Sportwetten Zocken mit Exoten
Hamburg - Beim Deutschen Fußballbund denkt man ob des Hoyzer-Skandals mittlerweile über ein Wettverbot für Schiedsrichter, Spieler und Funktionäre nach - und will die privaten Buchmacher in ein Frühwarnsystem einbinden, um Verdachtsmomente auf manipulierte Spiele in den deutschen Ligen schon früher zu ermitteln. Vor allem aber hofft man, dass Hoyzer ein Einzelfall ist.
Diese Hoffnung hat man in Tschechien längst aufgegeben. 30 Schiedsrichter standen dort unter Verdacht, Geld für die Manipulation von Erstliga-Spielen der angenommen zu haben - zwölf räumten ihr Vergehen mittlerweile ein. Dass die tschechische "Gambrinus"-Liga in Verruf geraten ist, haben auch die privaten Wettanbieter erkannt. Doch die höchste Spielklasse wird nicht aus dem Programm genommen, aus einem einfachen Grund: "Die Nachfrage bei den Kunden ist da, denn Tschechien ist ein direktes Nachbarland Deutschlands", sagt der Leiter der Sportabteilung eines österreichischen Buchmachers.
So exotisch die erste Liga Tschechiens auch anmutet, eins steht fest: Eigentlich gibt es nichts, worauf nicht gewettet werden kann. Ob betandwin, wetten.de oder andere Anbieter von Sportwetten: Die Buchmacher haben neben den lukrativen Fußball-Topligen Deutschland, Spanien, Frankreich, England und Italien die meisten europäischen Verbände auf den Tippzetteln. Denn gerade zwischen Montag und Donnerstag fehlt es an Partien aus Primera División, Premier League oder Bundesliga. Deshalb können zum Beispiel bei einem Anbieter sogar Wetten auf Spiele in der vierten türkischen Liga abgeschlossen werden.
Für die Wettanbieter ist das Service: "In Deutschland gibt es viele Türken, die gern auf Partien ihrer Heimatorte setzen. Und wenn der Laden um die Ecke diese Spiele im Programm hat, dann kommt er wieder", erklärt ein Chefbuchmacher. Auch Brasilianer, Mexikaner oder Chilenen in Deutschland hätten bei vielen privaten Wettanbietern die Möglichkeit, auf Spiele ihrer Heimatländer zu setzen - bis runter in die Amateurligen.
Seit zwei Jahren steigt das in Deutschland verfügbare Angebot von Sportwetten ständig - und um Fußball geht es dabei längst nicht mehr allein. In den Programmen der Wettanbieter steht die Schweizer Eishockey-Nationalliga B über der Dänischen SuperBest-Liga, im Tennis ist das zweitklassige Challenger-Turnier in Santiago ebenso verfügbar wie das in Wrexham. Und wer sich im englischen Fußball auszukennen glaubt, kann auch ein Spiel der sechsten Liga (Conference South) tippen. Für einen Sieg von Carshalton Athletic bei Cambridge City gibt es heute immerhin eine Quote von 6,2:1.
Sogar ein ehemaliger Kneipensport hat Einzug in die Wettannahmestellen gefunden: Darts. Das Spiel mit den Pfeilen lockte früher niemanden hinter dem Ofen hervor, doch nachdem mittlerweile sogar das Fernsehen von großen Turnieren der Profis berichtet und mit dem Engländer Phil Taylor eine Galionsfigur gefunden ist, können auch Laien mit dem Sport Geld verdienen: Wer auf Taylors Konkurrenten Peter Manley als Sieger der Darts-Premier-League 2005 setzt, bekäme im Falle eines Erfolges immerhin 210 Euro für 10 Euro Einsatz zurück; Superstar Taylor brächte nur 14,50.
Mitunter treibt das Angebot noch merkwürdigere Blüten. Seit einiger Zeit findet sich zum Beispiel auch Bandy auf den Tipp-Zetteln. Bandy gilt in Skandinavien als drittbeliebteste Sportart, kommt ursprünglich aus England und wird mit einem Korkball und Schlägern auf Eis gespielt. In Schweden führt derzeit Villa-Lidköpping die Tabelle der ersten Liga an. Für einen Heimsieg gegen den Tabellenvorletzten Hammarby gibt es deshalb bei einem Euro Einsatz auch nur 1,85 zurück.