftigte noch einmal die Haltung seines Verbandes: "Wir sind nach unserer Entscheidung zwar unter Druck geraten, werden sie aber keinesfalls zurücknehmen." Uefa-Generaldirektor Gerhard Aigner hatte am Mittwoch die Verlegung mit mangelnder Sicherheit im Nahen Osten begründet.
"Die Uefa hat die Situation in Israel seit Monaten genau beobachtet. Wir mussten leider feststellen, dass die Gewalt immer mehr eskaliert", betonte Aigner. In der Nacht zum Dienstag hatte ein palästinensischer Terrorist in zwei Tel Aviver Restaurants drei Personen mit Gewehrschüssen und Messerstichen getötet. In einem Lokal speisten zur selben Zeit zwei Hapoel-Spieler.
Auch Berlusconi konnte nicht helfen
Nach Berichten israelischer Medien hatten Scharon und Außenminister Schimon Peres ("Wenn das Spiel in Israel stattfindet, werden wir die volle Sicherheit gewährleisten") Silvio Berlusconi um Hilfe gebeten. Der italienische Regierungschef ist gleichzeitig Präsident des AC Mailand, gegen den Hapoel im Viertelfinale des Uefa-Cups in Tel Aviv hätte antreten sollen. Angeblich hat Berlusconi im Gespräch mit Scharon erklärt, sein Club habe in Israel spielen wollen und sei von der Uefa-Entscheidung völlig überrascht worden.
Die Spielverlegung hatte in der israelischen Öffentlichkeit einen Schock und große Verärgerung ausgelöst. Mit Hapoel Tel Aviv hat erstmals ein israelischer Club das Viertelfinale des Uefa-Cups erreicht und im laufenden Wettbewerb unter anderem etablierte Clubs wie AC Parma und Chelsea London aus dem Rennen geworfen.
Die israelischen Sportfans empfinden die Entscheidung der europäischen Fußball-Funktionäre als klare Benachteilung des Außenseiters. "Eine Beleidigung für Israel", titelte die Tageszeitung "Maariv". Auch Hapoel-Spieler Jaakov Hillel zeigte sich enttäuscht: "Ich war völlig schockiert, als ich von der Entscheidung hörte. Israel hat so viele Probleme und jetzt wollen sie uns auch den Sport und Spaß wegnehmen. Das ist ein harter Schlag."