Stadion-Streit: Der Kaiser-Gipfel - DER SPIEGEL
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Stadion-Streit Der Kaiser-Gipfel

Franz Beckenbauer will nun noch einmal versuchen, ein neues Stadion für München durchzusetzen. Seine Chancen sind gar nicht so schlecht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Gestern noch trotzig, heute wieder diplomatisch: Franz Beckenbauer hat alle Beteiligten am Münchner Stadion-Streit zu einer Konferenz am kommenden Dienstag eingeladen. Dabei sah es am Donnerstag schon fast so aus, als habe er München als Austragungsort für die Fußball-WM 2006 schon abgehakt. "Dann findet die Sache eben ohne München statt", hatte der Kaiser beleidigt in einem Radio-Interview gesagt. "Es kann ja nicht jeder am Sport interessiert sein."

Jetzt soll am Dienstag noch ein weiterer Versuch unternommen werden, den Stadion-Streit zu beenden. Am Gipfeltreffen werden Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), Vertreter des FC Bayern und des TSV 1860 München teilnehmen.

Weil Beckenbauer und der FC Bayern die Renovierung des längst nicht mehr konkurrenzfähigen und WM-untauglichen Olympiastadions ablehnen, wird es während der Konferenz wohl nur um die Frage gehen, wo man ein neues Stadion bauen könnte. "Kaiser Franz" hatte erklärt, ohne einen Stadion-Neubau laufe München Gefahr, bei der Fußball-WM 2006 kein Spiel zu erhalten.

Als möglicher Standort für eine neue Fußball-Arena kommt nur noch das Gelände der Zentralen Hochschulsportanlage (ZHS) in unmittelbarer Nähe des Olympiastadions in Frage. Alle anderen Areale, die Beckenbauer und der FC Bayern vorgeschlagen hatten, waren am Widerstand der Münchner Kommunalpolitiker und der potenziellen Anwohner gescheitert. Das Gelände der ZHS, das vom ehemaligen Olympia-Dorf begrenzt wird, gehört allerdings dem Freistaat Bayern und nicht der Stadt München.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hält dort jedoch einen Stadion-Neubau für "planungsrechtlich möglich". Wenn alle Beteiligten an einen Strang zögen, könnte ein neues Stadion bis zum Beginn der WM 2006 fertig gestellt sein. Ude hat den Vorschlag nun an Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber weitergeleitet, der auch Vorsitzender des Verwaltungsbeirats des FC Bayern München ist.

Ein Stadion auf dem ZHS-Gelände hätte den Vorteil, dass die nötige Infrastruktur durch den Olympiapark bereits vorhanden wäre. Der Standort hat allerdings auch einen großen Nachteil: Wegen der Nähe zum ehemaligen Olympia-Dorf sind Proteste der Anwohner zu erwarten.