Stadionkatastrophe Suche nach den Schuldigen
Johannesburg - In Südafrikas Öffentlichkeit war den Organisatoren des sportlichen Top-Ereignisses Fehlplanung vorgehalten worden. Für das Spitzenspiel zwischen den Fußballclubs Kaizer Chiefs und Orlando Pirates im 62.000 Sitzplätze fassenden Ellis-Park-Stadion seien zuviele Eintrittskarten verkauft worden.
43 Menschen waren bei einer Massenpanik am Mittwochabend zu Tode getrampelt oder zwischen Gittern und Türen zerquetscht worden, als Tausende Fans ohne Eintrittskarte das überfüllte Fußballstadion im Stadtzentrum stürmten. Rund 160 Zuschauer wurden verletzt. Am Sonntag soll ein Gedenkgottesdienst für die Opfer stattfinden.
Polizei weist jede Schuld von sich
Während Augenzeugen immer wieder auf die unzureichende Sicherheit hinwiesen, lobte Polizeipräsident Sharma Maharj den Einsatz seiner Beamten: "Die Polizei war wegen der Verbrechensvorbeugung vor Ort und hatte nichts mit den Vorgängen innerhalb des Stadions zu tun. Ich bin zufrieden mit der Arbeit der Polizei."
Insgesamt waren während der Topbegegnung der beiden Lokalrivalen rund 200 Polizisten sowie einige Beamte des kommunalen Sicherheitsdienstes vor Ort. Bereits am 13. Januar 1991 hatte es bei Fan-Ausschreitungen während eines Spiels der beiden Clubs 40 Tote gegeben.
Untersuchungskommission eingesetzt
Um die Ursachen der Katastrophe zu ermitteln, hat die südafrikanische Regierung nur wenige Stunden nach dem Drama eine Untersuchungskommission eingesetzt. Zudem werde ein Opferfonds eingerichtet, in den die Stadionverwaltung und die beteiligten Clubs einzahlen sollen.
Alle Spiele im Liga-Fußball der Kap-Republik am Wochenende wurden abgesagt. Sportminister Ngconde Balfour erklärte nach einer Dringlichkeitssitzung, er hoffe, dass von der Katastrophe eine klare Botschaft ausgehe: "So etwas darf nie wieder passieren."
Folgen für WM-Bewerbung?
Der Regierung kommt die Tragödie angesichts ihrer angekündigten Kandidatur für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft im Jahr 2010 sehr ungelegen. Südafrika hatte sich schon für die WM 2006 beworben, war aber bei der Abstimmung in Zürich knapp am Mitbewerber Deutschland gescheitert.
Der Präsident des Weltfußballverbands Fifa, Joseph Blatter, wandte sich gegen alle Spekulationen: "Keine 24 Stunden nach einer solchen Katastrophe ist es geschmacklos, über ein WM-Turnier nachzudenken, das noch nicht einmal vergeben ist."
Der südafrikanische Sportminister Balfour ist weiterhin optimistisch: "So etwas hat es auch schon in anderen Ländern gegeben, ohne dass es deren Chance geschmälert hätte."