Stadionnamen Bitte kauf mich!
Hamburg - "Es ist wichtig, dass man nicht mehr Geld ausgibt, als man einnimmt", sagte Karl-Heinz Rummenigge dieser Tage fast mitleidig in Richtung Borussia Dortmund. Man müsse immer vom ungünstigsten Fall ausgehen und könne zum Beispiel nicht immer das Champions-League-Halbfinale einplanen, so der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern AG, dem Branchenprimus im deutschen Fußball.
Stadien der Sponsoren: Vom Volkspark zur AOL-Arena
Der Rekordmeister aus München mit seinen vielen Titel und Trophäen war einst das große Vorbild von Borussia Dortmund. Mitte der neunziger Jahre, als der BVB zweimal Meister wurde und 1997 gar die Champions League gewann, hatten die Borussen sportlich gleichgezogen. Doch an die Art und Weise, wie die Bayern wirtschaften, hielt sich der BVB keineswegs: Die Dortmunder gaben wie größenwahnsinnig Geld aus, um erfolgreich zu bleiben.
Mittlerweile jedoch ist allein die Teilnahme an der Champions League weiter entfernt als die Zweite Liga. Nur weil die Anleger im Molsiris-Stadionfonds vorerst auf Geld verzichten, konnte die Insolvenz des BVB gerade noch abgewendet werden. Nachdem Transferrechte an Spielern und das Vereinslogo bereits verscherbelt worden sind, denken die Dortmunder in diesen schweren Tagen nun sogar wieder über den Verkauf des Stadionnamens an den Hauptsponsor nach.
"Stade.on" statt Westfalenstadion?
"In unserer Situation müssen wir jede Option prüfen", erklärt der neue BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Bereits im Dezember 2001 hatte das Thema zur Diskussion gestanden, doch in Fankreisen stieß die Umbenennung des Westfalenstadions in "Stade.on" auf wenig Gegenliebe. Im März 2005 allerdings gibt es für den mit rund 90 Millionen Euro verschuldeten Club kaum noch eine Alternative.
So wollen die Dortmunder den Weg gehen, den schon andere Bundesligaclubs vor ihnen eingeschlagen haben, um frisches Geld in die Vereinskassen zu spülen. Als erster Bundesligist veräußerte der Hamburger SV im Sommer 2001 den Stadionnamen Volksparkstadion an den Internetanbieter AOL, der das an gleicher Stelle komplett neugebaute Stadion fortan "AOL-Arena" nennen darf. Bis 2006 kassiert der Hamburger SV insgesamt 15,3 Millionen Euro dafür.
In der Ersten und Zweiten Bundesliga sind inzwischen mehrere traditionsreiche Stadien umgetauft worden: Das Niedersachsenstadion in Hannover, 1974 und 1988 bereits im WM- beziehungsweise EM-Einsatz, wurde für die Weltmeisterschaft 2006 in ein reines Fußballstadion umgewandelt und nennt sich jetzt "AWD-Arena". Auch andere, für die WM neugebaute Stadien wie in Köln und Frankfurt haben den traditionellen Namen einem Sponsorennamen geopfert. Die Frankfurter pilgern jetzt nicht mehr ins Waldstadion sondern ab kommender Saison in die "Commerzbank-Arena". Und in Köln bleibt der Name des Müngersdorfer Stadions (heute "Rhein-Energie-Stadion") wenigstens in einem Kultsongs von Jürgen Zeltinger erhalten, der einst das Schwimmbad neben dem Stadion besang.
Mammon statt Tradition
In der bayrischen Landeshauptstadt preisen die Verantwortlichen das neue Stadion von FC Bayern München und 1860 München, die "Allianz-Arena", als das nonplusultra in Sachen Stadion-Architektur an und lassen das ehrwürdige Olympia-Stadion als bald verwaistes Denkmal zurück. In der "Allianz-Arena" wird auch das WM-Eröffnungsspiel 2006 bestritten, allerdings wird sie dann von der Fifa für die Zeit des Turniers einen neuen Namen erhalten: "Fifa-WM-Stadion München". Auch die Arenen in Hannover, Frankfurt, Köln und Hamburg müssen für die Zeit der WM auf den Sponsorennamen verzichten.
Ein Sonderfall bildet das Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion. Vor der Leichtathletik-WM 1993 hatte der Autohersteller Mercedes die Namensrechte am damaligen Neckarstadion gekauft und das Stadion umbenannt. Von der Fifa ist der Name anerkannt, deshalb wird das Stadion auch während der WM 2006 keinen neuen Titel erhalten.
Doch nicht nur die großen, neugebauten Arenen werden mit neuen Namen versehen. Auch in kleineren Fußballstadien wurde die Tradition dem Mammon geopfert. Die Bielefelder Alm heißt seit dieser Saison "Schüco-Arena". Und das idyllische Dreisam-Stadion, wo sich der SC momentan glücklos dem Abstieg entgegenstemmt, nennt sich mittlerweile "Badenova-Arena".
Alles begann mit der Ronhof-Revolution
Das erste Stadion, das sich seinen Namen einem Sponsor geopfert hatte, war allerdings weder ein Bundesliga- noch ein Zweitligastadion. Vielmehr fand die Revolution 1996 in der Regionalliga Süd statt. Der Fürther Ronhof, traditionelle Spielstätte des dreifachen deutschen Meisters SpVgg Fürth (1914, 1926 und 1929), wurde damals von einem Sponsor auf Vordermann gebracht und kurzerhand in "Playmobil-Stadion" umgetauft. Ein schwerer Schlag für die traditionsbewussten Fans der Franken, die in jenem Sommer auch einen weiteren Schicksalsschlag zu verkraften hatten: Die finanziell klamme SpVgg fusionierte mit dem soliden Ligakonkurrenten TSV Vestenbergsgreuth und heißt seitdem SpVgg Greuther Fürth.
Es scheint mittlerweile nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wie lange es noch Stadien gibt, die nach Franken, Ruhr oder Ostsee benannt sind, wenn man diese doch für viel Geld gegen den Namen eines Wirtschaftsunternehmens tauschen kann. Schwierig wird es in dieser Hinsicht allerdings für den 1. FC Kaiserslautern. Am verstorbenen DFB-Ehrenspielführer Fritz Walter, dessen Namen der Betzenberg seit einigen Jahren trägt, kommt wohl erstmal keiner vorbei.